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Lächeln ist eine Sadaqa. In allen Lebenslagen sind Muslime zur Brüderlichkeit aufgerufen. Von Imam Abdelouahab El Alioui

Unsere Pflicht zur Solidarität

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Es geht hier um einen Hadith mit gewaltiger Bedeutung, in dem der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagt: „Keiner hat vollkommenen Iman, solange er nicht für seinen Bruder das wünscht, was er für sich selbst liebt.“

(iz). Dies ist einer der gewaltigen Hadithe, auf denen das Gebäude des Islam aufgebaut ist und nach denen die Muslime ihre Lebensweise ausrichten. Was in diesem Hadith ausgesagt wird, ist, dass man nicht den Kern des Iman, nicht den wahren Iman [Glauben und festes Vertrauen in Allah] schmecken kann, solange dies nicht erreicht ist. Imam An-Nawawi, möge Allah ihm barmherzig sein, sagte über diesen Hadith, dass diese Brüderlichkeit von zweierlei Art ist: Und zwar die Bruderschaft im Din, und – wörtlich – die Bruderschaft im Ton, das heißt im Menschsein. Die Bruderschaft im Din erfordert, dass man seinen Brüdern behilflich ist, egal wo sie sich befinden, und ihnen Rechtleitung, Glück und Erfolg im Din wünscht. Vom Gesandten Allahs wurde auch überliefert, dass er gesagt hat: „Wem die Anliegen der Muslime nicht am Herzen liegen, der ist nicht von uns.“

Und Allah sagt im Qur’an: „Wahrlich, die Muminun [diejenigen, die Iman ­haben] sind Brüder, also schlichtet zwischen euren Brüdern, und fürchtet ­Allah, auf dass euch Barmherzigkeit erwiesen wird.“ (Al-Hudschurat, 10) Die Bruderschaft im Menschsein ­bedeutet, dass man alle Menschen liebt, egal ob sie Christen, Juden, Feueran­beter oder was auch immer sind, und ihnen wünscht, dass sie Rechtleitung finden und in den Islam eintreten. Der Gesandte Allahs sagte auch: „Keiner von euch wird in den Garten eintreten, bis sein Iman nicht vollkommen ist, und der Iman ist nicht vollkommen, solange ihr nicht die Liebe für eure Brüder besitzt und danach handelt.“ Und er sagte auch: „Soll ich euch von etwas berichten, das Liebe unter euch verbreiten wird? Grüßt einander mit dem Friedensgruß [Salam].“

Iman zu haben, ist eine Bedingung für den Eintritt in den Garten. Niemand wird in den Garten eintreten, bevor er nicht Iman hat in Allah, die Bücher, die Gesandten, die Engel, die Bestimmung und die Auferstehung. Das sind die Usul, die Grundlagen des Iman, und es ist für jeden notwendig, diese gut zu kennen. Der Gesandte Allahs sagt dann weiterhin, wie man diese Grundlagen weiterentwickelt und zur Vervollkommnung bringt, und er sagt, dass dies geschieht, indem diejenigen, die Iman haben, einander lieben. Dann weist uns der Gesandte Allahs auf das Mittel hin, durch das diese Liebe entstehen und gepflegt werden kann, und zwar dass man den Friedensgruß [Salam] untereinander verbreitet. Wenn hier von Salam die Rede ist, so bedeutet dies verschiedene Dinge. Das eine ist natürlich, dass ein Muslim, wenn er einem anderen Muslim begegnet, ihn mit „As-Salamu ‘alaikum!“ begrüßt.

