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Muslime sind in vielen Dingen – guten wie schlechten – wie alle andere, meint Sulaiman Wilms

Kommentar: Unsere Kleingärtner

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(iz). Wer behauptet, Muslime in Deutschland ­seien hier „noch nicht angekommen“ beziehungsweise sie fühlten sich mit ihrer Heimat nicht verbunden, der mag populistisch Stimmungen einfangen, er oder sie geht aber an der Wirklichkeit vorbei. Dieser „talking point“ ignoriert vor allem auch die alltägliche, ­quasi für die Islamberichterstattung unsichtbare Verhaltensweise, welche die Mehrheit der deutschen Muslime mit ihren Landsleuten verbindet – im Guten wie im Schlechten.

Eine Lektüre der beiden zutiefst erhellenden Bücher von Martin Hecht über „Deutsche Unsitten“ gibt einen amüsanten wie anrüh­renden Blick auf Traditionen, die als spezifisch deutsche bezeichnet werden könnten. Dass es Hecht dabei nicht nur um die ­Unsitte geht, Tennissocken mit Sandalen zu kom­bi­nieren, ist wichtig anzumerken.

Und so wird durch einen gutmütigen Blick auch auf uns selbst deutlich, dass wir in so vielen Dingen unseren nichtmuslimischen Landsleuten ähn­licher sind, als viele glauben. Dazu gehört auch eine Einstellung, die sich als Verwandtschaft zum stereotypen Klein­gärtner beschreiben ­lässt: Emsig bemüht, das eigene zu schützen, und mit einem teils eifer­süchtigen, teils oberlehrerhaften Blick auf die Verfehlungen anderer. Aber anders als beim klassischen Kleingärtner geht es dabei nicht nur um die Höhe einer nachbarlichen Hecke, sondern durchaus auch um große Fragen.

In den diversen Internetforen und Emailver­teilern wird gerade von randständigen Figuren der Eindruck erzeugt, sie hätten irgendeine Autorität, andere zu korrigieren oder gar anzugreifen. Darüber hinaus – ein weiterer Vorteil des geringem Aufwands – präsentieren sie sich als die eigentlichen Repräsentanten des Islam. Und zwar jedes Mal, wenn die „anderen“ etwas machen, das ihnen nicht gefällt. Mit großem moralisisierenden ­Pathos werden hier mehr oder weniger wichtige ­Fragen aufgegriffen und unabhängig davon, ob die verwendeten Argumente stimmen, dient dieses Vorgehen vor allem der Verbesserung der eigenen Reputation.

Dabei bleibt nicht nur allzu oft die Wahrheit auf der Strecke, sondern auch Funktionalität und Gemeinschaftlichkeit der muslimischen Community in Deutschland. Anstatt akzeptable Kompromisse angesichts divergierender Ansichten hinzunehmen, um sich – schlicht gesprochen – zu begegnen, kommt er wieder hervor, der spießige Kleingärtner. Und er wacht über seine Hecke und schimpft über seinen Nachbarn. Ach ja, die Gartenzwerge dürfen auch nicht fehlen.

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