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Muslime auf der Buchmesse: mittendrin, statt nur dabei

Der IZ-Auftritt in Leipzig zeigt, wie wichtig eine positive muslimische Präsenz für die Begegnung im „Zeitalter der Wut“ ist.

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Foto: IZ Medien

Berlin (iz). Die gerade zu Ende gegangene Leipziger Buchmesse zählte in diesem Jahr 271.000 Besucher. Das waren zwar weniger als der angestrebte Besucherrekord von 300.000 Gästen, nichtsdestotrotz ist die bibliophile Messe ihrem Ruf als Ort für alle gerecht geworden, die Bücher und das Lesen lieben.

Wie bereits im letzten Jahr war die IZ wieder mit einem Messestand vertreten. An vier Tagen, in denen die Buchmesse für das Publikum geöffnet war, standen wir für Gespräche und Begegnungen bereit. Wie wichtig ein solches Angebot von muslimischer Seite ist, zeigen nicht nur die Tausenden Ausgaben unseres Magazins, die zur Mitnahme auslagen. Unter dem Motto „Die Welt mit muslimischen Augen sehen“ nutzten die unterschiedlichsten Charaktere die Chance, muslimische Beiträge kennenzulernen.

Für viele Besucher war die Möglichkeit, kostenlose Exemplare mitzunehmen, auch eine barrierefreie Chance, direkt in einen relevanten Austausch mit Muslimen zu treten. Nach Sätzen wie „Oh schau mal, ‘Islamische Zeitung‘“ oder „Schatz, da sind Muslime!“ bahnten sich oft interessante Gespräche an. Und es war gerade das unerwartete Treffen auf ein muslimisches Medium, das Menschen an den IZ-Stand brachte, die „dem Islam“ gegenüber entweder fern oder gar ablehnend eingestellt waren. Es war keine Seltenheit, dass manche mit – beinahe greifbaren – vorgefassten Ansichten über „den Islam“ oder „die Muslime“ zur IZ kamen und auf eine positive Weise erleben sollten, wie haltlos viele ihrer Vorurteile waren.

Was an einem signifikanten Anteil der Begegnungen auffiel: Dass zwischen den beiden Seiten nicht so sehr Allahs Din steht und dass es in allen (inklusive unseren eigenen) Köpfen nicht einmal darum ging. Als Beispiel mag ein Gespräch herhalten: Da kam ein gutbürgerlich-gebildetes Pärchen aus Sachsen an den Stand, das nach eigenem Bekunden „eher ‘konservativ’ und ‘rechts’“ sei. Der Islam „der Muslime“ sei für sie etwas Fremdes und „nicht kompatibel mit der deutschen Kultur“.

Es wurde schnell deutlich, dass sie innerlich schon auf die erahnte, vielleicht erhoffte, Konfrontation warteten. Als sich das Gespräch in einer anderen Richtung verlief (auch dank der IZ-Texte, die sich mit dem Verhältnis von europäischer Kultur zum Islam beschäftigen), fiel der erwartete „Clash“ aus. Danach war ein Austausch über die religiösen und spirituellen Grundlagen der Muslime möglich.

Was in Leipzig auffiel: Das – beiderseits gepflegte – Missverständnis, Islam oder Muslimsein seien eine wie auch immer geartete Größe, die den „Muslim“ vom „Deutschen“ (so als wäre dies ein Gegensatz) unterscheide. Aus welchen Gründen oder guten Argumenten auch immer liegt das nicht nur am kulturalisierten Rassismus, der den Muslim zum Anderen macht, sondern auch am innermuslimischen Selbstverständnis und Wirken.

Die diesjährige Leipziger Buchmesse hat die Grundüberzeugung der IZ-Redaktion erneut bestätigt: Das gemeinsame Gespräch ist unverzichtbar. Und es kann dabei helfen, Gräben zu überwinden sowie die Feindeslinien heutiger Echokammern aufzuweichen. Gerade in schwierigen Zeiten, wie sie die muslimische Community in Deutschland derzeit erlebt, sind Bemühungen zu einer echten Begegnung im Großen und Kleinen unverzichtbar. Wir sollten uns solche Gelegenheiten nicht entgehen lassen.

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