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Migranten in Großbritannien: Die Jugendkultur leidet unter einer anhaltenden Gewaltwelle. Von Adil Morrison, Norwich

Auf Messers Schneide (1)

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(iz). In den letzten Monaten waren die Nachrichten voller Berichte, wonach die Straßen Londons und anderer großer Städte vom Blut der britischen Jugend gefärbt worden seien – Kämpfe zwischen Jugendlichen aus verschiedenen Stadtteilen, Messerattacken, Bandenkultur und vieles mehr. „Die Bekämpfung der Messerangriffe, insbesondere unter unseren jungen Leuten, ist von überragender Wichtigkeit für unsere Gemeinden, und ich bin entschlossen, die Verheerung, welche durch die Messer-Kriminalität verursacht wurde, zu reduzieren“, erklärte der damalige Innenminister Charles Clarke, mein lokaler Abgeordneter, im Frühling 2006.

Seitdem hat es eine Amnestie für die Messerattacken gegeben, sowie unzählige Regierungsinitiativen, Fototermine und ministeriale Erklärungen, die alle die gleiche Botschaft haben – dass Messer-Kriminalität nicht geduldet wird. Scheinbar alles ohne Folgen.

Vor wenigen Wochen wurde Elijah Dayoni zu lebenslanger Gefängnisstrafe (sprich: 12 Jahre, obwohl er wahrscheinlich nur sechs oder acht Jahre absitzen muss) verurteilt, nachdem er den „vorbildlichen Schüler“ (eine etwas überstrapazierte Phrase) David Idowu in die Brust gestochen hatten. Davids Tod geschah, wie so viele Fälle zuvor, wegen einer trivialen Rivalität zwischen zwei Schulen im Süden Londons.

Davids Fall war nicht der erste in einer ganzen Reihe tragische Todesfälle, die bis zum 1. Januar 2008 zurückreicht. Es bleibt wahrscheinlich auch nicht der letzte. Als ich für diesen Artikel recherchierte, stieß ich auf eine Webseite der BBC mit dem Titel „Chronik: Londoner Teenager-Morde“. Ich dachte mir: wie hilfreich! Ich klickte ein Link an. Die Seite öffnete sich in meinem Browser und ich sah mich dem Foto des 17-jährigen Henry Bolombi gegenüber. Bei einer weiteren Durchsicht der Seite ergab sich ein eher beunruhigendes Muster. So verstörend war meine Entdeckung, dass ich die Seite erneuerte, um sicherzustellen, dass ich keinen Fehler gemacht hatte! Nur vier der 27 Gesichter waren weiß. Hier geht es nicht darum, der Sache einen rassischen Beigeschmack zu verleihen, aber die Zahlen (oder in meine Fall: die Gesichter) sprechen für sich selbst.

Noch erschütternder, als ich die Namen weiterlas, war, dass fünf der Opfer Muslime waren. Wie passen Muslime nun in diese Epidemie der Messerangriffe? Gibt es hier ein muslimisches Element? Als junger, schwarzer Muslim aus London geht mir dieses Problem sehr zu Herzen. Ich werde später auf diesen Punkt zurückkommen.

Mir ist das Jugendstrafrecht in Großbritannien nicht ganz unbekannt, da ich eine (kurze) Zeit damit verbrachte, als Hilfslehrer im pädagogischen Flügel des Gefängnisses im englischen Suffolk zu arbeiten. Die Abteilung war nicht in allen Aspekten typisch für eine Einrichtung jugendlicher Straftäter. Die jungen Männer mussten Verträge unterschreiben, in denen sie die Absicht erklärten, Abschlüsse im Austausch für eine komfortablere Erfahrung im Gefängnis zu machen. So gesehen keine schlechte Sache.

Als ich, gemeinsam mit dem Team, in dem ich arbeitete, durch das Haupttor ging (komplett mit Stacheldraht) und dann durch die weniger beeindruckende Sicherheitsschleuse, empfand ich das gleiche verstörende Gefühl wie beim Besuch der BBC-Webseite. Die Insassen (die wir ab jetzt so nennen wollen) reinigten ihre Zellen (wenn sie auch auf den zweiten Blick eher wie Hotelsuiten aussahen, komplett mit Fernsehen und Minibar). Ich bemerkte etwas, das ich nicht erwartet hatte. Die einzige Sache, die mich von den um die 20-jährigen unter den ca. 30 Insassen unterschied, war meine Kleidung. Wir waren alle schwarz.

Vor meiner Ankunft hatte ich kaum eine Vorstellung davon, wie das gesamte System funktionierte. Im ländlichen Suffolk erwartete ich, von Bauernjungen umgeben zu sein, die sich mit den falschen Leuten eingelassen hatten und nun einen Klaps auf die Hand erhalten hatten. Mir wurde später gesagt, dass die Insassen aus dem gesamten Land kamen und alle schwerwiegende Verbrechen begangen hatten. „Wie schwer?“, fragte ich mich. Ich musste nicht lange auf die Antwort warten.

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