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“Muslime & Globalisierung” – Pro: Muslimische Metropolen und ihre wachsende Bedeutung. Von Malik Özkan, Bremen

Städtische ­Zentren des Erfolgs

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(iz). Die Mehrheit der Weltbevölkerung lebt heute in Städten und noch größeren Megastädten. Landläufig kommen hier folgende negative Aspekte vor: Slums, Umweltverschmutzung, Bandenkriminalität und Landflucht. Aber nicht umsonst sind es heute städtische Großräume wie Istanbul, Shanghai, Mumbai oder Kairo, die zu den großen wirtschaftlichen Zonen gehören. Sie nehmen immer stärker die Rolle ein, welche die Nationalstaaten in der Weltwirtschaft im 19. und 20. Jahrhundert hatten. Und heute sind Menschen in den Metropolen über alle Unterschiede hinweg durch ihre Lebensweise mehr miteinander verbunden als die einzelnen Städter und ihr Hinterland. Ein Aufenthalt in Istanbul, Kuala Lumpur oder in den Stadtstaaten am Golf macht klar, dass die stereotypen Bilder von der „muslimischen Welt“ angesichts der immer größeren Rolle, die diese Metropolen in der Globalisierung spielen, immer brüchiger werden. Ein Blick auf Immobilienpreise im Vergleich zu Westeuropa macht dies verständlich. Und wer weiß schon, dass das muslimische Symbol Istanbul in seiner Brü­cken­funk­tion heute 75 Prozent der türkischen Wirtschaftsleistung beherbergt? Die Industrie- und Handelskammer der Stadt im Bosporus ist augenblicklich immerhin die viertgrößte der Welt.

Profile

„Klima, Arbeitskräfte, politisches Umfeld, Wirtschaftspolitik, gesetzliche Regelungen und Zugang zu Märkten, dies sind nur einige der unzähligen Variablen, welche die Geschäftsplanung beeinflussen“, schreibt der Wirtschaftsjournalist Sajjad Chow­dhry.1 Einer der Schlüsselfaktoren sei auch, wo sich eine Firma ansiedle. „Ein guter Ort gewährt Zugang zu Lieferanten, Kunden und den lokalen Märkten.“ Außerdem habe jede Firma vor Ort Vorteile vor anderen Unternehmen, die von außen in einem bestimmten Bereich agieren wollen, und sich erst zurecht finden müssen.

Muslimische Unternehmen sind, insbesondere in den sich entwickelnden Regionen außerhalb der Arabischen Halbinsel – die in Sachen Infrastruktur wegen ihrer Mischung aus enorm hoher Kaufkraft und gleichzeitig geringer Produktion an Gütern eine Ausnahmestellung einnimmt – längst nicht mehr nur bloß Einkäufer westlicher, russischer oder chinesischer Produkte. Vielmehr agieren immer mehr muslimische Geschäftsleute als Anbieter und wichtige Produzenten für einen größeren Markt.

Immer schon global

Erstellt man eine Übersicht, so ergibt sich, dass unter den 57 Mitgliedsstaaten Metropolen mit erheblicher Bedeutung und Wirtschaftsmacht zu finden sind. Anders als das Bild eines archaischen „Wüstenislam“ waren die Muslime von Anbeginn an immer schon „globalisiert“. Dies wird nicht nur in der enormen Reisetätigkeit früher muslimischer Entdecker und Erschließung alter und neuer Handelswege dokumentiert, sondern liegt auch in der Tatsache begründet, dass die fünfte verpflichtende Säule des Islam, die Pilgerfahrt nach Mekka, Muslime aus aller Welt miteinander verband und immer noch verbindet.

Beispiele

Zu den heute wichtigsten muslimischen Metropolen aus wirtschaftlicher Sicht zählen mehrere Untergruppen: Dies sind einwohnerstarke Hauptstädte wie Istanbul, Kuala Lumpur, Jakarta, Kairo, Teheran, Dhaka oder Riad. Darüber hinaus nehmen die Zentren der traditionellen Erdölproduzenten am Golf, aber auch den neuen Erzeugerländern Zentralasiens wie Baku oder Almaty eine wichtige Rolle ein. Hinzu kommen traditionsreiche und neu entstandene Handels- und Industriestädte wie Jeddah, Casablanca oder Karachi.

Ein Paradebeispiel für eine zeitgenössische muslimische Wirtschaftsmetropole ist die malaysische Hauptstadt Kuala Lumpur, die heute das unan­gefochtene wirtschaftliche und finanzielle Zentrum dieser infrastrukturstarken muslimischen Nation ist. Heute ist die Stadt ein führender Ort für Technologie, Handel und für die aufstrebende Halal-Industrie. (IZ/Dinar Standard)

1 Sajjad Chowdhry, Leading Business Cities, Dinar Standard

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