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Musketiere des Humors

Drei Amerikaner versuchen ihr Glück in der Welt der Stand-up-Comedy

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In einer Zeit, in der Menschen nur wenig vom Unterschied zwischen bloßer Parodie und wirklicher Komik wissen, kommen die drei Musketiere des Humors gerade recht. Die Mitglieder der Comedy-Tour „Allah machte mich lustig“ verwenden das „Wort“ anstelle des „Schwertes“, um die Leute über die Fehler und Diskrepanzen von Muslimen zum Lachen zu bringen, aber nicht nur für bloße Unterhaltung, sondern zur Aufklärung. Die Botschaft dieser Tour ist „der verständliche Versuch, um effektive, bedeutsame und passende Comedy von einer islamischen Perspektive anzubieten“. Aber wenn das Publikum lacht, dann „stoßen die Lachmuskeln an ihre Leistungsgrenzen“, wie ein Zuhörer es beschrieb. Die Gruppe hat drei Mitglieder: Azhar Usman, ein US-amerikanischer Muslim indischer Herkunft („Ich bin nicht Osama bin Ladins böser Bruder! Ich bin sein Cousin! Ihr könnt mich Bin Laughin [engl. für Lachen] nennen!“). Die anderen beiden sind Afro-Amerikaner, Preacher Moss („Ich bin Afro-Amerikaner und Muslim, was bedeutet, dass ich bei einer Verkehrskontrolle gleich zwei Strafzettel bekomme!“) und Azeem, der glaubt, dass die Aufgabe im Unterricht besteht, ohne dass die Leute das Gefühl haben, im Klassenraum zu sitzen. Wir [das Online-Magazin „I-MAG“, welches uns das Interview zur Verfügung stellte] trafen die drei talentierten Komiker, um mehr über ihre Botschaft und ihre Bemühungen um das Verschwinden von kulturellen, religiösen und ethnischen Vorurteile zu erfahren.

Frage: Allah machte euch komisch, aber wie habt ihr eurer Talent entdeckt, welches euch Allah gegeben hat, und wie habt ihr es entwickelt?

Preacher Moss: Ich fühlte, dass ich die Menschen immer schon zum Lachen bringen konnte, aber die Frage war, ob ich dies auch konstant und professionell tun könnte. Ich bin mit einer hilfreichen Familie gesegnet und zu diesem Zeitpunkt auch mit einer sehr hilfreichen Community von Comedians. Ich begann vor meinem Islam die Arbeit mit einer Jazz-Band in Chicago. Ich erweiterte die Idee, Dinge zu vermitteln und wurde so zu einem guten Geschichtenerzähler. Glücklicherweise hat Allah meiner Seele Geduld und Demut gegeben.

Azeem: Ich stellte fest, dass ich komisch war, als die beste Freundin meiner Ex-Frau und meine schlimmste Feindin (Azeem lächelt) und ich bei der Arbeit waren und sie zu mir sagte, dass ich wegen meiner humoristischen Fähigkeit Stand-Up Comedy versuchen sollte. Ich ging zu den offenen Abenden der Comedy-Clubs, die Leute lachten und ich fing mir den Humorvirus ein. Der Rest ist Geschichte.

Azhar: Ich war immer der Klassenclown und der Possenreißer. Nachdem ich entschieden hatte, Stand-Up Comedy ernst zu nehmen, habe ich mich bemüht und Kunst studiert. In Folge dessen entschied ich mich für eine Vollzeitkarriere als Komiker und bemühte mich ernsthaft um das Schreiben und Bearbeiten meines Materials.

Frage: Inspiration oder harte Arbeit? Fällt euch die Arbeit leicht oder müsst ihr hart arbeiten?

Preacher Moss: Es ist eine Kombination von beidem. Meine Lieblingsaussage ist: „Jeder hat ein Talent, aber man muss fähig sein, damit es die Leute bemerken und es braucht Disziplin, diese Fähigkeit aufrecht zu erhalten.“ Ich möchte mich hier auf meine letzte Antwort beziehen: Allah kennt die Waage der Dinge und Sein Gesandter ist das Beispiel dafür, dass wir arbeiten müssen, um uns auszuzeichnen.

