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Neue Bertelsmann-Studie entkräftet ein oft beschworenes Negativszenario. Von Safia Bouchari, Mainz

Der Zusammenstoß bleibt aus

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(iz). Man trifft immer wieder auf die Ansicht, religiöse Diver­sität fördere gewalttätige Kon­flikte. Nun hat der Freiburger Politikwissenschaftler und Konfliktforscher Uwe Wagschal in einer neuen Bertelsmann-Studie festgestellt, dass Religion das Entstehen solcher Spannungen nicht besonders begünstige. Die Studie zeigt vielmehr, dass Konflikte am häufigsten zwischen unterschiedlichen Sprachgruppen ausbrechen.

Relevanter für das Gewaltpotenzial einer Gesellschaft als religiöse Gründe sei zum Beispiel ein hoher Anteil junger Männer ohne ökonomische Perspektive. „In Ländern mit einem hohen Anteil von etwa 15- bis 24-jährigen Männern ohne wirtschaftlicher Zukunft erhöht sich die Gefahr gewaltsamer Konflikte sehr stark.“ Dass Gewalt und Kriminalität speziell unter Jugendlichen mit muslimischem Hintergrund nicht mit dem Islam begründet werden können, ist klar. Im Gegenteil, eine gefestigte muslimische Lebensweise bewahrt vor dem Abrutschen auf die schiefe Bahn. Wagschal sieht eher andere Faktoren als Ursachen: Sprachliche und ökonomische sowie Bildungsprobleme junger Migranten sowie das Gefühl, keine Chance in der Gesellschaft zu haben. Hier stellt er Versäumnisse der Migrationspolitik fest. Sprachliche Integrationsbemühungen müssten schon im Kindergarten beginnen.

Der Mord durch jugendliche Schläger an einer Münchener S-Bahn-Station und ein erneuter Schul-Amoklauf haben im vergangenen Monat viele Menschen erschrecken lassen. Viele ­fragen sich wieder einmal, wie es eigentlich um die Jugend in diesem Land bestellt ist, das solche Exzesse möglich sind.

//1//Gewaltforscher Dietrich Oberwittler sagt: „Männliche Jugendliche und junge Männer zwischen 16 und 24 stellen weltweit die größte Risikogruppe für extreme Gewalt.“ Für Deutschland gelte jedoch, dass Jugendgewalt insgesamt zu­rückgehe. Die überwiegende Zahl der Fälle von Jugendgewalt richte sich außerdem gegen andere Jugendliche und nicht gegen Erwachsene, so Oberwittler. Ein Problem sei, dass in der Erziehung vieler verpasst werde, bei der Konfliktlösung von frühester Kindheit an „gewalt­freie Alternativen“ aufzuzeigen. „Weder Kameras noch Polizei lösen das eigentliche Problem“, meint er weiter.

Wie steht es um die Erziehung der Kinder hierzulande, und muss man einen drastischen Werteverlust konstatieren? Diese Fragen bedürfen sicherlich einer tiefergehenden gesellschaftlichen Debatte, die bisher nur in Ansätzen überhaupt geführt wird.

In die dringend notwendige Erziehungs- und Wertedebatte sollten sich auch die Muslime einbringen, denn sie hätten hier viel beizutragen.

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Safia Bouchari

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