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Ramadan: Mehr Feinabstimmung für den Körper

Es gibt im Ramadan ausgezeichnete Strategien zur Kontrolle des eigenen Gewichts. Von A. Motiar, L. Massoudi & M. Özkan

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Foto: Pexels.com

(iz/muslimmatters). Mehr als 1,5 Milliarden Muslime weltweit prakzitieren den Monat Ramadan. Für sie ist das Fasten in diesem Monat eine religiöse Pflicht, die vierte Säule des Islam. Darüber hinaus ist darin eine ausgezeichnete Strategie zur Gewichtskontrolle geborgen.

Der Schlüssel ist dabei Kontrolle und nicht Verlust. Während viele (zu viele andere heute hingegen nicht) von einer gewissen Gewichtsabnahme sprechen, erkennen wenige die Bedeutung des Monats als ein Mechanismus zur Überwachung der eigenen Schwere. Noch sind sie sich des Wertes der Verhaltenänderung oder der „Feinabstimmung“ des Körpers und seiner verschiedenen Systeme bewusst. All diese Vorteile, von der gesamten spirituellen Welt zu schweigen, waren den vergangenen Propheten und Generationen bekannt.

Das muslimische Fasten, das für alle Gesunden jenseits der Pubertät Pflicht ist, ist simpel. Es benötigt, sich von ­jeglichem Essen, Trinken sowie Ge­schlechtsverkehr und einigen detaillierteren Dingen fernzuhalten. Bei Hunger und Durst fällt es den meisten am schwierigsten, mit dem Durst fertigzuwerden. Das gilt insbesondere für die sehr langen und oft warmen Ramadantage auf der nördlichen Erdhalbkugel. Da die Fastenzeit (wie alle Monate) durch den Mondkalender bestimmt wird, der zehn oder elf Tag kürzer ist als der Sonnenkalender, erhält ein Muslim binnen 36 Jahren in beiden Hemisphären die Möglichkeit, in allen vier Jahreszeiten zu fasten. Das stellt ein Gleichgewicht aus Erleichterung und Beschwernis für alle Menschen auf der Welt sicher.

In aller Welt verkaufen sich Diätratgeber in Rekordzahlen. Die Gurus der Szene bieten ihre letzten Moden für den Gewichtsverlust für eine Bevölkerung an, die dank ihrer Schrankenlosigkeit extrem übergewichtig ist. Viele solcher Diät-Praktizierenden tauchen in Radio- und Fernsehsendungen auf, wo sie von ihren persönlichen Erfahrungen berichten.
Hier ist die überwältigende Meinung, dass die meisten Diäten kurzfristig funktionieren. Sobald aber der Hungernde damit aufhört, kommt das alte Gewicht wieder. Einigen geschieht es sogar, dass sie ihre vorherige Masse überschreiten. In all diesen bekannten Erfahrungen wird eine jahrhundertealte Formel selten oder gar nicht erwähnt. Es ist das simple Fasten, an dem sich der Prophet regelmäßig beteiligte und auch andere dazu animierte.

Das Fasten ist nicht neu. Und doch scheint es, dass es als Option zur Anpassung der Ernährung eines der bestgehüteten Geheimnisse ist. Nicht viele scheinen sein Potenzial bisher erkundet zu haben.

Zum Ende jedes Fastentages sind Muslime angehalten, mäßig zu essen und sich an Anbetung (arab. ’Ibada), Erinnerung (arab. Dhikr) und Nachdenken (arab. Tafakkur) zu beteiligen. Die Betonung liegt hier auf einer mäßigen, einfachen Mahlzeit. Und doch ignorieren viele diese Anweisung. Sie konsumieren große, ausgefallene Speisefolgen. Dennoch ist Allahs Plan unschlagbar: Menschen sind derart geschaffen, dass der Körper sich selbst dazu veranlasst, kleinere Mengen zu essen. Diejenigen, die zum Tagesende schwere Speisen zu sich nehmen, leiden oft unter Verstopfung und anderen Beschwerden. Es ist interessant anzumerken, dass man glaubt, am Ende des Fastens mehr als gewöhnlich essen zu können, weil man einen knurrenden Magen hat. Jedoch wird man schnell feststellen, dass dem nicht so ist.

Diese Entdeckung machen wir üblicherweise nach einigen Tagen der Enthaltsamkeit. Wir stellen dann langsam fest, dass wir unseren Teller nicht auf­essen können. Oft ist die Menge des Machbaren geringer als das, was sich sonst vor uns auftürmt. Mit der Zunahme der Fastentage erlebt der Körper einen physiologischen Wandel. Der Magen schrumpft. Das begrenzt die Menge an Essen, die aufgenommen werden kann.

