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“Muslime & Globalisierung” – Die arabische Welt benötigt riesige Summen, um die Lebensmittelversorgung zu sichern

Contra: Landnahmen keine Lösung

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Nachdem die spekulativen Finanztechniken und internationale Börsen sich dauerhaft als ­riskant erwiesen haben, setzen ­internationale Anleger verstärkt auf Lebensmittel und Anbau­flächen, um langfristig einträg­liche Gewinne zu machen.

(Halalfocus.com). Die Länder der Arabischen Welt müssen bis 2030 mindestens 113 Milliarden US-Dollar investieren, um die Nachfrage nach Lebensmitteln für ihre wachsenden Bevölkerungen zu befriedigen, erklärte ein nahöstlicher Politiker. Seit 2008 ist die Gewährleistung der Lebensmittelversorgung zu einer entscheidenden Frage geworden, seit in diesem Jahr die Preise in die Höhe schossen. Arabische Staaten müssten die Hälfte dieser Summe durch Privatinvestoren erlangen, um die Nachfrage zu erfüllen, die 2030 von bis zu 550 Millionen Menschen kommen werde, erläuterte Tareq Al-Zadjali, Generaldirektor der Arabischen Organisation für Landwirtschaftliche Entwicklung.

Mit diesem Kapital würde die Produktion von bis zu 93 Prozent des arabischen Getreidebedarfs bis 2030 gesichert, sowie 81 Prozent des Zuckers und 69 Prozent aller Ölsaaten. Seit 2008 ist die Sicherung der Lebensmittelversorgung zu einer entscheidenden Frage der Arabischen Welt geworden, nachdem Lebensmittelpreise auf den weltweiten Rohstoffmärkten enorm anstiegen. Exportnationen hätten ihre Prioritäten geändert, um der Ernährung ihrer Bevölkerung Vorrang einzuräumen. Und dies, obwohl arabische Nationen Mittel hätten, Lebensmittel zu importieren.

Seit den Preissteigerungen entwickelten Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate Pläne, um in Asien und Afrika Anbauflächen zu kaufen, von denen aus sie Lebensmittel importieren wollen. Al-Zadjali verlangte hingegen mehr landwirtschaftliche Investitionen innerhalb der Grenzen der arabischen Welt. Da die Wüstenbildung in der arabischen Welt Anbauflächen austrocknet, könnten Regierungen Sorgen um Lebensmittelsicherheit nicht dadurch beruhigen, indem sie nach Afrika schauen, meinte ein Experte. Wüstenbildung bedrohe heute schon 20 Prozent des trockenen Nahen Ostens. Dies habe viele angetrieben, in afrikanische Anbauflächen zu investieren, um ihre wachsenden Bevölkerungen zu ernähren, so Wadid Erian vom Arabischen Zentrum für Studien zur Zukunft der Trockenzonen.

Die Abnahme fruchtbaren Landes und steigende Unsicherheit der Lebensmittelversorgung könnten bestehende Konflikte verstärken und Investitionen von einer Region fern halten, in der ökonomische Ausgrenzung seit langem Unruhen anfeuert. „Die Verwüstung kommt, und unsere Antwort muss ihrer Geschwindigkeit entsprechen“, sagte Erian. „Wir müssen uns fragen, ob die Nutzung von afrikanischen Flächen eine nachhaltige Lösung sein kann.“

Klimawandel, steigende Bevölkerungszahlen und ein armseliger Umgang mit landwirtschaftlichen Flächen haben zur Beschleunigung der Wüstenbildung beigetragen und so Probleme bei der Lebensmittelversorgung der arabischen Welt verstärkt. In den arabischen Staaten und in Nordafrika seien Investitionen in Höhe von 47 Milliarden Euro nötig, um eine ausreichende Lebensmittelversorgung mit Lebensmitteln zu gewährleisten. „Wir gehen davon aus, dass wir bei einem Anhalten des Klimawandels und der Wüstenbildung nicht genug Lebensmittel haben, um die Nachfrage zu befriedigen“, sagte Erian.

Es werde erwartet, dass Verwüstung in Ägypten einen hohen Preis fordern könnte. Das Land ist die bevölkerungsreichste arabische Nation. Hier drängen sich die meisten der 77 Millionen Ägypter auf einem schmalen Streifen von fruchtbarem Land am Ufer des Nils und in seinem fruchtbaren Delta. Ägypten – bereits heute der größte Weizenimporteur der Welt – hofft auf den Abschluss von Verträgen privater Firmen in Afrika, um eine stabile Weizenversorgung zu sichern, wenn Weltmärkte in die Höhe schießen.

Staaten wie Saudi-Arabien, Qatar, Ägypten, Libyen, Syrien und Jordanien investieren bereits im großen Maße im Sudan. Das Land mit seinen regelmäßigen Regenfällen ist der „Brotkorb“ in der Region. Aber die „Landnahme“ in Afrika, ohne sicherzustellen, dass die lokalen Bevölkerungen in den hungrigsten Ländern der Welt einen Nutzen davontragen werden, könne nicht die einzige langfristige Lösung sein, sagte Erian.

Ein andere Gefahr bei diesem Modell der Investitionsmöglichkeiten bestünde darin, dass die Notwendigkeit von klaren politischen Vorgaben und einer Finanzierung zur Bekämpfung der heimischen Wüstenbildung verdunkelt werde. Das gleiche gelte für langfristige Pläne im Umgang mit dieser Lage, sagte Erian.

In einer Region, in der üppig bewässerte Golfplätze neben weitläufigen Wüsten und einem chronischem Wassermangel bestehen, habe ein Mangel an ökologischem Bewusstsein die Dinge noch verschlimmert. Eine Verbesserung des Umweltmanagements und Investitionen in Agrartechnologie würde das Bewusstsein von Investoren steigern und verzweifelt benötigte Mittel für die Wüstenforschung anziehen, meinte der Fachmann.

Allerdings würden kostspielige Investitionen in einer Region, in der viele Staaten sich nicht einmal um die grundlegenden Bedürfnisse ihrer Bürger ­kümmern könnten, und deren Ergebnisse Jahre bräuchten, oft genug im ­Abseits gelassen.

„Eine Unze an Vorbeugung ist besser als ein Pfund Heilung“, sagte Erian. „Wir können den Elefanten im Raum nicht mehr leugnen.“

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