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Münkler: Muster aus Dreißigjährigem Krieg tauchen wieder auf

Berliner Historiker setzt auf das das „Ausklammern der Religion als politischer Faktor und die Konzentration auf die Interessen der beteiligten Hegemonialmächte“

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Foto: Jacques Gallot, Wikimedia Commons | Lizenz: Gemeinfrei

Berlin (KNA). Der Berliner Ideenhistoriker Herfried Münkler sieht Parallelen zwischen der Gegenwart und der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648). Gewisse „Eskalationsmuster“ aus der Geschichte tauchten heute wieder auf, sagte er im Interview der „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“. „Was als Farce beginnt, endet als Tragödie – immer wieder lässt sich dieses Muster in der jüngsten europäischen Geschichte beobachten. In Nordirland etwa oder auf dem Balkan.“ Auch in Minaretten in deutschen Städten sähen viele Menschen keine religiösen Bauten, sondern einen „symbolischen Akt der Raumnahme“, so Münkler.

Diese „religiöse Unversöhntheit“ sei im 17. Jahrhundert ein neues Phänomen gewesen, sagte der Wissenschaftler. „Mit der Reformation entstand ein bislang unbekanntes konfessionelles Konfliktpotenzial.“ Auf einmal habe ein irrationales Element das Denken bestimmt. Heute spiele der konfessionelle Konflikt in Deutschland keine Rolle mehr. „Wir leben in einer religiös erkalteten Gesellschaft“, so Münkler.

Dennoch ließen sich Lehren aus dem Dreißigjährigen Krieg ziehen, sagte der Historiker, etwa was den Umgang mit dem Islamismus angehe. Bei den Kämpfern der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) spielten Gier und Langeweile eine mindestens ebenso große Rolle „wie die religiöse Inbrunst“.

Die Forderung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Denkmodelle des Westfälischen Friedens auf den Nahen Osten anzuwenden, hält Münkler für bedenkenswert. „Dafür müsste man allerdings die verschiedenen Kriege und Bürgerkriege von Syrien bis Jemen als einen großen Konflikt sehen und die richtigen Lehren aus dem Westfälischen Frieden ziehen“, sagte er. Vorbildhaft daran seien vor allem das „Ausklammern der Religion als politischer Faktor und die Konzentration auf die Interessen der beteiligten Hegemonialmächte“.

Münkler lehrt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Berliner Humboldt-Universität. Sein neues Buch über den Dreißigjährigen Krieg ist bei Rowohlt erschienen.

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