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Münster: Besetzung des Lehrstuhles an der UNI Münster wird mit Spannung erwartet. Aussichtsreicher Kandidat äußert sich auf islam.de. Von Khalil Breuer

Allgemeine Akzeptanz?

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(iz) Die Imame in Deutschland haben nicht nur einen schweren Job, sie stehen auch enorm unter Druck. Die Gelehrten werden nicht nur häufig durch politische Verbandsstrukturen bevormundet, sie sind oft genug auch wirtschaftlich in einer schwierigen Lage. Eigentlich keine gute Ausgangsposition für eine wirklich “freie” islamische Lehre und für die freie Rede bei den Freitagsgebeten. Auch die Anforderungen an die Imame wächst stetig. Die Öffentlichkeit erwartet heute ein umfassendes islamisches Wissen, Verständnis für die Lage der Muslime in Deutschland und natürlich – zunehmend – gute Deutschkenntnisse.

Breit diskutiert wird nun die Möglichkeit der Ausbildung von Imamen an deutschen Universitäten. Viele Muslime begrüßen zwar Imame, die besser verstehen, was die Muslime in Deutschland bewegt, befürchten aber auch eine schleichende Einflussnahme auf die Lehre selbst. Die zahlreichen Moscheegemeinden in Deutschland wollen natürlich, im Rahmen der Religionsfreiheit, auch selbst weiter die Gläubigen lehren und ausbilden. Das Ideal im Islam ist dabei, dass alle Muslime viel und ausreichend wissen, nicht nur etwa die Imame.

Eine Befürchtung über eine lautlose Veränderung islamischer Inhalte wurde bereits durch die bewusste Wahl von “Außenseitern”, die offensichtlich Mindermeinungen vertreten, für bestimmte Lehrstühle verstärkt. Grundsätzlich besteht aber weiterhin ein Mangel an gut ausgebildeten, deutsch sprechenden Imamen. Der Islam in Deutschland hat zur Zeit weder die finanziellen noch strukturellen Möglichkeiten eine eigene islamische Universität, wie beispielsweise in Rotterdam, zu gründen.

Es wird also ein Kernthema bei der Frage nach der Integration des Islam in Deutschland bleiben: wer bildet wo deutsche Imame aus? Seit rund zwei Jahren warten nun beispielsweise in Münster die Studenten auf die Neu-Besetzung des Lehrstuhls für islamische Religionspädagogik, um ordnungsgemäß ihr Studium fortführen zu können. Nun soll angeblich eine Liste der Bewerber im NRW-Wissenschaftsministerium vorliegen.

Die Internetseite islam.de berichtet aktuell, dass Mouhanad Khorchide aus Wien aussichtsreichster Kandidat zu sein scheint. Die Wahl, die nur am Rande mit muslimischen Organisationen abgestimmt werden soll, wird mit einiger Spannung erwartet. Im Interview mit islam.de geht der Kandidat auf die obigen Vorbehalte ein und erklärt auch ausdrücklich: “der Staat kann die Inhalte des Islamunterrichts nicht bestimmen”. In dem Interview betont er, dass die islamische Lehre in erster Linie an das “Herz” des Menschen gerichtet sei, ohne allerdings andere wichtige praktische Glaubensinhalte – zum Beispiel die Zakat – zu erwähnen.

Khorchide selbst war lange Jahre in Österreich tätig und hat dort eine umstrittene Untersuchung über Imame angeleitet. Ihm wurde vorgeworfen, mit einseitigen Fragestellungen und einer fragwürdigen Einteilung zwischen “modernen” und “traditionellen” Positionen die Polarisierung zwischen den Muslimen zu betreiben. Es bleibt also abzuwarten, ob der Kandidat aus Österreich, wird er denn tatsächlich ernannt, wirklich die allgemeine Akzeptanz der Imamausbildung an den Universitäten erhöhen kann.

Die IZ wird in der nächsten Printausgabe ausführlich zum Thema berichten.

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