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“Muslime & Globalisierung” – Pro: Die Welt trifft sich in Mekka

Die Muslime haben wegen der Hadsch seit jeher in einer globalisierten Welt gelebt - Von Sulaiman Wilms, Potsdam

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(iz)Wenn wir uns zu einer bestimmen Zeit im Orbit um die Erde befänden und die entsprechenden technischen Geräte zur Hand hätten, dann würden wir sehen können, dass an einem festgesetzten, regelmäßig wiederkehrenden Zeitpunkt viele Menschen auf dem gesamten Globus sich auf einen Punkt in der Arabischen Halbinsel hinbewegen. Dort angekommen, drehen sich diese Menschenmassen um einen Punkt, der eigentlich ein schwarzer Würfel ist, und wandern dann sieben Mal zwischen zwei Punkt en hin und her. Dann, wiederum nach einer genau festgesetzten Zeit, machen sich all diese Menschen auf zu einem Ort, der wenige Kilometer vor dieser Stadt liegt und halten sich dort eine bestimmte Zeit lang auf. An einem bestimmten Tag würden sich alle diese Millionen von Menschen wieder auf den Weg zurück zu ihren Herkunftsorten machen. Wenn wir bei diesem Beispiel bleiben, dann erkennen wir, dass die Hadsch das einzige globale Muster menschlichen Verhaltens ist, welches nicht seinesgleichen kennt.

Während es in gewissen Regionen der Erde saisonale Wanderungen gibt, so ist die Hadsch – die (einmal im Leben eines jeden Muslims) verpflichtende Reise nach Mekka – ein sehr altes Ritual, welches die Menschen immer schon über ihre jeweiligen wirtschaftlichen, kulturellen, ethnischen und sprachlichen Unterschiede hinaus verbunden hat. Weit über eine moderne „Come together“-Ideologie hinausgehend, erkennt der Muslim auf der Hadsch und in der Begegnung mit Millionen von Anderen, die zwar unterschiedlich sein mögen, aber die gleichen Handlungen vollziehen, dass die beteiligten Menschen sich in einer existentiellen Einheit bewegen, die, zumindestens an diesem Ort, jegliche Unterschiede aufheben kann. Von daher kommen Muslime zu einer anderen Bewertung des Begriffes der Globalisierung, da sie ja immer schon in einer gewissermaßen „globalisierten“ Welt gelebt haben. In einer Zeit ohne nationale Grenzen und Landeswährungen, reichte meist die Bezeugung der Schahada und der Gebrauch der universellen Bimetallwährung, um von einer extremen Ecke der damaligen islamischen Welt in die andere zu reisen. Die aufregenden Berichte eines Ibn Batuta belegen dies eindrucksvoll. Die Muslime hätten somit auch ein Modell gerade für die westeuropäischen Gesellschaften anzubieten, die sich seit beinahe zwei Jahrzehnten bemühen, die bei ihnen lebenden Menschen, die aus anderen Kulturen und Erdteilen stammen, einzufügen. Gerade der Aufwand, mit dem in Europa z. Zt. aktuelle Debatten um den Fragenkomplex der Zuwanderung diskutiert wird, zeigt an, dass hier durchaus ein Handlungsbedarf besteht.

Also, es ist nicht die Globalisierung als solche, welche auch von immer mehr interessierten wie betroffenen Muslimen in Frage gestellt wird, sondern ihre jetzige, neoliberale Form, in der alles Existierende unter das Primat eines „religiösen“ Marktes gestellt wird, dessen Form und Symbolik die einer irrationalen Theokratie ist. An diesem Punkt treffen sich Muslime und die globalisierungskritische Bewegung. Der Ausgang dieser Begegnung ist offen und könnte wichtige Impulse hin zu einer gerechteren wirtschaftlichen Ordnung liefern.

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