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“Muslime & Globalisierung” – Russland: Das muslimische Tatarstan ist von wachsender wirtschaftlicher Bedeutung. Von Orhan Wadvalla

Der Blick nach Osten

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Der Fokus der globalen Wirtschaft verschiebt sich – insbeson­de­re nach Beginn der Finanz­krise – nach Osten. Gerade muslimische Volkswirtschaften und Unternehmer sind darauf ange­wiesen, dieser Entwicklung verstärkt Rechnung zu tragen.

(TL). Der Kollaps der Wallstreet-Bank Lehman Brothers im September 2008 markierte einen Wendepunkt im globalen Finanzwesen – wie auch der allgemeinen Weltwirtschaft. Sie markierte das Ende einer Sache. Für verständige Geschäftsleute ist dies ein Hinweis darauf, dass ihre bisher üblichen Geschäftsmethoden, die Bereiche ihrer bisherigen Aktivitäten und die Geschäftsmechanismen auf die sie sich bisher verließen, im Niedergang begriffen sind. Kein Geschäft kann länger auf die gleiche Art und Weise betrieben werden, wie es früher der Fall war. Wir leben in einer Zeit, in der ein Szenario verschwindet und ein neues an seine Stelle tritt. Wohlstand liegt im Finden neuer Wege, Geschäfte zu betreiben.

Warum ist Tatarstan für uns hier von Interesse? In der Vergangenheit war das Wirtschaftsmantra, sich nach Westen auszurichten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts inspirierte der einflussreiche Redakteur und Gründer des New York Tribune tausende junger Amerikaner, sich auf den Weg in die neuen Gebiete im Westen zu machen. Später fanden viele Europäer in den 1920er Jahren auf der Suche nach wirtschaftlichen Wirklichkeiten ihren Weg nach Amerika.

Mittlerweile erkennen kluge Geister, dass die Zukunft neuen Wohlstands auf jene wartet, die nach Osten blicken. China und der Indische Subkontinent sind zweifelsohne die Wirtschaftszonen der Zukunft. Aber auch Zentralasien darf hierbei nicht übersehen werden. Dazu zählen die „Stans“ in Russland und der GUS-Staaten: Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Tatarstan, Turkmenistan und Usbekistan. Unter all diesen ist das tatarische Gebiet – mehr noch als Usbekistan und Kasachstan – die industriell und infrastrukturell führendste Region.

Die Republik Tatarstan ist ein Mitglied der Russischen Föderation. Zwischen den Flüssen Wolga und Kama gelegen, ist sie noch Teil Europas und liegt 850 Kilometer östlich von Moskau. Ihre Hauptstadt Kazan zählt zu den größten Ballungsgebieten Russlands. Rund 65 Prozent der 3,8 Millionen Einwohner Tatarstans sind Muslime.

In wirtschaftlicher Hinsicht ist es das industrielle Herzland der Russischen Föderation und eine der wirtschaftlich entwickeltsten Regionen. Tatarstan verfügt über eine starke und vielfältige Industrie, ein hohes intellektuelles Potenzial und qualifizierte Arbeitskraft. Die Ökonomie beruht auf Industrie und Landwirtschaft. Das wichtigste Exportgut Russlands sind Energieträger und petrochemische Erzeugnisse. Sie sind der dominante Wirtschaftszweig Tatarstans: die Erdölförderung, synthetisches Gummi, Polyethylen und andere Erdölprodukte. Die Region ist der größte Produzent von Mineralölprodukten innerhalb Russlands.

Im gesamtrussischen Vergleich liefert Tatarstan 7 Prozent des gesamten Rohöls, 38 Prozent des synthetischen Gummis, 43 Prozent des gesamten Polyethylens, 31 Prozent aller Autoreifen, 24 Prozent aller Lieferwagen, 3 Prozent aller Automobile und 11 Prozent der Waschmaschinenproduktion. Der LKW-Produzent KAMAZ ist bekannt für seine beherrschende Position bei der Rallye Paris-Dakar in der Sektion für Trucks, die KAMAZ neun Mal gewinnen konnte. JSC KAMAZ belegt den elften Platz ­aller weltweiten LKW-Produzenten und ist Nummer acht bei den Herstellern von Dieselmotoren.

Die Hauptstadt Kazan ist reich an Kultur und Geschichte. Vor wenigen Jahren feierte sie ihren tausendsten Geburtstag. Die etwas mehr als eine Million Einwohner umfassende Stadt beherbergt Produzenten von Hubschraubern, Flugzeugen, medizinischen und optischen Ausrüstungen, Reinigungsmitteln und Medikamenten. Darüber hinaus ist die Universität Kazan nach Moskau und St. Petersburg die drittwichtigste Hochschule Russlands.

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