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Mit wie vielen Musliminnen hat FEMEN überhaupt gesprochen?

Aggro-Feminismus: Interview mit Sofia Ahmed vom Facebook-Kollektiv Muslim Women against FEMEN

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(iz). Wie nicht anders zu erwarten machte das globale – und gegen alles Mögliche protestierende – Demonstrationsunternehmen FEMEN jüngst durch seinen „Globalen barbusigen Jihad“ von sich Reden, als es vor ausgesuchten Moscheen in aller Welt nicht nur gegen den Fall einer angeblich bedrohten tunesischen Bloggerin protestierte, sondern auch die angebliche „Unterdrückung der Frau im Islam“ anprangern wollte. Entgegen der Erwartungen des im Umgang mit den Medien versierten Netzwerkes halbnackter Demonstrantinnen, dessen Finanzierung bis heute Fragen aufwirft, haben muslimische Frauen ihre Befreierinnen von Außen nicht mit offenen Armen empfangen.

Global antworteten Musliminnen auf ihre Vereinnahmung durch die in der Ukraine gegründete Gruppe mit witzigen und pointierten Aktionen. Ihre Botschaft ist simpel wie prägnant: Ihre Freiheit hat nichts mit nackter Haus zu tun und sie können auf die „Imperialistinnen“ gut verzichten. Dazu führten wir ein Interview mit Sofia Ahmed, die für das internationale Kollektiv von Muslim Women against FEMEN Rede und Antwort stand.

Islamische Zeitung: Liebe Sofia, Sie haben sehr schnell auf die Gruppe namens FEMEN reagiert. Was war Ihr erstes Bauchgefühl?

Sofia Ahmed: Unsere ursprüngliche Reaktion war Schock angesichts der Unverfrorenheit dieser Gruppe. Aber auch Abscheu wegen der Art und Weise, in der sie islamfeindliche und rassistische Rhetorik und Bildersprache zur Förderung ihres „barbusigen Jihads“ einsetzte. Wir fühlten die dringende Notwendigkeit, gegen diese negative Form der Vorurteile Stellung zu beziehen.

Islamische Zeitung: Ist dieser Typ des PR-orientierten Protests überhaupt in der Lage, etwas Positives zum Wandel bestehender Diskriminierungen von muslimischen Frauen in aller Welt beizutragen?

Sofia Ahmed: Unsere Kampagne belegt, dass soziale Medien als Kraft für das Gute dienen können und dabei helfen, Tausende in aller Welt zu mobilisieren. Das positive Feedback seitens muslimischer Männer und Frauen – aber auch von Nichtmuslimen – ist unwahrscheinlich groß. Der Dialog und Austausch von Ideen auf diesem Niveau ist immer eine gute Sache und kann helfen, Vorstellungen zu verändern und negative Stereotypen zu dekonstruieren.

Islamische Zeitung: Gab es eigentlich irgendwelche Versuche von FEMEN, in einen direkten Austausch mit Musliminnen zu treten und einen direkten Dialog zu beginnen?

Sofia Ahmed: Es gab seitens von FEMEN überhaupt keinen Versuch, Kontakt mit uns aufzunehmen. Sie benutzen die Medien und versuchen mit ihrer Hilfe, unsere Anstrengungen zu unterminieren und unsere gemeinschaftliche Stimme von der Hand zu weisen.

Islamische Zeitung: Warum haben einige muslimische Frauen diese halbnackten Proteste als „imperialistisch“ und „rassistisch“ kritisiert? Gibt es eine untergründige Verbindungen zwischen westlichem Feminismus und anti-muslimischen Ressentiments?

Sofia Ahmed: FEMEN sagt im Wesentlichen, dass der westliche Feminismus am besten weiß, was Frauen in aller Welt brauchen. FEMEN bedient sich dabei ausgesuchter Individuen aus dem Nahen Osten, die vollständig von der Vorstellung westlicher Befreiung eingenommen sind und fühlen, dass dies der beste Weg sei.

FEMEN glaubt, dass die Körper der Frau von Männern beansprucht werden und dass die barbusige Zurschaustellung ein Symbol der Machtergreifung über ihre Körper sei. In der Vergangenheit kamen von FEMEN Sätze wie „als Gesellschaft waren wir nicht in der Lage, die arabische Mentalität gegenüber Frauen auszuradieren“. Für uns ist das rassistisch, aber auch ein Anzeichen für eine kolonialistisch-feministische Rhetorik, in der arabische/muslimische Frauen als unterdrückt beschrieben werden.

Sie benutzen das Bild der „unterdrückten“ muslimischen Frauen, um ihre Proteste vor Moscheen zu rechtfertigen und die Rolle der Frau im Islam anzuschwärzen. Es ist unglaublich unpassend und beleidigend, dass sie sich dabei jener Stereotypen bedienen, denen muslimische Frauen ausgesetzt sind, um ihre Sache voranzutreiben.

Die von ihnen geäußerte Annahme lautet, dass wir unterworfene Kreaturen sind, die von Männern kontrolliert werden. Wir müssen daher von einer Gruppe perfekt herausgeputzter weißer Frauen befreit werden, die sich nackt zur Schau stellen und mit dem Mittel des Schocks operieren. Wir fragen uns, mit wie vielen muslimischen Frauen sie wirklich gesprochen haben.

Islamische Zeitung: Wie reagierten die Frauen, die an Ihrer Initiative teilgenommen haben?

Sofia Ahmed: Wir haben Rückmeldungen aus der ganzen Welt erhalten. Frauen aus Indonesien, Indien, den USA, Südamerika und Australien haben an unserer Kampagne teilgenommen. Wir sind auch überwältigt von der Unterstützung, die wir seitens von nichtmuslimischen Frauen erhielten. Eine Frau aus den USA schneiderte sich sogar selbst einen Hidschab, um sich mit unserer Sache zu solidarisieren und für das Recht auf Kopftuch einzutreten.

Islamische Zeitung: Haben Sie Pläne für die nächste Zukunft?

Sofia Ahmed: Wir fühlen, dass dies eine seltene Gelegenheit für muslimische Frauen ist, dass ihre Stimmen gehört werden. Zu lange schon wurden wir ausgegrenzt. Muslimische Frauen in allen Teilen des Erdkreises interessieren sich dafür, an unserer Kampagne teilzunehmen und wir arbeiten momentan daran, sie voranzutreiben.

Islamischen Zeitung: Liebe Sofia, vielen Dank für das Interview! (Interview: Laila Massoudi/Übersetzung: Ali Kocaman)

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