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Kommentar: “Friedensmarsch” in Köln, eine Chance verpasst

Eine gemeinsame Positionierung gegen den Terror darf nicht an inhaltlichen Differenzen scheitern

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(iz). Grundsätzlich ist klar, dass wir Muslime eine gesellschaftspolitische Verantwortung und Aufgabe haben, der Assoziation von Terror mit dem Islam klar – natürlich auch öffentlich – entgegenzutreten. Es geht also nicht etwa um die Bestätigung von banalen Schuldzuweisungen, sondern um eine hörbare Positionierung der Muslime in einer gesellschaftlichen Debatte. Nebenbei erwähnt dürfte auch klar sein, dass es in Deutschland Demonstrationsfreiheit gibt und keinen Demonstrationszwang.

Ob eine Demonstration gegen den Terror im Ramadan sinnvoll ist, lässt sich kontrovers diskutieren. Natürlich werden die islamophoben Kreise in unserem Land nie Frieden mit der Präsenz des Islam in Deutschland schließen. Es geht bei diesem Engagement aber nicht um unsere Feinde, möchte man entgegnen, sondern um die Stärkung unserer Freunde; und schließlich um ein Zeichen der Positivität. Eine Demonstration der Einheit, in einer der wichtigsten Fragen unserer Zeit – beispielsweise auf einer Demonstration –, wie die in Köln am Wochenende geplante, hätte durchaus eindrucksvoll sein können. Allerdings wurde diese Chance verpasst.

Inhaltlich wäre ein breiter Konsens der Muslime durchaus möglich gewesen. Das Wortungeheuer „islamischer Terrorismus“ ist nicht nur paradox, sondern für die überwältigende Mehrheit der Muslime schlicht undenkbar. Diese klare Position schließt mit ein, das Phänomen der muslimischen Terroristen und ihrer geistigen Bezüge nicht zu verharmlosen. Das Motto „Nicht mit uns“ gilt für uns alle, wenn eine kleine Minderheit versucht, die große Mehrheit der Muslime zu ideologisieren. Warum sollte es also schaden, diese Positionen auch offensiv auf die Straßen unserer Großstädte zu tragen?

Dieser Einsatz gegen den Terrorismus ist dabei keine Frage von „liberaler“ oder „konservativer“ Haltung, sondern Ausdruck und Umsetzung einer klaren Lehre, die für unterschiedliche Positionen Raum lässt und sich im Rahmen der anerkannten Rechtsschulen bewegt. Bei einer hohen Teilnehmerzahl hätte man dem Verdacht keine Chance gegeben, dass der Kampf gegen den Terror für die Profilierung einiger weniger missbraucht werden könnte. Das Dilemma ist nun nach der Absage wichtiger Verbände, dass das Mitmachen oder Fernbleiben Teil eines politischen Diskurses wird, dessen Resultat die Kategorisierung von Muslime in Liberale und Konservative ist. Gerade das Thema „Terror“ eignet sich aber nicht für dieses Konstrukt.

Auf Grundlage des durchaus möglichen Konsenses wäre also eine Koordination unseres gemeinsamen Engagements wünschenswert gewesen. Hierzu wäre allerdings eine professionelle Vorbereitung der Veranstaltung nötig gewesen. Leider hat der aktuelle Sprecher des Koordinationsrates der Muslime, Aiman Mazyek, sich vorschnell für den Kölner Event eingesetzt, statt erst einmal auszuloten ob eine gemeinsame oder notfalls eine alternative Aktion aller Muslime möglich gewesen wäre.

So blieb der Koordinationsrat sprachlos und die Idee einer Koordination gemeinsamer Anliegen geriet wieder einmal zur Farce. Man wird jetzt sehen, wie viele Muslime der ZMD – zudem intern gespalten angesichts einer Teilnahme – alleine mobilisieren kann.

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