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“Muslime & Globalisierung” – Verschiedene Faktoren: Das globale Lebensmittelgeschäft hat schwer wiegende Folgen. Von Malik Özkan

Profite trotz Hunger

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Seit mehr als 50 Jahren ist der weltweite Hunger eine ­ungelöste Menschheitsaufgabe. Angesichts von Lebensmittelspekulationen, grenzübergreifendem Landerwerb und mächtigen Su­per­­markt­ketten ist eine Lösung in weite Ferne gerückt.

(IZ/Agenturen). Obwohl seit Jahren darüber geredet wird, sind die Vereinten Nationen und die ihnen an­ge­schlossenen, relevanten Einrichtun­gen de facto mit der Einhaltung ihrer „Milleniumsziele“ (MDGs) gescheitert. Eines dieser vor Jahren beschlossenen MDGs war eine nachhaltige und wesent­liche Verringerung des globalen Hungers. Angesichts der bleibenden Schwäche der Vereinten Nationen ist es fraglich, ob sich diese jemals umset­zen lassen. Und das, obwohl der UN-Hun­gerbe­auftragte Jean Ziegler den Skan­dal Welthunger als „ökonomische Massenvernichtung“ bezeichnete.

Bei Experten und internationalen Einrichtungen herrscht Uneinigkeit darüber, was augenblicklich die entscheidenden Faktoren dafür sind, dass zur Zeit eine Milliarde Menschen weltweit hungert und eine weitere Milliarde von akuter Mangelernährung bedroht ist. Von öko­logischen und politischen Faktoren einmal abgesehen gelten drei Bereiche als entscheidend dafür, dass bei vielen Menschen keine ausreichende Basis für eine nachhaltige alltägliche Ernährung vorliegt. Diese sind kurz gefasst die Spekulation auf den weltweiten Lebensmittelmärkten, die mittlerweile dominante Marktmacht international operierender Handelsketten für Lebensmittel sowie das neuartige Phänomen des quasi-staatlichen Erwerbs landwirtschaftlicher Anbauflächen durch Drittstaaten oder durch internationale Unternehmen (engl. „Land Grab“). Der letztere Punkt wurde vom UN-Funktionär Diouf als neue Form des Kolonialismus bezeichnet.

Anfang September veröffentlichte die Weltbank einen lange erwarteten Bericht über den Landerwerb in den Ländern des globalen Armutsgürtels. Der Erwerb von umfangreichen Bereichen fruchtbaren Landes in Afrika durch ausländische Regierungen und Firmen, die angesichts unruhiger Märkte bezahlbare Lebensmittelquellen sichern wollen, hat internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Vor einiger Zeit erwarb das südko­reanische Unternehmen Daewoo mehr als eine halbe Million Hektar Land auf der ostafrikanischen Insel Madagaskar. In dem am 8. September veröffentlichten Bericht der Weltbank wird nüchtern festgestellt, dass in betroffenen Regionen und bei entsprechenden öffentlichen Einrichtungen ein Mangel an Wissen vorherrscht, um dieses Phänomen zu kontrollieren. Die Weltbank schätzt, dass es im Jahre 2009 zu Abschlüssen über rund 45 Hektar Anbauflächen kam. Sie geht davon aus, dass „angesichts unsicherer Lebensmittelpreise, wachsendem menschlichem und ökologischem Druck und Ängsten um die Sicherheit der Lebensmittelversorgung“ das Interesse an dieser neuartigen Methode noch steigen werde. Anfang September ist es in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo zu Toten und Verletzten bei Unruhen gekommen. Diese entzündeten sich an gestiegenen Brotpreisen.

Seit Mitte des Jahres ist zu einem durchschnittlichem Anstieg globaler Weizenpreise gekommen. Ende Septem­ber kam es in den Niederlanden zu ­einem hochkarätigem Meeting zum Thema. Prof. Jan-Douwe van der Ploeg sieht inter­nationale Discounter, Einzelhandelsketten und Produzenten wie Ahold, ALDI, Nestle – laut Ploeg „Lebensmittel­imperien“ – als Hauptverursacher des welt­weiten Hungers an.

Laut van der Ploeg handle es sich weniger um eine Lebensmittelkrise als vielmehr um eine landwirtschaftliche. Bauern müssten immer härter arbeiten, um überleben zu können. „Dies ist ein Paradox, denn die Verbraucherpreise steigen immer mehr.“ Die Differenz gehe an eben jene „Lebensmittelimperien“. Diese dominierten immer häufiger Anbau, Verarbeitung, Vertrieb und Verbrauch von Lebensmitteln. „Diesen Imperien gelingt es, Märkte zu beeinflussen und Reichtum aus der Landwirtschaft zu pressen.“

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