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Konvertiert? So what!

Gerade die neuen Muslime sind Brücken in Deutschland

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(iz). Einem Muslim, der sich einmal dazu entschied, einer zu werden, wird gesellschaftlich fast überall sein Leben lang angehaftet, ein „Konvertit“ zu sein. Dabei entspringt dies in keiner Weise dem Din selbst. Wer Muslim wird, ist nichts anderes als ein Muslim. Diese Bezeichnung ist der von Allah gewählte Name für uns. Dass der Begriff des Konvertiten in Gemeinschaften und der ­Gesellschaft verwendet wird, deutet schon fast auf eine Verweigerung hin, die Vergangenheit eines Menschen ruhen zu lassen.

Ja, dieser Mensch war einmal Nichtmuslim, und ihn Konvertit zu nennen, erinnert ständig daran. Eine solche Sinneshaltung trägt in sich ein Nicht-Eingestehenwollen, dass die Sache schon längst vollzogen und vollendet ist. Aus dem deutschen Christen oder Atheisten ist vor zwei, drei Jahrzehnten ein Muslim geworden, ein deutscher Muslim. Ihn weiterhin Konvertit zu nennen, ist vielleicht ein kleiner Trost, da er somit ­irgendwie doch „kein richtiger“ Muslim ist und es immer die Möglichkeit gibt, dass er ja wieder zurückkehren könnte, zum ­„echten Deutschsein“.

Geschichtlich haben wir eine solche Haltung gegenüber ehemals neuen Muslimen schon erlebt und sollten eben deshalb vorsichtig damit umgehen. Auf dem Balkan wurden auch Jahrhunderte nach der Schahada ihrer Vorfahren die Muslime dieser Region als Leute bezeichnet, die das Christen- und ­Slawentum verraten haben. Der Europäer kann, einem solchen Weltbild nach, schlichtweg nicht voll und ganz Muslim sein und als solcher anerkannt werden, ohne dass ihm sein Europäischsein abgesprochen wird oder es zumindest hinterfragt wird. Den weiteren Verlauf einer solchen Ideologie ­kennen wir.

Zurück zu Deutschland. Den Balkan in unserem Kontext zu nennen, soll veran­schaulichen, dass es nicht harmlos ist, wenn Menschen, die ihr gesamtes Erwachsenen­leben Allah und Seinem Din widmen, von ihrer eigenen Gesellschaft immer mit dem bitteren Beigeschmack des Wortes Konvertit abserviert werden.

Und mit dieser Gesellschaft sind nicht bloß die Nichtmuslime gemeint. Die Muslime selbst, die aus muslimisch geprägten Ländern stammen, und inzwischen in Deutschland beheimatet sind, können es oft selbst nicht lassen, den gebürtig deutschen Muslim immer noch mit einem belächelnden oder desinteressierten Auge zu betrachten. Als sei die Tatsache, dass der gesamte Din darauf beruht, dass einst Leute ihre Schahada ­sprachen und sich bewusst entschieden, im Islam zu leben und zu sterben, in Verges­senheit geraten.

Islam ist immer auch Vision. Wo ist sie geblieben? Bei denen, die sich bewusst dem Islam zuwenden, ist meist das tiefe Gefühl für und Streben nach Gerechtigkeit mit ausschlaggebend, wieso Islam sie so fasziniert. Sie wollen sich dem Schöpfer hingeben und Seiner Schöpfung dienen, ihr Erleichterung, Mut und Hoffnung bringen. Das ist, was die Muminun vereint – oder sagen wir lieber, was sie vereinen sollte. Denn während viele der ethnisch geprägten Muslime sich in Debatten um Belangloses befinden, sind es eben allzu oft „die Neuen“, die mit Enthusiasmus tatsächlich noch die Welt retten wollen. Sich im Moscheeneubau einzunisten und zu meinen, die Arbeit sei getan, ist nicht der Weg, den Allah uns vorschreibt.

Gerade die deutschen, neuen Muslime ­können hier wegweisend sein. Sie sind ­Brücke zwischen Din und Deutschland, seiner Menschen, Geschichte und Kultur, und in der Lage, aus dem Wissen um ihre ­eigenen Wurzeln und den neuen, die sie nun schlagen, etwas zu erschaffen, was den Islam nicht nur durch einstige Migration, sondern auch durch das eigene Deutschsein hier beheimaten kann. Die Muminun leben im Hier und Jetzt.

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Tijana Sarac

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