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Muslimische Lebenspraxis

‘Adhan - Der Ruf zum Gebet

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Wer das Glück und die Gelegenheit hat, sich zeitweise in einem muslimischen Land aufzuhalten oder eine Metropole wie Istanbul zu besuchen, der kann fünf Mal am Tag erleben, wie sich die Stimme hunderter Gebetsrufer (Mu’adhdhins) erhebt, um die Gläubigen zum verpflichtenden Gebet – wenn möglich in Gemeinschaft – aufzufordern. Begonnen mit der prophetischen Gemeinschaft in Medina, haben sich die Muslime zu allen Zeiten und an allen Orten bis heute daran gehalten, wenn es auch im Westen, wo Muslime nur ein Teil einer multi-kulturellen und multi-religiösen Gesellschaft sind, eher ungewöhnlich ist, wenn die Gläubigen zum Gebet in die Moschee gerufen werden.

Obwohl es dabei mindestens zwei unterschiedliche Traditionen (in Nordafrika und in Westafrika einerseits, die sich direkt auf Medina beruft, und im Rest der muslimischen Welt andererseits) in der Ausführung des ‘Adhans gibt, ist das grundlegende Verständnis des Gebetsrufes vergleichsweise einheitlich. Ob von Minaretten, von Dächern, aus Lautsprechern oder aus den Kehlen der Gebetsrufer – der ‘Adhan ist untrennbarer Bestandteil der fünf täglichen Pflichtgebete. Übereinstimmung bei Muslimen herrscht darüber, dass es der schwarze Prophetengefährte Bilal war, der mit Zustimmung des Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, die Muminun vom Dach der Prophetenmoschee zum Gebet aufrief.

Der ‘Adhan ist ein Ruf, der aus einer Serie von festgelegten Sätzen besteht, und seine Funktion ist es, darauf aufmerksam zu machen, dass die Zeit zum Gebet erreicht wurde. Es ist eine deutlich betonte Sunna, dass der ‘Adhan in jeder Moschee und jedem Gebetsraum gerufen wird, selbst wenn es in unmittelbarer Nähe eine andere Moschee geben sollte.

Der ‘Adhan gilt als eine dieser bestärkten Sunnas (Mu’akkada), wenn die folgenden fünf Bedingungen erfüllt worden sind:

• Dass er gerufen wird, um ein gemeinschaftliches Gebet zu verrichten, unabhängig davon, ob die Gemeinde reist oder nicht.

• Dass die Gruppe, die den ‘Adhan gibt, es mit der Absicht tut, andere für das Gebet zu sammeln.

• Dass das Gebet, für welches der Gebetsruf verwendet wird, ein verpflichtendes ist – weder ein freiwilliges, noch ein ‘Id-Gebet.

• Dass das Gebet, für welches der ‘Adhan gerufen wird, eine „festgesetzte Zeit“ hat, wie die fünf täglichen Gebete. Gebete wie das Totengebet und verpasste Gebete, auch wenn sie verpflichtend sind, haben keine „festgesetzte Zeit“, und daher wird kein Gebetsruf für sie verrichtet. Beim Totengebet ist dessen Zeit nicht bekannt oder festgesetzt, bis eine Person stirbt. Im Falle von nachzuholenden Gebeten wird ihre Zeit dadurch bestimmt, dass eine Person sich daran erinnert. Sie muss dieses Gebet dann unverzüglich ohne Verzögerung beten.

• Dass die Zeit, in welcher der ‘Adhan gegeben wird, die Ikhtijari-Zeit ist und nicht die Daruri-Zeit.

Empfehlenswert ist der Gebetsruf für eine Gruppe oder eine einzelne Person, wenn sie sich bemüht, dadurch andere zum Gebet zu bringen.

Zu den unbeliebten Anlässen für den ‘Adhan zählen:

• Wenn eine Person alleine ist und sich nicht auf einer Reise befindet.

• Im Falle einer geschlossenen Gruppe, die durch den ‘Adhan niemanden anderen zum Gebet rufen will. Die Studenten einer Qur’anschule oder die Einwohner eines Privathauses, könnten unter diese Kategorie fallen. Die Ausnahme dafür ist, wenn die Mitglieder dieser geschlossenen Gruppe so sehr räumlich verteilt sind, dass der ‘Adhan notwendig ist, sie zusammenzubringen. In diesem Fall wird der ‘Adhan zu einer Sunna.

• Für verpasste Gebete.

• Für ein Gebet, dessen Daruri-Zeit eingetreten ist.

• Für ein Totengebet.

• Für freiwillige Gebete, wie die Feiertagsgebete, das Regengebet oder das Gebet der Sonnenfinsternis.

Verpflichtend wird der ‘Adhan im Sinne einer gemeinschaftlichen (Kifaja) Verpflichtung für Leute einer Stadt. Wenn ein Teil der Einwohner in dieser Stadt den ‘Adhan ruft, dann sind die restlichen Muslime dieser Pflicht enthoben. (Sulaiman Wilms/Muhammad Al-’Arabi Al-Qarawi)

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