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“Muslime & Globalisierung” – Pro: In Indonesien schließen sich Ulama der Regierung bei Bemühungen zum Naturschutz an. Von Dandy Koswaraputra

Gelehrte für die Umwelt

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Vis-à-vis ökologischer Probleme in dichtbesiedelten muslimischen Ländern kommen auch die ­religiösen Gelehrten des Islams nicht umhin, dieser Tatsache ­gerecht zu werden. Eine Vereini­gung von Ulama in In­do­nesien hat den Anfang gemacht. Werden andere Länder folgen?

(OnIslam.net). Muslimische Gelehrte Indonesiens haben ein Gremium für den Schutz der Umwelt gegründet. Es soll die Regierung dabei unterstützen, die Umsetzung bestehender Gesetzespakete zu gewährleisten. Umweltschützer begrüßten die Entscheidung.

„Die Einrichtung zielt auf die Steigerung der Hingabe unseres Volkes ab“, sagte Professor Hafidz Usman, stellvertretender Vorsitzender des Rates Indonesischer Ulama (MUI), am 22. Januar. Die MUI-Gelehrten gründeten das Projekt Institution zur Bewahrung der Umwelt, um der Regierung bei der Lösung ökologischer Fragen wie Entwaldung, Handel mit bedrohten Arten, Verschmutzung und Überfischung zu helfen. Eine ihrer Aufgaben besteht in der Ermutigung der muslimischen Bevölkerung, die staatlichen Gesetze zu Achtung der Natur zu respektieren. „Wir haben eine Übereinkunft mit dem Umweltminister unterzeichnet, um mit diesen relevanten Fragen fertig zu werden“, erklärte Usman, der dem neuen Gremium vorsteht.

Die MUI-Gelehrten planen außerdem, vergleichbare Übereinkünfte mit anderen Ministerien zu unterzeichnen, um die Durchsetzung von Regierungsrichtlinien zu erleichtern. Dazu gehören das Ministerium für Waldwirtschaft sowie die Behörden für Fischerei und Landschaft. „Meiner Meinung nach gehen diese Regierungseinrichtungen noch nicht im befriedigen Maße mit Umweltfragen um.“ Hafidz Usman wies darauf hin, dass zerstörerische Praktiken wie illegale Abholzung, Entwaldung, Überfischung und Missernten das Ergebnis von Misswirtschaft und falschen Vorstellungen seien. „Die Strafverfolgung ist ebenfalls schwach“, räumte Usman ein.

Indonesien ist das Land mit dem größten Waldbestand in Südostasien. Es besitzt zur Zeit 120 Millionen Hektar Regenwald, aber es kommt seit Jahren während der Trockenzeit regelmäßig zu Waldbränden. Oft kommt es dabei wegen der Rauchwolken zu Luftverschmutzung in benachbarten Ländern wie Singapur und Malaysia. Aus ökologischen Daten geht hervor, dass Indonesien – das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt – ebenfalls unter übergroßen Ausbeutung maritimer Ressourcen leidet. Hier haben zerstörerische Fischereimethoden und Vernichtung von Korallenriffen nicht nur zur Degradierung der betroffenen Ökosysteme geführt, sondern auch viele im Meer lebende Spezies geschädigt, die von jenen Lebenskreisläufen abhängig sind.

Nach den Angaben von Hafidz Usman solle es auch Aufgabe der Einrichtung sein, politische Strategien für den Umweltschutz zu entwickeln. „Unser Job beseht nicht nur in Kampagnen zur Pflanzung von Bäumen, sondern geht weit darüber hinaus“, berichtet er. „Denn die Schädigung der Umwelt leitet sich aus der Vernachlässigung der Umwelt und einer unbeschränkten Ausbeutung ab.“

Diese Initiative der muslimischen Gelehrten zum Naturschutz stieß auf Zustimmung von Umweltaktivisten. „Wir müssen sie in dieser guten Absicht bestärken“, sagte Ubaidillah Matsuri, Direktor der Naturschutzorganisation Walhi. Er schlug der MUI vor, eine umfassende Studie zu bestehenden Gefährdungen der Umwelt zu produzieren, um der Regierung wirklich effektiv helfen zu können. Indonesiens ökologische Krise steht in Zusammenhang mit seinem Bevölkerungswachstum und einer rapiden Industrialisierung. Dies habe zur Folge nach Angaben des World Wildlife Fund, dass Entwaldung und illegale Abholzung Indonesien zum drittgrößten Erzeuger von Treibhausgasen machte.

Nach Ansicht von Matsuri müsse die Initiative der muslimischen Gelehrten durch die Regierung und Umweltschützer bestärkt werden. „Ich hoffe, dass sie eine Alternative für die Lösung der Probleme ist“, erklärte er. Die UN-Organisation für Nahrung und Landwirtschaft geht davon aus, dass Indonesien zwischen 2000 und 2005 jährlich die enorme Menge von 1,87 Millionen Hektar Fläche an Regenwald verloren haben soll.

Resijati Wasito, Vize-Vorsitzender der Schutzeinrichtung für Mangrovenwälder in Jakarta, berichtete, dass die MUI-Initiative einen frischen Wind brachte und Hoffnung für die Regierung brachte, die Ausbeutung natürlicher Ressourcen zu überwinden. „Als Teil der Regierung begrüßen wir die Bemühungen und die brillante Initiative der MUI, religiöse Aspekte in die Lösung von ökologischen Problem einzubeziehen“, sagte Wasito, der auch als Polizeibeamter zur Bewahrung von Wäldern arbeitet. Angesichts der stetig wachsenden Zerstörung von Mangrovenwäldern hoffe Resijati Wasito, dass die Existenz der MUI den besten Ausweg biete.

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