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Nach der Kaperung: Manche erwarten veränderte Lage in der Region. Von Sulaiman Wilms

Das Ende einer Allianz

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(iz). Unabhängig davon, wie sich die humanitäre Lage in Gaza (der Anlass für die Entsendung des Konvois) entwickelt, ist es nach Ansicht nahöstlicher Beobachter nicht unmöglich, dass sie die geopolitische Lage ­anders gestaltet. In einem Beitrag für die „Inter­national Herald Tribune“ hatte der türkische Abgeordnete Suat Kiniklioglu, stellvertretender Vorsitzender des außenpolitischen Parlamentsausschusses, auf die mittelfristigen Folgen des ­israelischen Vorgehens verwiesen.

Der Nahe Osten stehe vor einer ­Weichen­stellung. Hier würden die USA durch ihre Reaktion auf das israelische Vorgehen beeinflussen, welche Richtung die Region einschlagen werde. Das sei ­angesichts der Spannungen um das ­irani­sche Nuklearprogramm, der Lage im Irak und des Kriegs in Afghanistan von überragender Bedeutung. Die Antwort der internationalen Gemeinschaft „und – wesentlich wichtiger, die der USA -“ auf die unverhältnismäßige Gewalt ­seitens Israel sei ein Test für die US-Glaubwürdigkeit im Nahen Osten. ­Gemeinsam mit der EU, der UN und der Welt­öffentlichkeit hätten die USA „eine moralische Verpflichtung“, die ­israelische Gewalt zu verurteilen.

Der neo-konservative Kopf des Thinktanks „Stratfor“, George Friedman, bezeichnete in seinem Beitrag direkt nach der Erstürmung des von der türkischen Hilfsorganisation IHH organisierten Konvois die Lage als Super-GAU für die israelische Öffentlichkeitsarbeit. Es werde entscheidend für einen Erfolg Israels sein, so Friedman, „dass Israel Erfolg bei der Beschreibung des Gaza-Konvois als extremistischer Verschwörung haben muss“. Ob dieser tatsächlich extremis­tisch sei oder nicht, spiele keine Rolle. Entscheidend sei, dass dies ein Image ­geschaffen habe, das den politischen ­Interessen Israels schweren Schaden ­zufüge. Es sei schwierig, sich Umstände vorzustellen, „in denen die öffentliche Meinung Israel als Opfer sehen wird“.

Allerdings bleibt vollkommen offen, ob sich die israelische Führung überhaupt von internationalen Protesten und einem negativen Image beeinflussen ­lassen wird. Bisher zeigte sie sich relativ resis­tent gegen verbale Kritik an ihrem Vorgehen gegen Gaza.

Der Vorfall zerstörte allerdings die zeitweise guten Beziehungen zur ­Türkei. Das Land war mit seiner lang anhal­tenden militärischen Kooperation ­his­to­­­risch ein israelischer Verbündeter in der muslimischen Welt. Das jüngste isra­elische Vorgehen gestalte einen Bruch mit Israel nicht nur einfach, sondern­ mache ihn geradezu zu einer Notwendigkeit für Ankara, so die Einschätzung Friedmans. Die Aktion zum Bruch der Gaza-Blockade sei wesentlich effektiver als Selbstmordanschläge oder die Inti­fada gewesen, „da sie das Image Israels und somit seine geopolitische Position herausfordert“. Mit der gewaltsamen ­Aktion gegen den Gaza-Konvoi habe sich Israel selbst geschädigt.

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