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Megamoschee oder Beten in der Tiefgarage?

Diskussion in Hamburg über Moschee-Entwicklungspläne. Bericht von Kristian Stemmler

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Foto: Claus-Joachim Dickow | Lizenz: CC BY-SA 3.0

Eine repräsentative Moschee besitzt Hamburg laut einer Studie. Die anderen 42 befinden sich in Läden, Hinterhöfen, Tiefgaragen oder Hochhäusern. In der Hansestadt wurde deshalb jetzt über Moschee-Neubauten diskutiert.

Hamburg (KNA) Beten kann man überall – ob abends im Bett oder unterwegs im Zug. Dennoch brauchen Gläubige, gleich ob Christen, Juden oder Muslime, auch einen Ort der Begegnung. In Hamburg wurde jetzt auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung über Moschee-Neubauten diskutiert. Mit recht klarem Ergebnis: Denn dass die Moscheen aus den Hinterhöfen heraus müssen – darüber gab es auf dem Podium am Donnerstagabend keine zwei Meinungen. Es fand in der früheren evangelischen Kapernaum-Kirche in Hamburg-Horn statt, die derzeit zu einer Moschee umgebaut wird.

„Hamburg braucht eine Moschee-Entwicklungsplanung“, forderte etwa Stefanie von Berg, religionspolitische Sprecherin der grünen Bürgerschaftsfraktion. Eine Haltung, für die sie Zustimmung von den weiteren Podiumsteilnehmern erntete: dem Vorsitzenden der Al-Nour-Gemeinde, Daniel Abdin, wie auch von Kirchenarchitekt Joachim Reinig.

„Wir brauchen Stadtteilmoscheen – überall“, erklärte von Berg und räumte ein: „Bisher sind wir da noch nicht so weit gekommen.“ Es dürfe nicht sein, dass die meisten Hamburger Muslime in ehemaligen Garagen, Läden oder anderen provisorischen Gebetsräumen beten müssten. Gerade angesichts der Ängste, die durch die Zuwanderung in der Bevölkerung entstünden und von rechten Kräften forciert würden, seien Orte der Begegnung wichtig: „Und Moscheen sind solche Orte.“

Skeptisch äußerte sich die grüne Abgeordnete zur politischen Stimmung in Sachen Moscheen. Es sei zwar der CDU-Bürgermeister Ole von Beust gewesen, der vor mehr als vier Jahren den Staatsvertrag zwischen der Stadt und den muslimischen Verbänden angeregt habe, aber inzwischen hätten einige CDU-Politiker entdeckt, dass man mit dem Thema Ängste schüren könne. „Wir hoffen aber, dass wir die CDU an Bord behalten, weil wir einen breiten Konsens bei dem Thema brauchen“, so von Berg.

Architekt Reinig nannte ein aktuelles Beispiel für die Haltung der CDU in der Frage. In der Hamburger Morgenpost hatte sich der CDU-Kommunalpolitiker Jörn Frommann vor kurzem gegen den Bau einer großen Moschee in einem geplanten neuen Wohnquartier in Wilhelmsburg gewandt, die in der Zeitung als „Mega-Moschee“ bezeichnet wurde.

„’Mega-Moschee’ ist natürlich Blödsinn“, betonte Reinig, „die Moschee hat eine ganz normale Größe.“ Der Architekt leitete für die Schura, den Rat der islamischen Gemeinden, und die großen muslimischen Verbände DITIB und VIKZ mit Förderung des Senats eine Studie zu Hamburgs Moscheen, die er bei der Podiumsdiskussion vorstellte. Für die Untersuchung besuchte Reinig alle 42 Moscheen der genannten Verbände. Nur eine sei wirklich repräsentativ, die Imam Ali Moschee an der Außenalster; die anderen befänden sich etwa in früheren Läden oder Betrieben, in Hochhäusern oder Hinterhöfen, erklärte er.

Der Bedarf an Gebetsräumen für die Muslime sei lange bekannt, aber man habe wenig getan, bedauerte Reinig. Jetzt erst habe der Hamburger Senat die Dringlichkeit des Themas erkannt. Es müssten Moscheen gebaut werden, die im Stadtbild deutlich erkennbar sind, forderte er: „Sichtbare Moscheen sind notwendig, um Integration zu ermöglichen.“

Beim Vorsitzenden der Al-Nour-Gemeinde Abdin, einem von drei Vorstandsvorsitzenden der Hamburger Schura, liefen von Berg und Reinig offene Türen ein. „Würdelos“ sei es, unter welchen Bedingungen Mitglieder seiner Gemeinde noch beten müssten. Die Al-Nour-Gemeinde, deren Besucher aus 30 Nationen kommen, nutzt derzeit noch eine ehemalige Tiefgarage im Hamburger Stadtteil St. Georg. Beim Freitagsgebet müssen Gläubige zum Teil wegen Überfüllung auf die Straße davor ausweichen.

In dieser Notlage habe man die ehemalige Kapernaum-Kirche gekauft, um sie zur Moschee umzubauen, so Abdin. Es müsse aber eine Ausnahme bleiben, dass eine Kirche in eine Moschee umgewandelt werde. Einen Termin für die Fertigstellung könne er noch nicht nennen. Fest stehe aber, dass die bisherige Schätzung der Baukosten korrigiert werden müsse – von etwa eineinhalb Millionen Euro auf das Doppelte.

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