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“Muslime & Globalisierung” – Contra: Die Unsicherheit in den Gewässern am Horn von Afrika erweist sich als lukratives Geschäft

Vom Profit der Piraterie

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Anhand der Piraterei vor den Küstengewässern am Horn von Afrika wird erkenntlich, dass eine jahrelange Politik der Interventionen zu fatalen Folgen geführt hat. Dem gesellschaftlichen Zusammenbruch folgt die Rückkehr des Raubrittertums.

(GFP.com). Deutliche Kritik am Marineeinsatz gegen die Piraten am Horn von Afrika übt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Wie es in einem soeben veröffentlichten Diskussionspapier des Instituts heißt, kann die Militärintervention die Piraterie nicht beenden, auch weil Wirtschaftsinteressen im Westen – etwa bei Reedereien und Versicherungskonzernen – nötigen Vorsichtsmaßnahmen entgegenstünden. Nicht einmal eine Abschreckungswirkung der Operationen lasse sich feststellen.

Erhebliche Aussichten bestünden jedoch, die Piraterie durch den Aufbau einer somalischen Küstenwache entscheidend zu schwächen. Dem verweigere sich aber Berlin. Skeptisch gegenüber einer vorwiegend militärischen Piratenbekämpfung zeigt sich auch eine neue Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik. In dem Papier heißt es ebenfalls, die Marineintervention müsse um weitere Maßnahmen zu Lande ergänzt werden, um zum Erfolg zu führen. Laut der Stiftung ist es „nicht völlig von der Hand zu weisen“, dass bei der Entscheidung für den teuren Marineeinsatz das Streben nach „Kontrolle im Indischen Ozean“ eine zentrale Rolle gespielt habe.

„Die Risikolage ist unverändert“, berichtet die SWP: „Trotz einer massiven Präsenz von Marinekräften (…) werden regelmäßig Handelsschiffe angegriffen und entführt.“ Auch das DIW erklärt, der Militäreinsatz vor der Küste Afrikas habe „keine spürbare Abschreckungswirkung“: „Die Zahl der Piratenangriffe hat sich seit Beginn der Militäraktion sogar nahezu verdoppelt.“ Lag die Zahl der Attacken im Jahr 2005 noch bei 47, stieg sie im Jahr 2008 auf 111 und 2009 sogar auf 217 Überfälle.

Die Ursachen für die Piraterie liegen dem DIW zufolge in den wirtschaftlichen Verhältnissen in Somalia. „Die internationale Raubfischerei und die organisierte Entsorgung von Giftmüll vor der Küste Somalias hat den Küstenbewohnern ihre Lebensgrundlage entzogen“, sagt die Autorin des Papiers: „In einem Land, wo das Pro-Kopf-Einkommen weniger als 300 US-Dollar pro Jahr beträgt, ist Piraterie ein attraktives Geschäft für arbeitslose junge Männer“.

Wie die DIW-Autorin erklärt, ist das Piratenwesen allerdings „nicht nur für die Somalier ein gutes Geschäft“. Auch die Schiffsversicherer machten dank der Piraterie, die die Versicherungsgebühren dramatisch in die Höhe treibe, „gute Gewinne“, sie verlangten daher „von den Schiffseignern keine Sicherheitsvorkehrungen, die Kaperungen schwieriger machen würden“. „Man darf nicht erwarten, dass die Versicherungen an dem Ast sägen, der ihnen diesen Versicherungsmarkt möglich macht“, urteilt die DIW-Autorin. Ihr zufolge begünstigten Profitinteressen westlicher Firmen auch sonst die Piraterie. So hielten sich Reedereien nicht an die Vorschriften der Marine, die Piratenüberfälle verhindern sollen, weil sie Kosten einzusparen suchten. Zudem seien die Schiffsbesatzungen auch wegen miserabler Bezahlung und wegen schlechter Verträge meistens nicht bereit, die Piraten mit durchaus riskanten Verteidigungsmaßnahmen zurückzuschlagen oder wenigstens aufzuhalten.

Mit der Rüstungsindustrie gebe es in Deutschland einen weiteren einflussreichen Piraterieprofiteur. Bei alledem sei zu berücksichtigen, dass – die Militärausgaben nicht eingerechnet – „von den Kosten, welche die Piraterie verursacht, nur 20 Prozent nach Somalia“ flössen. „Der Rest bleibt in unserem Wirtschaftskreislauf.“ Wie die SWP in ihrer aktuellen Studie schreibt, rufe die Tatsache, dass der Westen trotz des höchst geringen Erfolgs den kostspieligen Marineeinsatz am Horn von Afrika finanziere, immer wieder ein Nachdenken über eine verborgene Agenda hervor. So werde vermutet, „es gehe beim militärischen Einsatz im Golf von Aden letztlich um die Frage, wer künftig die Kontrolle im Indischen Ozean ausübe“.

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