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Mehr als nur die Hauptstadt

Jordanien hat unglaublich viel zu bieten – von Sprachkursen bis Extremsport. Von Nur Aydin

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Foto: Autorin

(BASMA Magazine). Im Oktober vergangenen Jahres hatte ich die Gelegenheit, etwa einen Monat in Jordanien zu verbringen. Durch einen relativ spontanen Beschluss suchte ich nach einer Möglichkeit, meine minimal vorhandenen Arabischkenntnisse auf Vordermann zu bringen und befand mich schon bald mit einem Ticket in der Hand unterwegs in das Herz des Landes – nach Amman.

Bevor ich überhaupt die Reise antreten konnte, informierte ich mich intensiv über die Möglichkeiten, in einem arabischsprachigen Land zu leben. Es war mir wichtig, auch außerhalb des Kurses ständig im Austausch mit den Menschen und der arabischen Sprache zu sein. Daher versuchte ich, ein Land zu wählen, dessen Umgangssprache dem Hocharabischem nah war. Generell teilt man die arabische Sprache in zwei: Fusha und Ammijja. Das Hocharabische (Fusha) ist auch oftmals bekannt als das Qur’an-Arabisch und wird in der Regel für literarische Zwecke und in den Medien genutzt. Die Umgangssprache beziehungsweise der Dialekt ist abhängig vom jeweiligen Land und unterscheidet sich auch je nach geographischer Lage mehr oder weniger voneinander. In der Hoffnung, dass der Dialekt in Jordanien dem Hocharabischen nah ist, man dort auch als Tourist relativ sicher und das Land nicht all zu weit weg ist, suchte ich nach geeigneten Kursen.

Ich fand über Umwege den Sprachkurs vom Ewan Institut, welches den Schülern ein Paket mit Unterrichtskursen, Unterkunft und einer gebündelten Kulturreise durch die Sehenswürdigkeiten anbot. Den Kursteilnehmern wurde eine Wohnung zur Verfügung gestellt – in einem Gebäude, in dem Studenten des Kurses und einige wenige Austauschstudierende der University of Jordan untergebracht waren.

Als jemand, der noch nie zuvor auf akademischem Niveau oder in einem Sprachkurs für längere Zeit Arabisch gelernt hatte, machte ich mich also mit Vorkenntnissen, die sich hauptsächlich auf „Salaamu ‘alaikum“ und vielleicht einigen Fetzen von Nancy Ajram Songtexten beschränken ließen, auf die Reise nach Amman.

Es gibt ein relativ breites Angebot an Reiseunternehmen, die nach Amman fliegen. Der Flughafen ist sehr modern, wird aber nach meiner Erfahrung ausschließlich von Autos und Taxen befahren. Es lohnt sich, im Voraus die An- und Abfahrtmöglichkeiten zum und vom Flughafen zu klären, um Geld und natürlich auch Nerven zu sparen. Viele Kurse bieten diese Möglichkeit auch oftmals gegen ein geringes Entgelt ihren Kursteilnehmern an. Ein weiterer Tipp wäre, auch schon direkt am Flughafen eine SIM-Karte eines örtlichen Dienstleisters zu besorgen. Auf diesem Wege bleibt man gut vernetzt. Die Karten sind günstig, das Internet funktioniert sogar in der Wüste einwandfrei und die Mitarbeiter am Flughafen sprechen gutes Englisch.

In Amman angekommen wurden wir am Queen Alia International Airport auch direkt von einer mit dem Institut zusammenarbeitenden Firma mit dem Wagen abgeholt und zur Unterkunft gefahren. Dort begrüßte uns der Kursleiter, der zu meinem Horror kein einziges Wort Englisch sprach – ob er sich weigerte oder es einfach nicht konnte, wird wohl für immer ein Mysterium bleiben.

Es ist wichtig, sich bei solchen Reisen darüber im Klaren zu sein, wo man hingeht und wie hoch die Erwartungshaltung sein kann. Ich war über die Reise hinweg überwiegend von dem Land und den freundlichen Menschen sehr angetan. Man wurde freundlich begrüßt, die Jordanier versuchten, einem immer zu helfen zu und ermutigten, auch die wenigen Fetzen, die man gelernt hatte, zu benutzen und motivierten stets mit Enthusiasmus. Wir lernten die arabische Gastfreundschaft kennen und ich bin der Meinung, dass sie sehr schwer zu übertreffen ist.

Auch wenn der Durchschnitt der Menschen aufgrund des relativ hohen Bildungsstandes des Landes und sicherlich auch der universitätsnahen Lage unseres Wohnhauses überraschend gut Englisch sprach, waren wir bemüht, die im Kurs gelernten Sprachkenntnisse einzusetzen.

In Amman hatten wir selten Probleme damit, uns als eine kleine Gruppe von jungen Mädchen alleine durch die Stadt zu bewegen, und konnten somit viel an Erfahrungen sammeln. Es überraschte mich, festzustellen, wie unterschiedlich die Moschee-Kultur in unterschiedlichen Ländern sein kann. So war ich es gewohnt, dass die Moscheen stets geöffnet sind, da man sich dort auch zurückziehen und ausruhen kann. Ich lernte aber schon bald, dass in den meisten arabischen Ländern die Moschee Tore vor dem Gebet geöffnet wurden und kurz nach dem Gebet auch wieder geschlossen wurden.

Amman ist zwar interessant, aber Jordanien hat definitiv weit mehr zu bieten. So gab es eine Rundreise, die in Amman startete und zu den bekanntesten Reisezielen führte. In Petra kann man die alte Felsenstadt erkunden und sicherlich wird man die Khazne al-Firaun, komplett aus dem Fels gemeißelt, auf Bildern wiedererkennen. Auch wenn man den ganzen Tag durch Petra laufen kann, sollte man definitiv einen Sonnenhut, guten Sonnenschutz, viel Wasser und bequeme Laufschuhe nicht vergessen mitzunehmen. Eine Nacht im Wadi Rum in den Zeltenlagern zu verbringen bietet die Gelegenheit, den Sternenhimmel in aller Klarheit zu sehen. Jedes Foto blieb ein Witz verglichen mit dem Anblick, der sich einem nach Anbruch der Dunkelheit bot. Vor der Dämmerung kann man die Wüstenwildnis in den schönsten Rottönen durch eine Safari Fahrt erkunden.

Eine weitere Hauptattraktion ist sicherlich das Tote Meer, das gleichzeitig den tiefsten Punkt der Erde darstellt. Man muss gar nicht so weit von Amman wegfahren: Auch Salt, die alte Hauptstadt Jordaniens unter der osmanischen Herrschaft und Jerasch (Gerasa), eine alte gut erhaltene Handelsstadt zu römischer Zeit, sind wertvolle Monumente des Landes.

Es war eine wertvolle Erfahrung, durch diese Orte zu gehen, in dem Wissen, dass dort nicht nur historisch relevante Stätten waren, sondern diese auch aus der islamischen Tradition bekannte Orte sind. Sicherlich fühlt man eine andere Art der Ehrfurcht, wenn man das Rote Meer mit dem Wissen betrachtet, dass Musa (as) dieses mit Gottes Hilfe gespalten und somit sich selbst und seine Gefolgsleute vor dem Pharao in Sicherheit brachte.
Anders als von mir zu Anfang angenommen, ist Jordanien ein unglaubliches Land mit einer weit zurückreichenden Geschichte, aber auch Möglichkeiten für Extremsport, kultureller Weiterbildung und Entspannung. (BASMA Magazine)

Der Text erschien am 30. Mai 2018 auf der Webseite von BASMA Magazine.

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