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Libanon: Die Jugend ist müde

Hoffnungslosigkeit in Folge der Beiruter Explosion erhöht Wunsch nach Auswanderung. Von Charline Bou Mansour

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Foto: Zerophoto, Adobe Stock

Beirut (MEMO). Der Libanon hat im Laufe seiner Geschichte Auswanderungswellen als Folge von Unsicherheit und Krieg erlebt. Heute leben mehr Staatsangehörige außerhalb des Landes als innerhalb. Die gegenwärtige Krise, die allgemein als die größte Bedrohung für die Stabilität des Landes seit dem Bürgerkrieg (1975-1990) angesehen wird, hat jeden dritten Libanesen dazu veranlasst, das Land zu verlassen.

Der Anstieg der Zahl junger, gebildeter und talentierter Menschen, die ihrem Land auf der Suche nach besseren Aussichten im Ausland den Rücken kehren, hat enorme Auswirkungen auf die Wirtschaft. Jahrzehntelange Konflikte haben zu einer schlechten Situation geführt und die Arbeitslosenquote in die Höhe getrieben.

Einen Monat nach der Hafenexplosion in Beirut fühlen sich die Menschen immer hoffnungsloser.

Die 29-jährige Joelle Haddad wurde 1991 in Großbritannien als Tochter libanesischer Eltern geboren. Seitdem ist sie zweimal in den Libanon gezogen und hat dort mehr als zehn Jahre mit ihrer Familie gelebt. Sie erlebte mehrere Kriege und den Zusammenbruch der Wirtschaft. „Mein ganzes Leben lang passe ich mich an, gewöhne mich daran, passe mich dann wieder an und gewöhne mich daran“, sagte sie dem Medienportal Middle Eastern Monitor (MEMO).

Die schmerzhafte Realität, nicht in ihrem Heimatland zu leben, zwang ihre Eltern, sich weiter an ihr Bild vom Libanon zu klammern. Als sie ein Alter erreichte, in dem ihre Zukunft unklar war und sie fliehen wollte, hatte sie das Glück, 2015 nach Großbritannien zurückzukehren und ihre Familie mitzunehmen.

Die Diasporagemeinschaften haben schnell geholfen, Spenden und Spendenaktionen organisiert, da sich viele nach der Explosion hilflos fühlten. Aber für diejenigen in Beirut war es ein Weckruf, nun zu gehen. Sie nennen Nachlässigkeit der Regierung als Grund, warum 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat sechs Jahre lang unsicher im Hafen von Beirut gelagert wurden, bis diese schließlich explodierten. Da mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Armut lebt, ist es kein Wunder, dass viele libanesische Jugendliche zuversichtlich sagen können: „Ich komme nie zurück.“

Der Text wurde im Rahmen einer Creative Commons-Lizenz veröffentlich.

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