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“Muslime und Globalisierung” – Sind Alternativen auf dem Bankensektor möglich? Von Malik Özkan

Globalen Trend verpasst?

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(iz/Agenturen). Angesichts der Diskrepanz zwischen Eröffnung des nun größten Hochhauses der Welt und der anhaltenden Negativmeldungen der Finanzwelt am Persischen Golf wird auch die seit Jahren unter Muslimen hoch gehandelte Option des „Islamic Banking“ in Frage gestellt. Die „Welt“ – die künstliche Inselgruppe vor der Küste Dubais – wurde auch durch die Ausgabe von Anteilen im Rahmen des „islamischen ­Fi­nanzwesens“, der Sukuk, ermöglicht.

Sukuks unterschieden sich von traditionellen Anteilen darin, dass sie keine Zinsen abwerfen. Sie räumen ihrem Besitzer Eigen­tumsrecht ein und Ansprüche auf Einkommen aus den zugrunde liegenden Vermögenswerten. Nach Aussage von Badih Khatib, einem leitendem Manager am Arab Finance House, gegenüber der Nachrichtenagentur IPS bestand das Problem unter anderem darin, dass Anleger dachten, dass diese von der Regierung garantiert seien.

Am 30. November des letzten Jahres hat die federführende Immobilienfirma Nakheel eine Einstellung des Handels mit ihren Sukuks beantragt. Dazu zählten drei Arten dieser Anteilsscheine in einem Umfang von 3,5 Milliarden US-Dollar, die am 14. Dezember fällig gewesen wären. Anleger waren alarmiert, als das Finanzministerium von Dubai ankündigte, es werde nicht für die 59 Milliarden US-Dollar Schulden bürgen, die vom staatlich kontrollierten Konglomerat Dubai World angehäuft wurden. Nach Bekanntgabe dieser Nachricht fielen die Aktienkurse relevanter Immobilienunternehmen am Golf. Abdulrahman Al-Saleh, Leiter der Finanzbehörde, sagte im staatlichen Fernsehen: „Es ist wahr, dass die Regierung der Besitzer ist. Aber da die Firma verschiedene Aktivitäten hat und verschiedenen Arten des Risikos ausgesetzt ist, war die Entscheidung seit ihrer Gründung, dass die Regierung nicht für das Unternehmen bürgen wird.“

Glücklicherweise wurde Dubai vom reicheren Nachbarn Abu Dhabi geholfen, das zehn Milliarden US-Dollar im Voraus anwies, um fällige Schulden zu bezahlen. Die Schuldenkrise des Emirats in einem Umfang von rund 90 Milliarden US-Dollar ist für viele ­Anlass für Überlegungen, wonach das von vielen befürwortete „islamische ­Bankenwesen“ nicht immun gegenüber der Finanzkrise sein könne.

Die Krise der Sukuks beleuchtete die Tatsache, dass die „islamischen Institutionen“ genauso verletzlich gegenüber der Finanzkrise waren. „Ich glaube, dass Investoren – wie anderswo auch – in der Pflicht stehen, wichtige Faktoren in Betracht zu ziehen. Dazu zählen Kredit- und Marktrisiken“, unterstrich Khatib gegenüber IPS. Offenkundig bleibt – auch wenn die Krise zu einem Ende kommen sollte – jedoch die Tatsache, dass sich „islamische“ Bankiers darin nicht von ihren konventionellen Kollegen unterschieden. Beide ignorierten den Spekulationswahn, der Dubai im Sturm ergriff und der auch zu massiven Verlusten für viele Sukuk-Besitzer führte.

Auch wenn die „islamischen Banken“ sich nach eigenen Angaben beim riskan­tem Schuldenhandel und den „Derivaten“ heraushielten, dessen Fehlerhaftigkeit im Rahmen der US-Hypothekenkrise deutlich wurde, dürfte ihre Verbindung mit dem Rest der globalen Finanzwelt unbestritten sein. Vor allem dann, wenn dem Problem des Geldes keine oder nur sekundäre Beachtung geschenkt wird. Insofern ist es berechtigt, nachzufragen, was – außer der Weigerung, in islamisch nicht zu rechtfertigende Sparten zu investieren – das „alternative“ daran sein soll?

Neben grundsätzlichen Überlegungen drängt sich der Eindruck auf, dass Wortführer des Modells, die nach dem offenkundigen Strukturfehler der jetzigen Finanzordnung noch vollmundig von einer Krisenfestigkeit ihres Systems sprachen, den globalen Trend schlicht und einfach verschlafen haben. Zumindest aber in der Gefahr sind, den globalen Anschluss zu verlieren.

Es zählt zu den historischen Ironien der letzten Jahrzehnte, dass die lautesten Forderungen nach wirklichen alternativen Zahlungsmitteln und ökonomischen Modellen nur selten aus der muslimischen Welt kamen. Und auch der offen­kundige Trend auf globaler Ebene zu Gold und anderen Edelmetalle als Wertsicherung für immer mehr an Wert ­verlierenden Währungen, scheint – von einigen nennenswerten Ausnahmen ­abgesehen – in der muslimischen Debatte über Geld und Währungen immer noch nicht angekommen zu sein.

Im deutlichen Kontrast dazu steht die weltweite Nachfrage nach Gold. So belegt ein Artikel von David Lew auf „Commodity Online“, dass China mit angestrebten 10.000 Tonnen innerhalb der nächsten zehn Jahre die weltgrößten Goldreserven anlegen will. Und auch in den USA hat die große Konsumentennachfrage nach der beliebten Goldmünze „American Eagle“ dazu geführt, dass die ausgebende US-Prägeanstalt Ende letzten Jahres deren Verkauf für einige Wochen suspendieren musste. Der Analyst Tarek Saab („The Crash, Cash & Gold“) merkte zu diesem Thema an: „Uns bleibt nichts anderes übrig als das Gold … Gold ist ­König, unabhängig vom Marktpreis (…) Gold ist wahres Geld und daher ist eine Fiat-Währung kaum das Papier wert, auf dem sie gedruckt wurde (…).“

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