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Libyen: Mahmut Güngör von Islamic Relief berichtet über die Lage der Flüchtlinge

Situation kann sich zuspitzen

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(iz). Mahmut Güngör ist Projektkoordinator bei Islamic Relief Deutschland. Derzeit befindet er sich in Tunesien, um die Libyen-Hilfe der Hilfsorganisation zu koordinieren. Er berichtet für die IZ über seine Arbeit und die aktuelle humanitäre Lage.

„Seit dem 27. Februar ist Islamic Relief bei der Krise in den nordafrikanischen Ländern aktiv. Wir haben zuerst in Ägypten die ersten Flüchtlinge aus Libyen, die dort über die Grenze kamen, versorgt, mit Lebensmitteln, Wasser, Transportmöglichkeiten und Gesundheitseinrichtungen. Wir sind dann mit drei LKW-Ladungen mit medizinischen Versorgungsgütern nach Bengasi in Libyen aufgebrochen und haben versucht, die Versorgung mit Medikamenten dort zu verbessern.

Nachdem sich die Lage im Osten des Landes etwas stabilisiert hatte, sind wir dann Anfang März nach Tunesien gegangen, also nahe der Westgrenze Libyens, weil es dann hier zu einer großen Welle von Flüchtlingen aus der Region Tripolis kam. Wir sind nun am Grenzübergang im Flüchtlings- bzw. Transitcamp Ras Jdir.

Islamic Relief bedient hier drei Stationen. Die erste ist direkt am Grenzübergang; wenn die Menschen über die Grenze gekommen sind, nehmen wir sie dort in Empfang, versorgen sie, begleiten sie bei den Kontrollen, leisten medizinische Hilfe und versuchen sie zu beruhigen. Dann organisieren wir zusammen mit den anderen Hilfsorganisationen den Transport vom Grenzübergang zum Transitcamp, was eine Strecke von etwa neun Kilometern ist.

Wenn sie im Camp angekommen sind, unterstützen wir die Menschen bei der Registrierung im Camp. Islamic Relief bedient momentan im Camp zwei Sektoren, die komplett unter unserer Leitung stehen. Das ist zum einen der Familiensektor, wo sich aktuell vermehrt somalische Familien mit kleinen Kindern befinden, und zum anderen ein Areal mit ungefähr 300 Zelten, wobei in jedem Zelt sieben Menschen untergebracht sind. In diesem Areal haben wir das so genannte Camp Management inne, das bedeutet wir sorgen für Sauberkeit, Ordnung, Versorgung mit Lebensmitteln und kümmern uns um die medizinische Versorgung. Es geht aber auch um alltägliche Dinge, etwa den Menschen gut zuzureden und Mut zu machen. Denn viele Menschen sind von den Ereignissen, die sie in Libyen erlebt haben, traumatisiert, sodass sie, wenn sie ankommen, sich erst einmal fragen, „was machen wir jetzt?“. Wir versuchen, soweit es uns möglich ist auch psychologische Unterstützung zu geben.

Anhand der Berichte der Menschen, die über die Grenze kommen, können wir die derzeitige Lage in Libyen wie folgt zusammenfassen: Es befindet sich noch immer eine sehr große Anzahl von Gastarbeitern in Libyen, die das Land verlassen möchten. Bisher war die Ausreise relativ einfach möglich, man gelangte innerhalb von zwei bis vier Stunden von der Hauptstadt Tripolis an die tunesische Grenze; mittlerweile scheint es aber so zu sein, dass sie auf dem Weg von der Hauptstadt an die Grenze sehr oft angehalten werden, von Bewaffneten, dass sie auch Gewalt ausgesetzt sind und gezwungen werden, ihre Wertsachen abzugeben und dadurch auch ihre Kommunikationsmöglichkeiten, etwa Telefone, verlieren.

Auch soll es inzwischen sehr teuer geworden sein, von einer westlibyschen Stadt zur Grenze zu kommen, es sei praktisch nicht mehr zu bezahlen. Daher können viele diese Reise nicht mehr antreten und harren noch in Libyen aus, oder sie versuchen, zum Flughafen von Tripolis durchzukommen und von dort wegzukommen, oder von einem Hafen aus mit dem Schiff das Land zu verlassen. Die beiden letzten Punkte sind Vermutungen, die wir nur aufgrund dessen äußern können, was uns berichtet wird. Denn was genau aktuell in Libyen passiert, dazu gibt es keine konkreten Hinweise und keine offiziellen Stellungnahmen. Wir können uns nur aufgrund der Berichte, die uns erreichen, ein ungefähres Szenario bilden.

Auch wenn die Lage in dem Camp Ras Jdir sich in den letzten Tagen relativ konstant gehalten hat und es keine besonderen Vorkommnisse gab, gibt es dennoch Szenarien, dass die Lage in Libyen und gerade im westlichen Teil des Landes, der gerade sehr stark umkämpft ist, sehr dramatisch werden könnte. Wir können daher nicht davon ausgehen, auch wenn die aktuelle Lage diesen Eindruck vermitteln könnte, dass alles in Ordnung sei, sondern müssen auch einkalkulieren, dass die Lage in Libyen auch viel schlimmer werden eventuell auch eine riesige Zahl libyscher Flüchtlinge kommen kann, wodurch es sehr schnell zu einer ernsten humanitären Krise kommen könnte. Wir benötigen daher jegliche Hilfe und Unterstützung. Wir hoffen auf das Beste, müssen aber auch auf das Schlimmste vorbereitet sein, und müssen davon ausgehen, dass die Hilfe hier nicht nur auf kurzfristiger Basis benötigt wird.“

Spendenkonto: Islamic Relief Sparkasse KölnBonn Kontonr: 12 20 20 99 BLZ: 370 501 98 Stichwort: Nothilfe

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