Azeem: Ich musste hart an meinen Fähigkeiten arbeiten, denn auch wenn ich die Leute zum Lachen bringen kann, gibt es einen Unterschied zwischen dem bloßen Amüsement und dem Lachen aus einem bestimmten Anlass. Ich glaube, dass Allah uns alle mit einem Geschenk gesegnet hat, aber es ist an uns, dass wir dieses Geschenk pflegen, damit es zum wird, was Er will.

Azhar: Absolut, denn die Inspiration ist das rohe Talent, welches eine Voraussetzung ist. Jedoch muss man hart arbeiten, um dieses Talent in eine Fähigkeit zu verwandeln. Und die Verbindung von Fähigkeit und Disziplin ermöglicht eine anhaltende Karriere in der Unterhaltungsindustrie.

Frage: Wie habt ihr euch getroffen?

Preacher Moss: Ich kenne Azeem seit fünf Jahren. Ich traf ihn in einem Comedy-Club in Madison, Wisconsin. Er war der Haupt-Act und ich habe den Abend eröffnet. Er war sehr talentiert und fiel als Muslim natürlich in einem nicht-muslimischem Umfeld auf. Mit ihm erarbeitete ich die Möglichkeit einer gemeinsamen Tour. Azhar traf ich über die Vermittlung eines gemeinsamen Freundes. Ich sprach mit ihm über die Möglichkeit einer gemeinsamen Tour und der darin enthaltenen Geschäftsmöglichkeiten. Ich habe das Gefühl, dass ich die beiden schon mein ganzes Leben lang kenne. Wir behandeln uns gegenseitig als Familienmitglieder.

Azeem: Nun, wie erwähnt, trafen Preacher und ich uns in einem Comedy Club in Madison. Da wir uns beide als Muslime erkannten, stimmte alles von Anfang an. Azhar und ich trafen uns durch Preacher und wir einigten uns darauf, dass das Konzept von „Allah machte mich komisch“ einen Versuch wert wäre.

Azhar: Preacher kontaktierte mich, nachdem er meinen Namen bei Muslimen gehört hatte. Nachdem er und ich uns trafen, lief alles wie geschmiert und der Rest ist Geschichte.

Frage: Was ist der Hauptgedanke hinter eurer Tour?

Preacher Moss: Grundlage ist das Wissen, dass Allah an meinen besten und an meinen schlechtesten Tagen die Kontrolle hat. Der Titel ist die Anerkennung, dass Er uns unsere Fähigkeiten gegeben hat. Unser Wert kommt Allah und wir handeln dementsprechend. Comedy ist ein starkes Werkzeug, um sich selbst auszudrücken. Das Projekt ist organisch, denn es kommt von der muslimischen Gemeinschaft, wird von ihr getragen, richtet sich aber an alle.

Azeem: Komiker werden häufig als „komisch“, „brillant“ oder „scharf“ beschrieben, aber als Männer, die Allah fürchten, wissen wir, dass wir nicht der Ursprung unserer Fähigkeiten sind. Wir sind nur das Medium, durch welches diese zu Tage treten.

Azhar: Allah kommt zuerst. Punkt. Und alles, was wir haben, ist ein Geschenk von Allah.

Frage: Es mag paradox erscheinen, aber eure Comedy scheint eine „ernsthafte“ zu sein …

Preacher Moss: Comedy ist ein ernsthaftes Mittel der Ausdrucks. Deshalb muss man sich auch verantwortungsbewusst verhalten. Wir möchten unterschiedliche Themen des zeitgenössischen islamischen Lebens vermitteln. Es gibt eine wunderschöne Seite, Muslim zu sein, und – manchmal – auch eine nicht so glamouröse Seite. Wir möchten in beiden Zusammenhängen menschlich wirken.

Azeem: Ich konzentriere meine Comedy auf die alltäglichen Themen in einem muslimischem Haushalt, wie Heirat, Kinder etc. Dadurch lernt ein Besucher unserer Show auf unbewusste Weise, dass Muslime wie alle anderen Leute sind. Ihre Kinder machen sie verrückt und ihre Ehefrauen haben immer Recht.

Azhar: Große Comedians haben das Publikum immer zum Lachen und zum Nachdenken gebracht. Ich mag es, wenn meine Zuhörer ein Fenster zu dem bekommen, über das ich ernsthaft nachdenke. Dazu zählen wichtige Denken wie „ethnic profiling“, Terrorismus oder religiöser Fundamentalismus, aber auch alltägliche und unscheinbare Dinge wie Badezimmerwände in Moscheen. Alles ist ein mögliches Ziel.

