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“Muslime & Globalisierung” – Contra: Gleiche Entschlussfähigkeit für Jobmarkt wie beim Bankensektor. Von Sulaiman Wilms

Die vergessene Arbeit

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(IZ/ILO). Heute fällt der globale Blick, mehr als ein Jahr nach Beginn der weltweiten Finanzkrise, vor allem auf abstrakte Vorgänge und Konzepte rund um das Bankenwesen. Diese finden ihren Ausdruck in bindungslosen und durch keine realen Vorgänge gedeckten Transaktionen. Jüngst mussten Politiker und Funktionäre der Europäischen Union zu ihrem eigenen Entsetzen feststellen, dass es der griechischen Regierung gemeinsam mit privaten Großbanken gelang, einen Teil der massiven Auslandsschulden von Athen zu verheimlichen.

Bei all dem wird vergessen, dass es immer noch eine „Realökonomie“ gibt, in der Güter erzeugt und Dienstleistungen angeboten werden. Unsere vorherrschende Finanzarchitektur hat – trotz aller digitalen Transaktionen – am Ende vor allem Auswirkungen auf Arbeits- und Lebensbedingungen der Werktätigen. Während in Deutschland eine von Westerwelle provozierte Debatte um vermeintliche „Faulheit“ von Arbeitslosen und Transfergeldempfängern geführt wird, verweisen Experten auf die wachsende Zahl von Arbeitslosen.

Nach Angaben der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ist im Jahr 2009 die Zahl der globalen Arbeitslosen beziehungsweise -suchenden auf beinahe 212 Millionen Menschen ohne Anstellung gestiegen. Mit Verweis auf Wirtschaftsprognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) geht die ILO davon aus, dass die globalen Arbeitslosenziffern auch 2010 hoch bleiben werden.

In Industrieländern und innerhalb der EU soll es zusätzliche drei Millionen ­weiterer Arbeitsloser geben, während sich die Zahlen in einigen anderen, nichteuropäischen Regionen stabilisieren sollen. Nach Angaben der Arbeitsorganisation sei die Menge der nicht beschäftigten Jugendlichen um weitere 10,2 Millionen gestiegen. Dies wäre der höchste Zuwachs seit dem Jahr 1991 gewesen.

Auch wenn es in hoch entwickelten Industrieländern des Westens und Ostasiens durch massive staatliche Rettungsprogramme seitens der Regierungen gegen die Finanzkrise und für die Banken zu einer Abschwächung im Anstieg der heimischen Arbeitslosenzahlen gekommen sei, gebe es trotzdem weltweit sehr viele Millionen, die ohne Arbeit, Arbeitslosengeld oder irgend eine andere Form von sozialem Schutz überleben müssten.

Nach Ansicht von ILO-Generaldirektor, Juan Somavia, müsse es Priorität der Regierungen sein, dass es nicht zu einer wirtschaftlichen Erholung nach der Finanzkrise komme, die nicht auch zu einer Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt führen wird. „Wir brauchen den gleichen politischen Entscheidungswillen, der Banken rettete. Er muss nun zur Anwendung kommen, um Jobs zu bewahren und zu schützen und somit auch den Lebensunterhalt der Menschen. Dies kann durch eine starke Konzentration von staatlicher Politik und privaten Investitionen bewerkstelligt werden.“

Die ILO geht davon aus, dass sich augenblicklich über 1,5 Milliarden Menschen in unsicheren Arbeitsverhältnissen befinden. Die entspräche rund der Hälfte aller Werktätigen. Und 633 Millionen seien ohne Arbeit und ihre Familien lebten 2008 von weniger als 1,25 US-Dollar täglich, während 215 Millionen Werktä­tige 2009 gefährdet waren, unter die Armutslinie zu rutschen.

Während die Arbeitslosenrate im ­Nahen Osten im Zeitraum zwischen 2007 und 2009 im Wesentlichen unverändert blieb (ca. 9,3 Prozent der gesamten Arbeitskräfte), stieg sie in Nordafrika auf 10,5 Prozent. Beinahe 23 Prozent aller Arbeiter und ihre Familien lebten zur Zeit im Nahen Osten von weniger als 2 US-Dollar täglich. Jede Zunahme der Arbeitslosenrate würde auch zu verstärkter Armut in der Re­gion führen.

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