Ganz wichtig ist, diese Signale unseres Körpers zu erkennen. Wir dürfen sie nicht ignorieren, indem wir unseren Magen vollschlagen. Noch sollten wir uns von den „Leckereien“ verführen lassen, die einige Familien stundenlang vorbereiten. Diese erweiterten Tafeln stehen im vollkommenen Widerspruch zur Absicht des Fastens. Auch hindern sie den Magen daran, sein volles Potenzial zum Schrumpfen auszuschöpfen.

Diejenigen, die nicht schlemmen und sich auf eine einfache Mahlzeit zum Fastenende beschränken, erfahren am wahrscheinlichsten den vollen Vorteil eines kleineren Magens. So gelingt es der betroffenen Person, zum Ende des Monats einen Gewichtsverlust zu erleben. Während die Gewichtsabnahme offenkundig ist, lautet die unausweichliche Folgefrage, wie Fasten ein Werkzeug zur „Gewichtskontrolle“ sein kann sowie ein Mittel zur „Feinabstimmung“ des eigenen Körpers.

Die meisten Diäten scheitern, weil sie keine Veränderung im physiologischen Zustand der betreffenden Person bewirken, wie es das einmonatige Fasten tut. Dieses hilft dabei, ungesunde Gewohnheiten des „Überfressens“ zu ändern und eine gemäßigte Nahrungsaufnahme zu erreichen. Betrachten wir das prophetische Beispiel, finden wir, dass er das Ende mit einem simplen Essen „feierte“, dass er mit Nachbarn, Verwandten und – am wichtigsten – den Bedürftigen teilte. Hier ist es wichtig anzumerken, dass mit „feiern“ in seinem Vorbild kein Überschreiten der Grenzen der Mäßigung gemeint ist. Für den Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, war dies vor allem die Gelegenheit, mit anderen die Segnungen Allahs zu teilen – insbesondere mit den Armen und Bedürftigen. Für den Wohlhabenden, mit Essen im Übermaß, ist es das Teilen der Gaben Allahs mit den Armen, das mit der Feier beabsichtigt ist.

Der Prophet Muhammad, Allahs Heil und Segen auf ihm, verabscheute Völlerei: „Tötet eure Herzen nicht durch ein Übermaß an Essen und Trinken.“ Das Gelage, vor allem am Feiertag, ist der schnellste Weg, den im Ramadan erzielten Nutzen zunichtezumachen. Der physiologische Wandel, der zu einer Mäßigung der Essgewohnheiten führt, ist das Geheimnis des Mechanismus der Gewichtskontrolle. Obschon diese sich im Laufe des Ramadan entwickeln, können sie auch wieder erodiert werden. Jedoch ist es möglich, diese Veränderung zu erhalten. Beispielsweise durch Fasten zu anderen Zeiten, wie es der Prophet tat.

Wir übersehen oft die Tatsache, dass Fasten Allahs Verschreibung für Menschen zu einer Feinabstimmung ihrer Körper ist. Ganz besonders gilt dies für den Verdauungstrakt. Alle Systeme und Teile des Körpers brauchen Ruhe. Schlaf ist einer der Wege für manche Organe, dies zu erlangen. Dazu gehören Augen, der Geist und die Muskeln als offenkundige Beispiele. Das Herz oder das Verdauungssystem bekommen Ruhe durch eine aktive Verlangsamung des Systems oder eine Umkehrung. Letztere profitiert vom Angebot des Fastens. Dieses ist eine willkommene Erholung von häufigen Mahlzeiten, Snacks und Getränken wie Tee und Kaffee. Jetzt erhält es die Gelegenheit, sich zu reinigen und zu verjüngen. Das macht unsere Verdauung effektiver, wie es ein Bauer tut, der ein Feld ein Jahr lang ruhen lässt, damit es im Folgejahr reichhaltigere Erträge gibt.

Auf einer höheren spirituellen Ebene ist das Fasten im Islam auch ein Schutz vor falschen Handlungen. Diejenigen, die in der Lage sind, sich der erlaubten Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu enthalten, in Gehorsam zu Allahs Befehl, sind auch eher in der Lage, unerlaubte Befriedigung zurückzuweisen. Bewegung stärkt den Körper. Und so bauen geistige, spirituelle, ethische und moralische Übungen durch das Fasten den Willen auf, die Sinne von dem Gemeinen und Falschen abzuwenden. Diese Stärkung durch den Ramadan ist nur der Beginn einer Reise zum Herrn der Welten.

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