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Nach dem Ramadan ist vor dem Ramadan

Warum das Ende des Fastenmonats ermutigen sollte

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Foto: Fauzia Nurhana, Deviantart

(IZ). Kaum hat man die erste Nacht des gesegneten Fastenmonats erlebt, naht auch schon das Ende. Man könnte sagen, Ramadan ist das Fallbeispiel für die Relativität der Zeit. In Deutschland, Österreich und der Schweiz fastet man im Mai durchschnittlich 18 Stunden. Eine lange Zeit, und doch irgendwie nicht. Wenn man bedenkt, dass man dann nach 18 Minuten gänzlich satt sein kann.

Ähnlich verhält es sich mit dem Gefühl des Monats, der sprunghaft sein letztes Drittel einleitet. Jenes letzte Drittel, aus dessen Nächten man das Beste rausholen möchte. Und plötzlich sind die Stunden wieder lang. Oder sagen wir, sie sind genug. Das Nachtgebet, das sonst etwa zehn Minuten dauert, zieht sich hier über eine Stunde hin und doch wirkt die Nacht noch jung. So jung, wie sich jeder Fastende fühlt, wenn er merkt, wozu er imstande ist.

Über 300 Tage im Jahr mag man an der Selbstbeherrschung scheitern, aber nur ein Zehntel dieser Zeit ist nötig, um Disziplin zu einer erstrebten Alltäglichkeit zu machen. Das Potenzial des Wandels wird in der Konzentration der Gottesdienste gebündelt und entfaltet sich in einem eigentlich so kurzen Zyklus. Im Grunde genommen ist das, was im Ramadan an Gebeten hinzukommt, relativ gering. Und doch ist die Wirkkraft enorm. Manch einer, der seine Sinne nur selten mit dem Qur’an in Verbindung bringt, rezitiert ihn in seiner Gesamtheit in dieser kurzen Zeit. In Taten wie diesen manifestiert sich der Geist jenes segensreichen Monats.

Allah gibt uns erleichterte Rahmenbedingungen, unsere Fähigkeiten zu schulen und die bestmöglichen Leistungen abzurufen. In keiner anderen Zeit überraschen wir uns selbst so sehr. Sei es ein Fastentag unter glühender Sonne oder ein Arbeitstag mit enormen Aufgaben, sei es eine Prüfung in der Schule oder Universität oder ein längerer Weg, den wir auf uns nehmen müssen – die Grenzen des Machbaren werden meistens um einiges verschoben. Aus dieser eigentlich so kurzen Zeit lässt sich so vieles mitnehmen.

Wir verabschieden Ramadan mit einer vorauseilenden Sehnsucht. Besonders, weil wir wissen, dass es dem restlichen Jahr an diesem gewissen Zauber fehlt. Nur ist die Lehre dessen doch, dass wir das, was wir im Ramadan erfahren, erleben und erlernen konnten, unserem Herzen auch für das restliche Jahr mitgeben. Gerade, weil wir befreit sind und Platz für Neues in uns haben. Denn Allah verspricht, dass denjenigen, die den Ramadan aufrichtig fasten, alle vorangegangenen Sünden vergeben werden.

Uns wird als Abschiedsgeschenk die Bedeutung des Namens Allahs Al-`Afu, der Allvergebende, demonstriert, mit Einfluss auf das restliche Jahr, ja das restliche Leben. Wenn mit der Lailat ul-Qadr, der Nacht der Bestimmung, selbst eine einzige Nacht innerhalb jenes segensreichen Monats die Wirkkraft hat, unser folgendes Schicksal zu beeinflussen, zeigt sich nur umso mehr, dass die Quintessenz der Erfahrung ist, dass nicht das Maß der Zeit entscheidend ist, sondern was man aus dem, was sie enthält, entnehmen kann. Ramadan gibt uns viel. Mögen wir es mit Allahs Erlaubnis mitnehmen, behüten und im nächsten Ramadan mit mehr ergänzen.

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