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Mehr Umsatz, weniger türkische Läden

Die Konzentration im migrantischen Lebensmittelhandel schreitet voran

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Foto: imago/Steinert

(HALAL-WELT). Türkische Lebensmittelhändler in Deutschland erwirtschaften mit weniger, aber größeren Geschäften mehr Umsatz. Mittlerweile interessieren sich auch internationale Konzerne für den Markt. Allerdings fehlen detaillierte Marktdaten.

„Türkische Lebensmittelhändler in Deutschland machen mehr Umsatz, mit weniger Läden“, sagte Wirtschaftswissenschaftler Prof. Tanju Aygün auf dem Wirtschaftstag des deutsch-türkischen Wirtschaftsverbands ATIAD in Düsseldorf. Demnach haben die Unternehmen im Jahr 2009 mit 3.500 Läden 3,8 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet, im Jahr 2016 mit 3.000 Geschäften bereits 4,2 Milliarden. Im Vergleich: Der deutsche Lebensmittelhandel hat im Jahr 2017 insgesamt einen Umsatz von 242 Milliarden Euro gemacht. Und noch etwas hat sich verändert: die Zahl der kleinen Läden ist zurückgegangen. Die Zahl der Geschäfte mit 400 bis 800 Quadratmeter Verkaufsfläche hingegen ist gestiegen.

„In Deutschland haben die türkischen Lebensmittelhändler Erfolgsgeschichte geschrieben“, sagte Volkan Aydin vom Verband türkischer Lebensmittelhändler in Europa (ATGPP). Sie hätten es vom Arbeiter zum Unternehmer geschafft.

Der Milliardenmarkt ist bereits im Fokus von globalen Playern. „Inzwischen wollen auch internationale Konzerne wie Coca Cola, Reckitt Benckiser und Heinz-Ketchup die türkischen Supermärkte mit ihren Waren beliefern“, so Volkan Kuru, Geschäftsführer von Marmara, einer der großen Zulieferer für ­türkische Lebensmittel. Mit jedem Händler einzeln zu verhandeln, sei für die Konzerne jedoch schwierig. Daher wollten sie mit ­Unternehmen mit langer Markterfahrung wie Marmara zusammenarbeiten.

Ortakalan-Chefredakteur Babur Akyol kritisiert, dass es keine Zahlen und Fakten über die türkischen Supermärkte gibt. Es gäbe keinen Überblick über alle Händler – mit Eckdaten wie Fläche, Namen der Führungskräfte und Mitarbeiterzahl. Zudem gäbe es kaum Plattformen, auf denen sich die Branche austauschen könne. Öznur Altunbilek vom ­Lebensmittelhändler Altunbilekler mit über 80 Filialen in der Türkei sagte, dass die Händler in der Türkei in den vergangenen zwanzig Jahren enorme Fortschritte gemacht hätten. Es seien zahlreiche Supermarktketten entstanden, die mit jeder Kette im Ausland ­mithalten könnten. In Deutschland hingegen gäbe es immer noch zu wenig türkische ­Filialbetriebe.

Warum sind aus den einzelnen Lebensmittelläden keine überregionalen Filialbetriebe geworden? Aydin sieht den Grund darin, dass die Händler ihr verdientes Geld nicht in die eigenen Läden investieren, sondern in andere Branchen, wie Immobilien. Marmara-Chef Kuru berichtet, dass es in Wien ein Unternehmen, in Nordrhein-Westfalen fünf bis sechs und in Berlin zwei Unternehmen mit Filialen gäbe. Der Ausbau zum überregionalen Filialbetrieb erfordere hohe Investitionen in Personal und IT. Die meisten Lebensmittelläden hätten nicht genügend Geld für diese Investitionen.

Längst verkaufen auch deutsche Supermarktketten Bulgur, Ayran und Sucuk. Sind die türkischen Läden in Gefahr? Über die Zukunft der türkischen Lebensmittelgeschäfte macht sich Kuru wenig Sorgen. „Unsere Stammkunden sind muslimische Kunden aus der Türkei, dem Balkan und Nordafrika“, sagte der Marmara-Chef. Und die Hauptzielgruppe würde weiter wachsen. So würden in Europa derzeit 20 Millionen Muslime leben, im Jahr 2050 sollen es 50 Millionen werden.

Der größte Vorteil, den die türkischen Händler gegenüber den deutschen Lebensmittelketten haben, ist die Halal-Fleischtheke. Auf qualifizierte Mitarbeiter hinter der Theke zu treffen, dürfte selten sein. Der Lebensmittel-Ingenieur Harun Simsek meldete sich aus dem Publikum und erzählte, dass er in Süddeutschland 200 türkische Lebensmittelhändler beraten würde. Nur in drei Läden würden ausgebildete Metzger arbeiten. Viele Mitarbeiter hinter den Fleischtheken würden nicht richtig wissen, wie man Fleisch richtig verarbeite. Dennoch würden die Fleischabteilungen sehr gut laufen, da das Fleisch sehr günstig angeboten werden würde.

Kein Trend scheinen Bioprodukte zu sein. „Es ist schwierig in einem Nischenmarkt ein Nischenprodukt anzubieten“, sagte Volkan Kuru. Einige türkische Händler hätten versucht, Biowaren wie Hülsenfrüchte anzubieten, aber sie seien „alle gescheitert“.

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