Und was bedeutet dieser Gruß „Der Friede sei mit dir“? Es bedeutet, dass man dem anderen zusichert, dass man keine Gefahr für ihn darstellt, ihm gegenüber nichts Feindliches im Sinn hat und dass man ihm zur Seite stehen wird, wenn jemand anderes mit schlechten Absichten auf ihn zu kommt. Und dieser Gruß ist wirklich eine majestätische, eine gewaltige Aussage. Denn Allah hat Seinen Din mit diesem Namen bezeichnet: Islam. Denjenigen, der diesem Din folgt, hat Er Muslim genannt. Und einer der Namen Allahs ist „As-Salam“. Und den Ewigen Garten hat ­Allah als „Daru’s-Salam“, Haus des Friedens, bezeichnet. Allah sagt im Qur’an: „Allah lädt in das Haus des Friedens ein und führt auf den geraden Weg, wen Er will.“ (Yunus, 25)

Allah lehrt uns im Qur’an auch, dass der Gruß derjenigen, die in den Garten eingegangen sind, „Friede“, Salam, sein wird. Und auch der Gruß Allahs an die Leute des Gartens, wenn sie Ihm begegnen, ist „Salam“. Diese Liebe kann nicht entstehen außer durch Liebe zu Allah und durch Liebe und Brüderlichkeit um Allahs willen. Die Brüderlichkeit um Allahs willen hat wiederum verschiedene Aspekte. Dazu gehört, dass Allah uns befiehlt, einander zu helfen und Beistand zu leisten.

Allah sagt zum Beispiel: „Helft einander, um Gutes zu tun, helft einander zur Taqwa [ehrfürchtige Ergebenheit gegenüber Allah] und nicht zu Ungehorsam und schlechten Taten.“ (Al-Ma’ida, 2) Allah spricht im Qur’an über den Zustand der Prophetengefährten und beschreibt sie als solche, die ihre Brüder sich selbst vorziehen, sogar in Zeiten großer Not. Der Gesandte Allahs sagte: „Jedes Gelenk im Körper muss jeden Tag Sadaqa geben.“ Diese Sadaqa ist zum Beispiel, so der Prophet, dass man jemandem, der auf ein Reittier aufsteigen will, dabei hilft. Eine weitere Sadaqa dieser Art ist, dass man zwischen Zweien schlichtet.

Die Brüderlichkeit um Allahs willen hat noch eine weitere Bedeutung. Wie schon erwähnt, sagt Allah im Qur’an, dass diejenigen, die Iman haben, einander Brüder sind, und wir zwischen unseren Brüdern schlichten sollen. Die Gelehrten der Arabischen Sprache weisen bezüglich der Art, wie dieser Vers im Arabischen formuliert ist, auf bestimmte Dinge hin. So bedeutet zum Beispiel „Innama“ so viel wie „in der Tat“ oder „gewiss“, „in Wirklichkeit“ oder dergleichen, und es bedeutet eine Ausschließlichkeit für die Aussage, die danach folgt – dass es genau so ist, und nur so und nicht anders. Das bedeutet hier auch, dass die Brüderlichkeit nur dann erreicht wird und vollständig werden kann, wenn sie auch von Iman begleitet wird.

Es wird von Abdullah ibn ‘Abbas folgendes berichtet: Er befand sich in den letzten zehn Tagen des Ramadan in der Moschee des Propheten, und ein Mann kam in die Moschee. ‘Abdullah ibn ‘Abbas sah im Gesicht dieses Mannes Zeichen von Erschöpfung. Und er fragte ihn: „Mein Bruder, was ist mit dir?“ Daraufhin erklärte der Mann ihm seinen Zustand und was ihn bedrückte. Dann verließ der Mann die Moschee des Propheten wieder, und ‘Abdullah ibn ‘Abbas begleitete ihn, um sich gemeinsam mit ihm um sein Anliegen zu kümmern. Der Mann fragte ihn daraufhin verwundert, ob er sich denn nicht in die Moschee zurückgezogen hätte, um ‘Itikaf zu machen [Zurückgezogenheit in der Moschee, besonders in den letzten zehn Tagen des Ramadan]. Und ‘Abdullah ibn ‘Abbas erwiderte: „Dies [dir zu helfen] geht gegenüber dem ‘Itikaf vor.“ Denn der ‘Itikaf betrifft nur diejenige Person, die ihn durchführt. Aber jemand anderem Hilfe zu leisten, geht darüber hinaus. Der Prophet sagte: „Wer seinem Bruder hilft, dem hilft Allah.“ All dies erlangt man nur durch die Liebe zu seinen Brüdern und durch die Liebe um Allahs willen.

