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Naher Osten: Wassermangel und Klimawandel können die Lage noch instabiler gestalten. Von Malik Özkan, Bremen

"Muslime & Globalisierung" - Contra: Bis zum letzten Tropfen

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(IZ/Agenturen). Seit Jahrzehnten dominieren die beiden Energieressourcen Erdöl und Erdgas die Ereignisse im Nahen Osten, einem der anhaltenden weltweiten Brennpunkte. Nun ist eine noch essenziellere Ressource hinzu gekommen: Wasser.

Dabei handelt es sich ironischerweise um das am meisten verbreitete natürliche Produkt. Es bedeckt mehr als 70 Prozent der Erdoberfläche, stellt aber nur ein Prozent der globalen Ressourcen. Theoretisch reicht es aus, um eine Weltbevölkerung zu versorgen, die fünf oder zehn Mal größer ist als die bisherige. Dabei ist es weltweit ungleich über den Globus verteilt. Der Nahe Osten und Nordafrika zählen zu den am schlechtes­ten versorgten Regionen.

Dort wird es knapp: Quellen versiegen, Trinkwasserreserven schrumpfen und der einst reißende Jordanfluss ist ein armseliges Bächlein. „Wasser ist in der Region ein leiser Konflikt“, wird der deutsche Hydrogeologe Clemens Messer­schmidt von Susanne Götz auf „telepolis“ zitiert. „Die Israelis haben sehr schnell begriffen, was in dieser Region am wertvollsten ist. Kein Wunder also, dass sie sich nach dem Krieg 1967 zuerst die Wasserhoheit in den besetzten Gebieten sicherten.“

Außer dem Verteilungskampf zwischen Palästinensern und Israelis ist aber die Region durch die Verteilung und Verknappung bedroht. Der wichtigste Aspekt ist dabei die grenzübergreifende Natur von Wasser. Wichtige Flüsse wie der Nil, der Euphrat, der Tigris, der Jordan und ­der Yarmuk fließen durch mehr als ein Land. Viele ihrer Quellen liegen in nicht-arabischen ­Ländern, was die Verteilung weiter ­kompliziert.

Da das Blaue Gold lebenswichtig ist (sowohl für den Verbrauch als auch für Lebensmittelproduktion), wird seine Verfügbarkeit zu einer Frage der nationalen Sicherheit. Und hier brechen Gegensätze auf. Auch zwischen der Türkei, Syrien und dem Irak und zwischen Ägypten, Sudan und Äthiopien, was eine Eskalation von Streitigkeiten wahrscheinlich macht.

Obwohl das Land zwischen Marokko und Oman 10 Prozent der Landoberfläche bedeckt, verfügt es nur über 1,2 Prozent der Wasserreserven. Hier leben heute 280 Millionen Menschen. Nicht mit eingerechnet sind die nicht-arabischen Staaten der Region, in denen zusätzliche 150 Millionen leben. Aus verständlichen Gründen bemühen sich die Länder der Region um Lösungen für ihre Versorgung. Zu den bisherigen Lösungen zählen vor allem groß-technologische Projekte, deren zukünftige Auswirkungen bisher nicht abzusehen sind. Während Libyen seine fossilen Wasservorräte (tief unter der Sahara gelegen) ­anzapft, bleibt Ägyptens wichtigstes ­Projekt der Assuan-Staudamm. Im Osten hat das Königreich Saudi-Arabien in den letzten Jahrzehnten 30 große Ent­salzungsanlagen errichtet und hat so – ironischerweise – eine Landwirtschaft, die es in einen Exporteur von Getreide verwandelte.

Trotz dieser megalomanischen Projekte bleibt Wasser spürbar knapp. In Jordanien sind die Leitungen oft trocken und in Syrien waren 250.000 Bauern im letzten Jahrzehnt gezwungen, ihr Einkommen aufzugeben, da sie kein Wasser mehr für ihre Felder haben. In Saudi-Arabien sind immer noch viele Menschen von Wasserlieferungen mit Tankwagen abhängig.

Angesichts der grenzübergreifenden Versorgungsschwierigkeiten im Nahen Osten sind einfache Lösungen nicht in Sicht. Vor allem auch, weil sich das Wasserproblem mit anhaltenden Streitfällen in dieser sensitiven Gegend überschneidet. Es besteht, in den Augen des russischen Analytikers Aydar R. Aganin, die Möglichkeit, dass Wasser – wie Erdöl – zu einer Ressource für die Schaffung von Konflikten im Nahen Osten werden kann.

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