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Kompetenzen bündeln Der RIGD möchte Imamen in Deutschland mehr Gehör verschaffen. Von Yasin Alder

Kompetenzen bündeln

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(iz). Noch unbemerkt von der Öffentlichkeit gibt es seit Jahren Versuche von Imamen und Gelehrten in Deutschland, für besseren Austausch und Kooperation, aber auch für eine Vermittlung der Stimme der Gelehrten zusammenzukommen – und zwar im arabischsprachigen Spektrum. Innerhalb der Strukturen der großen türkisch-muslimischen Verbände gibt es ähnliches – doch nur intern. Ein Beispiel für eine solches Gremium ist der Rat der Imame und Gelehrten in Deutschland e.V. (RIGD), der 2002 in Frankfurt entstand und dort seinen Sitz hat. Der RIGD wurde von mehreren Imamen gegründet, wobei die Initiative auf Schaikh Ahmed Holeil und Mounir Jomoaa von der Frankfurter Moschee Tarik Ben Ziad zurückging, berichtet der RIGD-Vorsitzende Dr. Khalid Hanafy. Eines der Grundanliegen sei die Weiter­bil­dung der Imame gewesen, um sie in die Lage zu versetzen, ihr Wissen besser der deutschen muslimischen Gemeinschaft zu vermitteln und deren Anforderungen gerecht zu werden. So soll die RIGD eine Plattform für den Austausch bilden, aber auch eine Anlaufstelle für Muslime bei islamischen Fragen sowie Ange­legenheiten, die einer Beurteilung durch Gelehrte bedürfen.

Derzeit gehören dem Rat rund 60 Imame an. Dr. Hanafy nannte Beispiele wie Ibrahim Khedr aus Berlin, Moubarak Kounta aus Mainz und Sevgani Hassani aus Nürnberg. Die Mehrheit sei ägyptischer und marokkanischer Herkunft, es gebe aber auch einige albanische, bosnische und türkische Imame. Man befinde sich noch in der „Aufbauphase“ und wolle künftig auch mehr Imame nichtarabischer Herkunft ansprechen.

Zu den jetzigen RIGD-Aktivitäten gehören laut Dr. Hanafy Weiterbildung der Imame in Form von Wochenendseminaren sowie Fatwa-bezogene Angelegenheiten, wie die Vereinheitlichung der Positionen bei entsprechenden Gutachten innerhalb Deutschlands. „Der RIGD möchte auch die Integration der Imame fördern und dazu beitragen, Muslime vor Extremismus zu schützen“, sagte er. Außerdem könnten sich Imame auch bei Problemen an den Rat wenden.

Auf einer weiteren Ebene will der RIGD auch islamische Vereine, denen die Imame angehören, für eine bessere Koordination zusammenbringen. Von der Ausrichtung her folge die RIGD dem mittleren Weg und berücksichtige „die Besonderheiten des Landes, in dem wir leben“, so ihr Vorsitzender. Was die Vernetzung mit ausländischen Organisationen angeht, so bestünden im Augenblick gute Kontakte zu der Organisation ­„Annussra“ in Kuwait und zum „ European Council for Fatwa & Research“ in Brüssel.

Die RIGD-Mitglieder träfen sich regelmäßig, und da die Vorstandsmitglieder ohnehin sämtlich in Frankfurt wohnen, sei dies umso einfacher, so Hanafy. Im Bereich der Weiterbildung für Imame bietet das Gremium derzeit für die Mitglieder zwei bis drei Seminare pro Jahr an. Im Bereich Fiqh treffe man Entscheidungen und gebe Beschlüsse heraus zu Themen wie dem Ramadanbeginn in Deutschland oder Fragen wie beispielsweise der, ob das Zusammenlegen des Maghrib- und Ischa-Gebets während der Sommerzeit in Deutschland zulässig ist.

Dr. Khalid Hanafy sieht, dass trotz – zumindest scheinbar – verstärkt vorhan­dener Zugänge zu islamischem Wissen durch neue Medien bei den Muslimen in Deutschland noch immer ein Mangel an wichtigen Wissensinhalten bestehe, insbesondere bei der jüngeren Generation. Dies sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass es nach wie vor zu wenig in Deutschland ausgebildete Imame gebe, und zu wenige, die die deutsche Sprache sehr gut beherrschen oder in Deutschland aufgewachsen sind und sich mit der Situation und Mentalität der hiesigen Jugend und ihren Problemen auskennen.

„Es gibt sehr viele neue und komplexe Themen, und die Herausforderungen im Hinblick auf Fatwa-Fragen sind im europäischen Kontext sehr groß und komplex. Wir haben es hier mit ganz anderen Fragestellungen zu tun, die ein besonderes Wissen und ein tieferes Verständnis des Kontextes, in dem wir leben, erfordern“, sagt Dr. Khalid Hanafy.

Wie können gerade junge Muslime vor Extremismus und radikalen Gruppierungen geschützt werden? Dr. Hanafy sieht den Grund für dieses Problem in erster Linie in einem Mangel an solidem islamischen Wissen. „Die Jugend sollte vor solchen Strömungen geschützt ­werden, indem man ihr ein solides und reines islamisches Wissen vermittelt.“ Auch seien die islamischen Vereine und Insti­tutionen noch nicht ausreichend in der Lage, auf die Bedürfnisse der Jugend einzugehen.

Wichtig ist dem RIGD-Vorsitzenden nicht zuletzt, den grundsätzlich integrativen Ansatz des Gremiums hervorzuheben: „Wir sehen uns als Teil dieser Gesellschaft und möchten durch unser Engagement der Gesellschaft in der wir leben etwas anbieten und nicht nur von ihr profitieren.“

Webseite: << href=http://www.rigd.de>www.rigd.de/a>

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