IZ News Ticker

Mathnawi: das viel zitierte Buch

Ahmet Aydin stellt eines der epochalen Werke von Maulana Rumi vor

Werbung

Foto: Daderot, via Wikimedia Commons | Lizenz: gemeinfrei

(iz). Seine Werke sehen etwas bunt aus; Geschichtchen, Märchen, Parabeln, Legenden, Anekdoten, Beispiele…“, sagte Goethe über ihn. Eines dieser Werke wurde nun vollständig ins Deutsche übersetzt und ist nach so vielen Jahrhunderten auch dem deutschsprachigen Publikum zugänglich. Die Rede ist vom „Mathnawi“, dem Hauptwerk des persischen Dichters Maulana Dschalal Ad-Din Rumi. Der Name dürfte den Fans der VIP-Szene bekannt sein – hat doch Beyonce ihren Sohn nach eben diesem islamischen Mystiker benannt: Rumi. Unter diesem Namen ist er dem Abendland bekannt. Die Aufklärer in Frankreich lasen ihn, Goethe las ihn und alle Welt lobt ihn, die UNESCO erklärte sogar das Jahr 2007 zum Rumi-Balchi-Jahr – und jetzt können wir endlich herausfinden, warum.

In über 24.000 sich im Original reimenden Versen wird diese Frage beantwortet. Geboren wurde er am 30. September 1207 in Balch und verstarb am 17. Dezember 1273 in Konya – der Stadt, in der sein Mausoleum ein Touristenmagnet ist. Warum wird dieser Mann von Rezipienten als „Prophet der Liebe“ bezeichnet? Wie kann es sein, dass ein muslimischer Autor mit Liebe in Verbindung gebracht wird? Ist nicht gerade diese „rückständige Religion“ der Grund dafür, dass wir in unserem geliebten, aufgeklärten Deutschland um unsere Sicherheit bangen müssen – ob der Gefahr, die von den „barbarischen Muslimen“ und dem „gewaltverherrlichenden Qur’an“ ausgeht? Was hätte Rumi in all den Talkshows den AfD-Anhängern geantwortet? „Du hast das jungfräuliche Wort interpretiert; interpretiere dich selbst, nicht das Buch. Du interpretierst den Qur’an nach deiner Begierde; durch dich wird die erhabene Bedeutung erniedrigt und pervertiert.“

Das Werk überrascht. Es beginnt mit dem Versuch, dem Leser bewusst zu machen, dass Materialismus nicht glücklich mache. „Sohn, sprenge deine Ketten und sei frei! Wie lange willst du noch von Silber und Gold gefangen sein?“ Dieser Gedanke erscheint in anderen Formulierungen immer wieder: „Oh, Sklave, du hast ‘Brot’ verstanden, nicht ‘Weisheit’, als Allah zu dir gesagt hat: ‘Esset von Seiner Versorgung.’“ Rumi war ein Poet, der schon vor ­Jahrhunderten das Wissen, die Weisheit und allem voran die Liebe in den ­Vordergrund stellte, ja dafür einstand, auch Anhänger anderen Glaubens mit Güte, Nachsicht und Gerechtigkeit zu behandeln.

Es ist, als ob der Leser erst mit sich selbst konfrontiert wird. Er soll sich in einem Spiegel betrachten und lernen, was ihn ausmacht, um dadurch zu der Erkenntnis zu gelangen, dass jeder Mensch eben dieselben Bedürfnisse hat, nämlich zu lieben und geliebt zu werden. Denn – und deswegen wird er „der Prophet der Liebe“ genannt – die Liebe sei das Heilmittel für jede Art der Unzufriedenheit im Leben: „Die Liebe ist die Medizin unseres Stolzes und unserer Selbstgefälligkeit. Arzt unserer vielen Unvollkommenheiten.“ Auch diese Lehre versucht der Dichter in zahlreichen, wie Goethe sagt, „Geschichtchen, Märchen, Parabeln, Legenden, Anekdoten, Beispiele[n]“ aufzuzeigen.

Das Erstaunliche an diesem Dichter ist, dass er diese Gedanken bereits im 13. Jahrhundert äußerte. Während die Kreuzritter wüteten, steht in seinen Werken die Liebe im Zentrum des Seins: „Ich suchte in Tempeln, Kirchen und Moscheen. Aber ich fand das Göttliche in meinem Herzen.“ Verse, für die er im europäischen Mittelalter verbrannt worden wäre, brachten ihm in der islamischen Welt Ruhm, Ehre und Anerkennung ein.

Im Hier und Jetzt, da er nicht mehr für seine ketzerischen Gedanken über die Gleichwertigkeit der Menschen ­angeklagt werden kann, gibt es ihn nun endlich auch auf Deutsch, sodass dem hiesigen Leser neben den alltäglichen politischen Aussagen darüber, dass Muslime in Deutschland nichts zu ­suchen hätten, ein Werk der islamischen Hochkultur zur Verfügung steht, um sich ein eigenes Bild machen zu ­können.

Link zum Verlag, bei dem eine deutsche Übersetzung verfügbar ist: shershir.ch

The following two tabs change content below.
Ahmet Aydin

Ahmet Aydin

Ahmet Aydin

Neueste Artikel von Ahmet Aydin (alle ansehen)

Folgt uns für News auf:
https://www.facebook.com/islamischezeitungde

und:
https://twitter.com/izmedien

Noch kein IZ-Abo? Dann aber schnell!

Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen