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“Muslime & Globalisierung” – Rauchlose Feuerstellen helfen Dorfbewohnerinnen in Pakistan. Von Zofeen Ebrahim, Thatta

Pro: Erleichterung für Hausfrauen

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(Terraviva). Die 40-jährige Analphabetin Sona Siddiqi hätte es sich niemals träumen lassen, dass sie zur gefragtesten Frau im pakistanischen Ramzan Kattar werden würde. Hier, im Gharo-Bezirk der Provinz Sind, 125 Kilometer entfernt vom südlichen Hafen Karachi, verdient sie ihren Lebensunterhalt mit dem Bau von Höfen aus Steingut für die Dorfbewohner.

Anders als die üblichen Öfen sind sie ein Geschenk des Himmels. Die kostengünstigen Herde mit zwei Feuerstellen helfen beim Sparen von wertvollem Feuerholz in einer Region, wo die meisten Bäume abgeholzt wurden. Sie erleichtern auch das Leben von Frauen wie Rozan Nazar, die nicht mehr täglich fünf Kilometer laufen muss, um Feuerholz zu sammeln. Durchschnittlich verbringt eine Landfrau hier wöchentlich 15 Stunden mit der Beschaffung des notwendigen Holzes. „Es kostete mich rund zwei bis drei Stunden, um das notwendige Feuerholz für einen Tag zu beschaffen.“ „Sie können sich gar nicht die Erleichterung vorstellen. Mein Leben wurde so viel einfacher.“ Die anderen Frauen nicken zustimmend. Sie können die zusätzliche Zeit nutzen, um zu sticken oder sich miteinander zu unterhalten. „Ich liebe es! Wir hatten früher niemals die Zeit dafür!“

Siddiqi erlernte den Bau der sparsamen und rauchlosen Herde von einem Team der Nichtregierungsorganisation Indus Developement Forum (IDF), welches das Dorf für eine Demonstration besuchte. „Ich habe mich freiwillig gemeldet, einen Herd zu bauen, nachdem sie ihr Beispiel zeigten“, berichtete Sona. Das war vor neun Monaten. Seitdem baute Siddiqi 16 solcher Feuerstellen. Für jeden erhält sie 50 pakistanische Rupien von der NGO. Sie benötigt rund einen halben Tag, um einen Ofen zu errichten. Dazu zählen das Graben nach der notwendigen Erde, ihre Mischung mit anderen Materialien und der eigentliche Bau der Öfen. „Es braucht drei Tage, bis ein Ofen komplett durchgetrocknet ist.“ Neben der Erde benötigt man eine hölzerne Vorlage, die von IDF gestellt wird, zwei leeren Metalleimer, eine leeren Plastikflasche sowie ein Tonrohr, dass als Kamin funktioniert.

Für jede dieser Feuerstellen braucht man 15 Kilo Erde, die mit Spreu aus Reis, Weizenstroh und Eselsmist vermischt wird, erläuterte Javed Shah, Erfinder des rauchlosen Ofens. „Dabei handelt es sich nicht um Raketenforschung“, erklärte der technische Berater in einer NGO, die sich um die Verbesserung der Lebensbedingungen von Dorfgemeinden kümmert.

Shah entwickelte die Idee für energieeffiziente Metallöfen in den nördlichen Gebieten Pakistans im Jahre 1985. „Probleme wie Asthma und Augeninfektionen unter Frauen und Kindern in der Gegend waren riesig. Wir erkannten, dass dies am Rauch und am Ruß lag.“ Natürliche Brennstoffe – Holz, Pflanzenreste und Mist – kommen in vier Fünftel der pakistanischen Haushalte zum Einsatz. Sie sind die Hauptquelle für Luftverschmutzung innerhalb der Häuser, wo sie zum Kochen, Heizen und zur Beleuchtung benutzt werden.

1987 erkannte Shah, als er in Dörfern des Küstengebiets von Sind arbeitete, dass die dortigen Landfrauen die gleichen Probleme hatten. „Aber das Wetter erlaubte nicht den Einsatz von Metallöfen. In diesen Dörfern wird es im Sommer sehr heiß“, berichtete der Ingenieur. Und so sei ihm die Idee für die Verwendung von lokaler Erde für den Bau der Feuerstellen gekommen. „Es ist uns gelungen, 890 solcher Herde in den 15 Dörfern von Gharo zu bauen“, so Hameed Sabzoi, der IDF-Direktor.

Noor Khatun, eine 40-jährige Hausfrau und Mutter von vier Kindern, zieht den neuen Herd vor: „Es geht im Vergleich zum traditionellen Ofen schneller, bis das Essen fertig ist.“ Außerdem schmeckte das Essen besser, insbesondere die Rotis.

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