Wir wiederholen in unseren Gebeten in jeder Rak’a immer wieder die Sure Al-Fatiha, in der alles in der Mehrzahl formuliert ist; wir sagen zum Beispiel „Dich allein beten wir an“ und nicht „Dich allein bete ich an“, und so weiter. Wir sagen „leite uns auf den rechten Weg“ und nicht „leite mich auf den rechten Weg“. Die Handlungen der Anbetung, die wir gemeinsam ausführen, stärken ebenfalls die Liebe, die wir füreinander um Allahs willen haben.

Deswegen hat der Gesandte Allahs auch die Durchführung der Pflichtgebete in der Gemeinschaft so stark betont. Wenn der Muslim sein Gebet in der Gemeinschaft verrichtet, dann trifft er dort den Starken und den Schwachen, den Reichen und den Armen. Und sie alle sind gleich in der ‘Ibada [Anbetung] ­Allahs. Und es mag sein, dass die ‘Ibada von einem, der schwach ist und von den Leuten gering geschätzt wird, von Allah angenommen wird, und die des Starken und Angesehenen nicht. Denn Allah sagt, dass er von denen annimmt, die Taqwa haben. Und wer Taqwa hat und wer mehr davon hat, das weiß nur Allah allein.

Der Gesandte Allahs hat uns hinsichtlich der Bescheidenheit und dem Respekt, den man vor anderen Menschen haben soll, folgendes gesagt: „Es gibt Diener Allahs, denen Er, wenn sie Ihn mit einem starken Schwur um etwas bitten würden, ihre Bitte sofort erfüllen würde.“ Und in einem anderen Hadith sagt der Gesandte Allahs, dass es Leute gibt, die nicht angesehen sind und die vielleicht äußerlich in einem schäbigen Zustand erscheinen, doch wenn sie Allah um etwas bitten würden, so würde Er es ihnen sofort erfüllen. Denn der Ort, auf den Allah schaut, ist das Herz. Wie es in dem bekannten Hadith heißt, schaut Allah nicht auf unsere Kleidung und unser Äußeres, sondern auf unsere Herzen und unsere Taten.

Auch die Hadsch hat eine besondere Bedeutung bei der Festigung der Einheit und Brüderlichkeit um Allahs willen, und genauso auch die Zakat und das Fasten. Wenn wir uns die Arten der ‘Ibada im Islam anschauen, so finden wir in jeder etwas, was den einen Mumin mit dem anderen verbindet. Die Menschen unterscheiden sich im Islam darin voneinander, wie nah oder wie fern sie sind. Was die Beziehungen zwischen den Menschen betrifft, so sind manche einem näher und andere ferner.

Zum Beispiel die Eltern: Ihre Stellung kommt gleich nach der ‘Ibada zu Allah und nach der Liebe zum Gesandten Allahs. Deswegen hat Allah uns auch befohlen, Ihm zu danken und den Eltern gegenüber dankbar zu sein. Im Qur’an wird auch mit der Bezeichnung „Al-Arham“ die Bedeutung insbesondere der Blutsverwandten hervorgehoben. Das sind einige Beispiele dieser Liebe um Allahs willen, und es ist notwendig für jeden von uns, dass er Taten um Allahs willen verrichtet, um diese Liebe zu gewinnen und zu stärken.

Der Prophet sagte einmal, dass wenn der Nachbar gleichzeitig auch ein Verwandter ist, er uns gegenüber drei Rechte hat: Das Recht des Nachbarn, das Recht als Muslim, und das Recht als Verwandter. Und wenn er kein Verwandter ist, aber Muslim, dann hat er zwei Rechte, das Recht des Nachbarn und das Recht als Muslim. Und wenn er auch kein Muslim ist, dann hat er immer noch das Recht des Nachbarn.

Und der Gesandte Allahs sagte: „[Der Engel] Dschibril sprach zu mir so stark über das Recht des Nachbarn, dass ich beinahe dachte, er würde ihn noch zum Erben bestimmen.“

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