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Mein Ramadan in Berlin

Foto-Essay: Wie sieht der Fastenmonat in der Hauptstadt aus?

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Fotos: Ömer Sefa

(iz) „Trockene Lippen, zufriedenes Lächeln.“ Mit diesen vier Worten wäre für mich im Grunde alles gesagt.
Ich denke, man versteht, was ich meine. Gemeint ist natürlich die oft harte (ich persönlich empfinde es so) und gleichzeitig wundervolle und besinnliche Zeit – die Zeit des Fastenmonats Ramadan. Ich möchte gern noch einiges mehr als diese vier Worte dazu sagen. Tiefer in die Materie gehen; ein wenig detaillierter über diese schöne Zeit sprechen.

Ich verlasse meine Wohnung mit einem Lächeln, immer mit dem Gefühl von Leichtigkeit, das mich begleitet. In meinem MP3-Player sind jetzt weniger Songs auf meiner Playlist, dafür mehr Qur’anrezitationen, welche allesamt von Qari Abdul Basit gelesen wurden (möge Allah ihm für jede Träne, die aufgrund seiner Rezitation vergossen wird, seine Stufen im Paradies erhöhen). Ich trage kein Make-up, nur Gesichtscreme, und die Farben meiner Kleidung sind noch dezenter als sonst. Man spürt gleich, dass Allah, der Erhabene, die Teufel weggesperrt hat; außer dem einen, deinen Qareen.

Allah weiß es am besten, aber ich denke, der Essensverzicht legt ein Gefühl auf unsere Seelen, das es leichter macht, auf viel Weltliches zu verzichten. Man ist in einer anderen Welt. Genießen und Konsumieren wird jetzt zu einer bewussteren Entscheidung. Beispielsweise überdenkt man wahrscheinlich sein Styling (egal, ob mit oder ohne Hijab. Mit oder ohne Bart). Genauso, wie man auch den Genuss von Musik und allen anderen Genüssen bewusster wahrnimmt. Da passiert etwas. Etwas Gottgegebenes, das sich schwer mit Worten erklären lässt.

Aber jemand, der schon mal – in irgendeiner Form – gefastet hat, kann es sofort nachempfinden. Der Verzicht in seiner reinsten Form, gepaart mit direkter Belohnung am Abend. Das hat uns Allah geschenkt. Das macht viel mit uns.

Es fühlt sich erhaben an. Ich will nicht sagen, dass es jedem so geht, aber ich finde, je bewusster und reflektierter man durch das Leben geht, desto spiritueller und gottverbunden ist man. Unabhängig davon, ob jemand „sündigt“ oder es schafft „fromm“ zu sein, von diesem Gefühl der Leichtigkeit und dem Näher-an-Gott-Sein, werden wir alle getragen. Es liegt an Ramadan einfach in der Luft.

Ramadan in Berlin heißt dementsprechend, mit guten, wohlwollenden Menschen zusammen zu sein und mit ihnen die erste Dattel zu genießen. So kommt es in meiner Heimatstadt oft vor, dass wir uns zum Iftar in Moscheen treffen, was mehrmals die Woche angeboten wird. Ich persönlich fühle jedes Mal die enorme Vorfreude und Aufregung in mir, weil wir uns alle auf diese erste Dattel freuen, subhanAllah. Ich meine zu merken, wie liebevoll und großzügig die Menschen beim Iftar in der Moschee zueinander sind. Im Fastenmonat scheinen alle „Hasanat-Jäger“ zu sein, frei nach dem Motto: „Bist du gut, bin ich besser und bist du schlecht, bleibe ich gut!“

Nicht zu vergessen ist auch das Angebot, das fast alle Restaurants und Cafés uns machen. Der Fastende hat den Vortritt, bedient zu werden. Es gibt auch oft viele kostenlose Beilagen zum Mahl dazu. In einigen Restaurants gibt es ein „All You Can Eat-Buffet“, speziell für die Iftar-Mahlzeit des Fastenden.

Man kann sich entspannt zurücklehnen und essen. Es gibt sogar Räumlichkeiten für das Gebet.

So kann man frei entscheiden, ob man zwischen der ersten Dattel und dem Essen das Maghribgebet verrichten mag und dann lieber keine so opulente Mahlzeit zu sich nimmt – nach dem Vorbild des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. Oder, ob man einfach nur „schlemmen“ mag und nach dem Essen vielleicht noch eine Shisha raucht. Egal, auf welche Art und Weise, man genießt bis spät in den Abend. Das geht bei uns. In Berlin geht alles.

Last but not least möchte ich natürlich auch die Familie und Freunde ansprechen. Eltern, Geschwister und alle anderen. Man besucht sich gegenseitig zum Iftar. Das ist ein fester Bestandteil der muslimischen Lebensart. Zwar ist das bestimmt auch außerhalb von Berlin so, der Unterschied ist jedoch groß, denn durch die Verkehrsanbindungen in Berlin ist das gegenseitige Besuchen auch dann möglich, wenn die Iftar-Zeit zu später Stunde ist. Du kommst hier zu jeder Zeit an jeden Ort. Auch das ist Ramadan in Berlin. Wir haben mit anderen Worten jeden Abend irgendwo einen „Iftar-Event“, wenn wir das möchten. Bevorzugst du Ruhe beim Fastenbrechen, kannst du mit ruhigem Gewissen in deinem Heim bleiben, denn unabhängig davon, wie man seinen Iftar verbringt, gibt es immer noch eine Möglichkeit zusammenzukommen. Berlin ist voll von Moscheen, die anbieten, das Tarawwih-Gebet in der Gemeinschaft zu verrichten – in verschiedenen Bezirken.

New York schläft nie?! Berlin auch nicht. Während Ramadan schon gar nicht!

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