Frage: Haben Imame Einspruch gegen eure Comedy erhoben? Preacher Moss: Diejenigen, mit denen wir sprachen, haben ihr allgemeines Einverständnis gegeben und verstehen, dass unsere Arbeit mehr ist als das bloße Erzählen von Witzen. Wir konnten ein umfassenderes Publikum erreichen als nur die durchschnittlichen Muslime. Wir haben erfahren, dass die Gemeinschaft die Idee anerkannte. Einige wenige legten ihren Einspruch ein, aber die haben sich auch niemals die Mühe gemacht, und zu besuchen.

Frage: Seht ihr Wurzeln für euren Spaß in der islamischen Geschichte?

Preacher Moss: Es gibt viele Hadithe, die über Lächeln des Propheten berichten und seinen Sinn für Humor. Er lachte, lächelte und gab uns das richtige Verständnis dafür, warum wir diese Dinge tun. Dies ist eine große Religion. Sie ist dafür da, dass man sich an ihr erfreut. Das Lachen ist ein Teil unserer spirituellen und islamischen DNS.

Frage: Welche Themen wollt ihr mit der Tour vermitteln? Geht es um die nicht-muslimische Mehrheitsgesellschaft oder habt ihr auch Material über die Probleme der muslimischen Gemeinschaft im Westen? Hat der 11. September eine Veränderung bei euch bewirkt?

Preacher Moss: Unser Augenmerk liegt auf der Betonung kleiner Dinge, wie wir leben, wachsen und als Gläubige miteinander umgehen. Dies sind Themen, die älter sind als der 11. September. Wir betonen immer wieder, dass diese Tour keine Antwort auf den 11. September ist, sondern ein Aufruf an Muslime und an Nicht-Muslime. Unser Programm ist für jeden. Es ist so allgemein gehalten, dass alle es verstehen können. Die Religion betont den anderen vor dem Eigeninteresse.

Azeem: Ich habe mich dadurch mehr um mein „Selbst“ gekümmert. Denn ich habe verstanden, dass, wenn ich eine Reflexion dessen werde, was uns der Prophet lehrte, einen Wechsel in der Welt über Nacht bewirken kann. Eine Innensicht ist mir wichtiger als der Versuch, zu zeigen, was bei anderen falsch ist.

Azhar: Ich betrachte meine Arbeit nicht im Sinne einer Kampagne. Allgemein ziehe ich die Selbstkritik vor, denn ich gehe davon aus, dass Allah zuerst von uns will, dass wir uns selbst ändern und nicht andere. Die Obsession mit dem „Anderen“ ist ein Produkt des nihilistischen Denkens unserer Zeit, aber hat keine Wurzeln in der traditionellen islamischen Gottesfurcht.

Frage: Ich habe gehört, dass ihr es zur Bedingung für die Club-Besitzer gemacht habt, dass weder Alkohol nocht Schweinefleisch während eures Auftritts serviert werden…

Preacher Moss: Wir haben diese Regelung zu einer Bedingung in unseren Verträgen gemacht. Unsere Auftritte wurden aber wegen dieser Regelung niemals abgesagt. Es hat die Tour stärker gemacht und hält sie auf der Linie unserer Überzeugungen.

Frage: Politik gehört zum Gewebe unseres Alltags. Wie wählt ihr die Themen aus und welche vermeidet ihr?

Preacher Moss: Es scheint so zu sein, als ob die Ereignisse oder die Politik uns auswählen. Wir haben unterschiedliche Einflüsse, die bei uns bestimmen, was wir für wichtig erachten. Bestimmte Themen meiden wir, weil wir auf manchen Gebieten nicht genug Informationen haben, um darüber sprechen zu können.

Azeem: Ich wähle jedes politische Thema, welches im Gegensatz zu den allgemein anerkannten Werten steht. Ich glaube, dass dies notwendig ist, denn viele Menschen fürchten sich darüber zu sprechen, was sie wirklich bewegt. Es macht keinen Sinn für mich, ein Comedian zu sein, der nur Witze darüber macht, was die Masse fühlt.

Azhar: Ich versuche, dieses Thema zu vermeiden.

Azhar, Azeem und Preacher Moss, wir danken für das Gespräch.

Der Abdruck geschieht mit freundlicher Genehmigung der Betreiber von „I-Mag“.

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