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Kommentar: Zum Abzug amerikanischer Truppen aus dem Irak. Von Andrej Fedjaschin, Moskau

Das Ende, das keines ist

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(RIA). Viele Iraker, gemeinsam mit dem Rest der muslimischen Welt, haben den Monat Ramadan begonnen. Sicherlich auch in der Hoffnung, dass ihre Gedanken Zuflucht vor der Sorge um die Zukunft des Landes finden. Das Land lebt immer noch ohne ein Kabinett und nur Gott weiß, wann es eines erhält.

Zeitgleich zogen die USA Kampfeinheiten ab, um dem Wahlkampfversprechen von Präsident Barack Obama nachzukommen. Alle Kampfbrigaden sollen den Irak bis zum 1. September verlassen haben, während die verbleibenden Einheiten Ende 2011 gehen sollen. Und doch glauben nur wenige in der Regierung Obama, dass ein kompletter Abzug von US-Truppen aus dem Irak in der nächsten Zukunft realistisch sei.

Rund 100.000 amerikanische Soldaten zogen seit Amtsantritt von Obama vor rund eineinhalb Jahren aus dem Zweistromland ab. Die absolute Höchstzahl von 166.000 Soldaten im Jahre 2007 ist nun auf 65.000 gefallen. Nach dem 1. September soll nur noch eine „Übergangstruppe“ von 50.000 bleiben, deren Aufgabe vor allem im Training und der Beratung irakischer Sicherheitstruppen besteht. Wenn das Mandat für die Operation „Iraqi Freedom“ endet, beginnt zu diesem Termin eine neue mit dem Namen „New Dawn“.

Alle bisherigen Regelungen des Truppenabzugs erinnern vor allem an ein Auslagerungsschema. Der Abzug von US-Truppen aus dem Irak und die Umformung der Kampfmission in eine Kampagne zur Stabilisierung erscheinen beeindruckend, aber hinter dieser Rhetorik scheint es keine echte Absicht für ein Kriegsende zu Generalmajor Stephen Lanza, führender Armeesprecher im Irak, gab zu, dass sich praktisch kaum etwas nach dem Abzug ändern werde.

Militärische Operationen werden fortgeführt, allerdings unter intensiver Auslagerung und Privatisierung. Die Menge der privaten Vertragspartner, die im Auftrag der USA in den Bereichen Sicherheit, Kommunikation, Gerätschaften und Handel im Irak tätig sind, hat 100.000 Personen erreicht. Zehntausend von ihnen arbeiten für private Sicherheitsfirmen. Es wird erwartet, dass sich ihre Zahl nach dem Abzug der Kampftruppen verdoppeln wird.

Für die Regierung von Barack Obama stellt dies offenkundig einen guten Deal dar. Während die meisten Positionen in den Sicherheitsorganisationen von Nichtamerikanern besetzt sein werden statt von amerikanischen Einheiten, ist es weniger wahrscheinlich, dass es bei Angriffen gegen US-Einrichtungen zu einem Wandel in der heimischen Wahrnehmung in den USA kommen wird.

Die meisten Experten gehen davon aus, dass es gar keinen wirklichen „Abzug“ gibt. Sollte nach dem Ende des Ramadans ein neues irakisches Kabinett gebildet werden, dann werden dessen Minister die USA anflehen, den Abzug zu verschieben. Sogar Tariq Aziz, ehemaliger Minister unter Saddam Hussein, hatte davor gewarnt, dass ein Rückzug von US-Truppen aus dem Irak diesen in den Zusammenbruch treiben werde.

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