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“Muslime & Globalisierung” – Viele Mitgliedsländer der Organisation der Islamischen Konferenz leiden unter Korruption. Von Rafi-uddin Shikoh & Mubasshir Mushtaq

Contra: Ein Gift für die Wirtschaft

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Der harte globale Konkurrenzkampf setzt sich auf einer kleineren Ebene auch in den einzelnen Ländern – insbesondere den ärmeren – fort. Zu den daraus resultierenden Verfallserscheinungen zählt eine überall verbreitete Korruption.

(DinarStandard). Das Zeitalter von Wikileaks, ­so­zialen Netzwerken und Al Jazeera half in Tunesien, Ägyp­ten und anderswo, die Unzufriedenheit der Bürger zu galvanisieren. Korrup­tion – in all ihren Formen – wurde zu einem der wichtigsten Gründe für schwer­wiegende Ungerechtigkeiten in ihren ­Gesellschaften, wenn nicht gar deren Grundursache.

In unserer Studie („Corruption in Mus­lim Markets“) untersuchten wir ­Kor­ruption in den 57 Ländern der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC). Insbesondere konzentrierten wir uns dabei auf die Geschäftswelt, ihre Praxis oder Umwelt der Korruption, aber auch darauf, wie deren krebsartige Auswirkungen eingeschränkt werden können. Das Geschwür der Korruption hat Volkswirtschaften und Gesellschaften der OIC schon zu lange verkrüppelt. Vielleicht sind die jüngsten Aufstände in Tunesien, Ägypten und jetzt Libyen ein Grund zur Hoffnung. Sie deuten möglicherweise darauf hin, dass die Leute nicht nur von einem politischen Wandel getrieben sind, sondern auch vom Wunsch zum Wechsel in der Ökonomie.

Transparency International (TI) ist eine global agierende NGO, die sich dem Kampf gegen Korruption widmet. Sie definiert die Bestechlichkeit als Missbrauch von anvertrauter Macht zum privaten Nutzen. TI unterhält weltweit mehr als 90 Zweigstellen und ein internationales Sekretariat in Berlin. In dem TI-Index gelten 51 der 57 OIC-Staaten als „korrupt“. Davon gelten 38 als schwerwiegend korrupt. Dieser Index ist ein gutes Erkenntniswerkzeug, um den Stand von Bestechlichkeit in verschiedenen Ländern zu messen.

Im TI-Bericht werden 178 Länder abgehandelt. Dazu zählen Bestechlichkeit von Beamten, Bestechungsgelder bei öffentlichen Aufträgen, Unterschlagung öffentlicher Gelder sowie eine Untersuchung zur Stärke und Effektivität staatlicher Antikorruptionsmaßnahmen. Zu den „saubersten“ muslimischen Ländern zählen unter anderem Katar (Indexplatz 19), die Vereinigten Arabischen Emirate (28), Brunei (38), Oman (41) und Bahrain (48). Schlusslichter sind erwartungsgemäß Sudan, Turkmenistan, Usbekistan, Irak, Afghanistan und Somalia. Unter den großen OIC-Staaten erhalten Indonesien, Pakistan und Iran ebenfalls ein sehr schlechtes Zeugnis.

Dieser Index betrifft ausschließlich den öffentlichen Sektor. Er dient aber als ein bedeutender Indikator für strukturelle Korruption, die gleichfalls in der Privatwirtschaft vorhanden ist. Dies ist insofern von Bedeutung, weil in vielen OIC-Staaten Regierungen eine wichtige Rolle bei den Unternehmen spielen. Die am stärksten als „korrupt“ geltenden Sektoren sind jene, die in Händen staatlicher Machthaber liegen. In Pakistan beispielsweise gilt die Polizei als die korrupteste Einrichtung überhaupt. Ihr folgen die Stromversorgung und das Büro für Landesverwaltung als die bestechlichsten öffentlichen Einrichtungen. In der Geschäftswelt, so der TI-Abschnitt über Pakistan, gilt das Bauwesen (wie in vielen anderen Ländern auch) als größter Empfänger und Geber von ­Bestechungsgeldern. Diese Einschätzung wurde bekräftigt durch eine globale Untersuchung jener Industriezweige, die am meisten verfilzt sind. Eine vergleichbare Studie über Indonesien hatte ergeben, dass die Polizei, Zollbehörde und Einwanderungsbehörden die wichtigsten Empfänger von Bestechungsgeldern sind.

Betrachtet man die verschiedenen Arten von Bestechlichkeit, so ist es angemessen zu sagen, dass hier „böse Genies” am Werke sind. Ihre Folge ist katastrophal für das Leben und Einkommen vieler Menschen. Korruption kann sowohl in kleinem und auch in großem Maße auftreten. Zu ihrer geringeren Form zählen üblicherweise kleine Geldmengen – darunter Bestechungsgelder. Allerdings haben gerade die „kleinen Bestechungen“ einen verheerenden Einfluss auf den Alltag in ärmeren Ländern, weil sie zumeist von den einfachen Menschen verlangt werden. Dazu zählen Handgelder in Krankenhäusern oder bei Behörden, um normale Dienstleistungen in angemessener Form und Zeit zu erhalten.

Diese sind auch dem Fakt geschuldeten, dass die meisten öffentlichen Angestellten in den wenigsten Ländern ausreichend verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Die „große Korruption“ hingegen ist wesentlich gefährlicher. Hier treffen politische und geschäftliche Entscheidungen auf den Entwurf und die Umsetzung von Projekten. Ganze Vorhaben können so durch den Filz beeinträchtigt werden.

Die wichtigsten Formen der Bestechlichkeit lassen sich so zusammenfassen:
• Vetternwirtschaft: Bevorzugung bestimmter Personen.
• Bestechung: Schmiergelder sind die häufigste Form der ­Korruption.
• Unterschlagung: Dabei handelt es sich um Diebstahl öffentlicher Mittel.
• Betrug: Insiderhandel, Geldwäsche, frisierte Bücher, Preisabsprachen etc.
• Erpressung: Drohung zur Erzwingung von Gefälligkeiten.

Diese Kernelemente der Korruption sind umgeben von einer Grauzone wie der Vergabe von Geschenken oder Spesen, die nur schwer durch Gesetze, aber durch funktionierende soziale Normen einzuschränken ist.

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