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“Muslime & Globalisierung” – Contra: Geschäfte mit Bomben machen

SIPRI-Jahresbericht legte Umfang des Waffenhandels dar - Von Ali Kocaman, Rendsburg

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Wenn wir über internationale Konflikte nachdenken – zwischenstaatliche Kriege im konventionellen Sinne gibt es ja kaum noch – dann haben sich gewisse Sichtweisen in unseren Köpfen festgesetzt. Experten – insbesondere die in Medien beliebten „Terror-Experten“ – reden über religiöse, ideologische und kulturelle Ursachen bewaffneter Konflikte. Dem Seelenzustand des kürzlich getöteten Massenmörders Musab Al-Zarkawi wurde mehr Aufmerksamkeit geschenkt als den geschichtlichen oder wirtschaftlichen Ursachen des De-facto-Bürgerkrieges im Irak. Wenn der normale Medienkonsument Glück hat, dann stößt er oder sie auf hin und wieder auf einen Artikel, in welchem auch auf so entscheidende Faktoren wie die Beschaffung von Waffen in Konflikten eingegangen wird.

Zumeist werden die Händler der tödlichen Instrumente gerne im Stile eines Adnan Al-Kashoggi präsentiert, also glamouröser Halbweltgestalten, die es durch ihren unglaublichen Reichtum zu einem fragwürdigen Ruhm gebracht haben. Wir kennen das gleiche Szenario aus der Welt des internationalen Drogenhandels, bei dem immer nur dessen kriminelle Aspekte betont werden, während nur in Fachkreisen erwähnt wird, dass am Ende der narkotischen Verwertungskette manchmal auch international anerkannte Finanzeinrichtungen stehen, die für die Waschung der enormen Drogengelder notwendig sind. Diesem Mangel an Aufklärung leisten seit Jahrzehnten internationale Forschungseinrichtungen Abhilfe. Dazu gehört das in Stückholm beheimatete SIPRI (Stockhol International Peace Research Institute), welches vor kurzer Zeit seinen 40-jährigen Geburtstag feierte. In ihrem Jahresbericht, der am 12. Juni der Weltöffentlichkeit vorgestellt wurde, verweisen die Friedensforscher neben vielen anderen Themen auch auf den bedeutenden Anteil des Rüstungshandels an der Aufrechterhaltung von Konflikten und Kriegen neuerer Art. Wie wichtig der Handel mit Waffen ist, belegt die Zahl der Forschungseinrichtung, wonach in den letzten zehn Jahren alle Rüstungsausgaben um ein Drittel auf 950 Milliarden Euro in 2005 angestiegen sind.

In dem Jahrbuch zu Rüstung und Abrüstung wird deutlich, dass davon allein 48 Prozent auf das Militärbudget der Vereinigten Staaten entfallen. Hinzu kommt, dass 80 Prozent des Anstiegs allein durch die Aufträge der USA zu verantworten sind. Im Vergleich mit dem Vorjahr 2004 seien die weltweiten Ausgaben um 3,4 Prozent gestiegen und betrügen demnach pro Kopf der Weltbevölkerung 137 Euro. Als Motivation für diese enormen Militärkosten sieht SIPRI vor allem die militärischen Operationen der USA im Irak und in Afghanistan. Nach den USA folgen mit großem Abstand Großbritannien, Frankreich, Japan und China. Alle halten einen Anteil von fünf bis sechs Prozent an den internationalen Rüstungsausgaben. Neben den nationalen Rüstungsausgaben sind auch die internationalen Exporte ein Wachstumsmarkt. Man erkenne, so die britische SIPRI-Direktorin Alyson Bailes, eine gegenseitige Verflechtung zwischen Nord und Süd. Auch das Volumen des weltweiten Handels mit Waffen nahm zu. Dazu zählen neben den großen High-Tech-Projekten, die auf wenige Staaten beschränkt sind und die selten mit den wirklichen Konflikten in Verbindung stehen, vor allem der allgemein als Gefahr anerkannte Handel mit den so genannten Kleinwaffen. Dazu zählen neben Sturmgewehren vor allem Maschinengewehre, Granatwerfer und Mobile Abschussvorrichtungen wie beispielsweise Panzerfäuste. Einzige Ausnahme sind hier die Konflikte, an denen die USA beteiligt waren oder sind. Auf diesen Gebieten – namentlich Irak und Afghanistan – hat die Armee der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten immer wieder Hochtechnologie zum Einsatz gebracht und unter realistischen Bedingungen getestet. Die beiden wichtigsten Herkunftsländer für Waffen sind laut SIPRI-Studie Russland und die USA. Konzerne aus beiden Ländern besitzen jeweils 30 Prozent aller Marktanteile. Weit dahinter liegen Firmen aus Frankreich, Deutschland und Großbritannien, die an Sicherheit und Krieg verdient haben. Deutschland soll nach Angaben von SIPRI in den letzten vier Jahren Produkte für ca. 4,4 Milliarden Euro ausgeführt haben.

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