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Neuauflage Islamkonferenz: Kann das neue Konzept gelingen?

Deutschlands organisierte Muslime sehen einige Aspekte der neuen Gesprächsrunde eher kritisch. Von Christoph Schmidt

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IMO | photothek.net

Berlin (KNA/iz). Der Bundesinnenminister steht in dieser Woche vor einer diplomatischen Bewährungsprobe. Erstmals empfängt Horst Seehofer (CSU) am Mittwoch (28.11.) und Donnerstag (29.11.) die Teilnehmer der Deutschen Islamkonferenz (DIK). Eröffnen will er das Treffen des 2006 von seinem Vorgänger Wolfgang Schäuble (CDU) gegründeten Gremiums mit einer Grundsatzrede.

Seine Aussage, dass „der Islam“ nicht zu Deutschland gehört, dürfte Seehofer so pauschal nicht wiederholen, auch wenn dem laut Umfragen eine Mehrheit der Deutschen zustimmt. Aber welcher „Islam“ gehört zu Deutschland – und will überhaupt dazugehören? Darüber diskutieren in Berlin neben Integrationspolitikern und Wissenschaftlern viele Muslime mit teils sehr kontroversem Blick auf ihre Religion.

Eine innerislamischen Debatte zwischen säkular-liberalen Gläubigen und den konservativen Islamverbänden stand in der abgelaufenen dritten Arbeitsphase nicht im Fokus der Gastgeber. Man hatte vorrangig Verbandsvertreter eingeladen. Dafür sprach, dass Organisationen wie die türkisch-islamische DITIB oder der Zentralrat der Muslime rund 70 Prozent der Moscheegemeinden repräsentieren und konkrete Ergebnisse so leichter zu erzielen waren, etwa in Bereichen wie inländischer Imamausbildung, Wohlfahrtspflege und Seelsorge.

In ihrer vierten Phase soll die Islamkonferenz nun wieder das ganze Bild zeigen und mehr Raum für andere Stimmen schaffen. Ziel sei eine breite und kontroverse Debatte über die Frage, „wie ein Islam in, aus und für Deutschland entstehen kann“, hieß es aus dem Bundesinnenministerium. Staatssekretär Markus Kerber stellte klar, dass es dafür nur einen Rahmen geben kann: den freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat und das Grundgesetz. Neben Verbandsvertretern diskutieren zum Auftakt in Berlin individuelle Muslime wie Seyran Ates und Ahmad Mansour. Beide gehören zu den Unterzeichnern einer „Initiative säkularer Islam“, die mit Blick auf die Konferenz ein Gegengewicht zu den Verbänden sein will.

Vertreter muslimischer Organisationen befürchteten in dem Konzept einen Rückschritt in die Anfangszeit der Islamkonferenz. Damals setzte das einladende Bundesinnenministerium auf ein ähnliches Konzept. Organisierte Muslime stritten sich unter Moderation mit der Politik mit sogenannten und vermeintlichen „liberalen“ Muslimen. Auf das neu-alte Konzept reagierten muslimische Repräsentanten auch mit Kritik. Nach Ansicht von Ali Kizilkaya, dem ehemaligen Vorsitzenden des Islamrates, wolle sich das Ministerium „einen Islam nach Wunsch“ bauen.

Am Wochenende wurde bekannt, dass das Bundesinnenministerium auch über Finanzierungsmodelle für Moscheen und muslimische Gemeinden diskutieren will. Kerber sagte der „Bild“-Zeitung: „Das Ziel muss sein, dass die Moscheen in Deutschland nicht mehr von Finanzhilfen aus dem Ausland abhängig sind.“

Die Themen der Berliner Auftaktpodien widmen sich nun wieder grundsätzlichen Fragen: Man diskutiert über „Integrationsförderung vor Ort“ oder „Engagement für ein gelingendes Miteinander“, aber auch über den wichtigen Punkt „Imamausbildung in Deutschland“. In den kommenden Jahren sollen dann „themenoffen“ und „flexibel“ Gesprächsformate mit wechselnden Teilnehmern von staatlicher und muslimischer Seite, aber auch Vertretern aus Kirchen und Judentum folgen.

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