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Der US-Amerikaner und seine Aufnahmen der bedrohten syrischen Gesangskultur

Jason Hamacher und die verlorenen Ursprünge

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Foto: Jason Harnacher

(IZ). Kan ya ma kan, es war einmal das Syrien der alten Zeiten. Nicht allzu alt, die Rede ist vom Syrien vor dem Bürgerkrieg.

Der amerikanische Musiker Jason Hamacher fuhr gerade in einen Tunnel in Washington, als sein Handy klingelte. Ein Freund und Kollege sagte ihm, er solle sich „Serbian Chant“ anhören, das könne man gut samplen. Jason aber verstand „Syrian Chant“ und die Verbindung brach ab. Die Reise begann.

Er informierte sich über die christliche Kultur Syriens und ihre Jahrhunderte alte Musik. Schließlich nahm er Kontakt zur syrisch-orthodoxen Kirche in den USA auf um sich über mögliche Aufnahmen des Gesangs der Mönche zu informieren. „Ihr macht das seit 1.800 Jahren und habt es noch nie aufgenommen?“, fragt er verdutzt, nachdem man ihm sagte, es hätte nie die Absicht gegeben es für die Außenwelt festzuhalten.

2006 folgte seine erste Reise nach Syrien um den Kult der Mönche zu erleben. Fortan war er begeistert von den musikalischen Facetten der ältesten Stadt der Welt, Aleppo. Zwei ­Jahre später bekam er den Auftrag, die ­historischen jüdischen Stätten in Aleppo zu dokumentieren, nur sollte er merken, dass das nicht so einfach ist. Die syrischen ­Behörden wollten nichts von dem Auftrag gewusst haben, verweigerten ihm den ­Zugang und langjährige Kollegen waren plötzlich unwillig, ihm weiterhin zu ­helfen.

Den Gesang der Mönche hatte er schon, die Geschichte der Juden durfte er nicht erforschen. Was blieb, war die Tradition der Muslime. Damit hatte er sich noch nicht wirklich auseinandergesetzt. Jason fing an, Moscheen zu besuchen, begeisterte sich für muslimische Architektur und Kunst.

Er filmte Gebete und war als Musiker überwältigt vom melodischen Gottesdienst. Nachdem er Gespräche mit Imamen gesucht hatte, gelang es ihm, Zugang zu den Sitzungen der traditionell syrischen Tariqas zu bekommen. Drei Tage später fand er sich in einem 500 Jahre alten Haus wieder, den Dhikr eines Qadiri-Ordens aufnehmend.

Das dufte noch kein Zeuge aus dem Westen. Aleppo, eine halbe Stadt als Weltkulturerbe, geprägt von vielen jüdischen, christlichen und muslimischen Traditionen, er hatte das Glück das noch zu erleben. Die muslimischen Orden trafen sich zum gemeinsamen Dhikr, dem Gedenken Allahs. „Wenn man inmitten einer solchen Versammlung sitzt, ist man überwältigt“, sagt er heute.

Von nun an sich tief verbunden mit Syrien fühlend, fliegt er bis 2010 regelmäßig nach Aleppo um seine neuen Freunde zu besuchen und ihre Gesänge aufzunehmen. Ein Album sollte entstehen und vier Jahre später erscheint es. Er wolle nicht, dass die wertvollen Traditionen Aleppos verloren gehen, sie seien das Erbe der Herzen. Viele schlaflose Nächte habe er damit verbracht, seine junge Tochter zum Gesang der Sufis in den Schlaf zu wiegen.

Die von ihm gegründete Band „Nawa“ trat vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien einige Male auf und hob die gesungene Liebe zu Gott auf das öffentliche Parkett. Das mittlerweile erschienene Album ist das vierte seiner Art, nach den christlichen Vorgängern. Ideen und Visionen habe er viele, aber noch keine festen Pläne, wie er weitere Orden aufnehmen könnte. Archivieren sei das Stichwort. Er habe viele Texte finden können, aber selten die melodische Umsetzung, dabei sei es doch so faszinierend. Seine Produktionsfirma hat er „Lost Origins“ genannt, ein ziemlich passender Name. Die verlorenen Ursprünge hatte er einst gefunden und festgehalten. Zumindest einen Teil.

So vieles scheint im Chaos des Bürgerkriegs verloren gegangen zu sein, beklagt er. Und mittlerweile sind die Ursprünge wieder weniger leicht zu finden. Die Mitglieder seiner Band sind verstreut, einige in Syrien, andere in Europa. Und doch möchte er weiterin die Aufnahmen veröffentlichen. Außerdem plant er in Deutschland eine Foto-Ausstellung über die Traditionen Aleppos.

Link: www.lostorigins.com

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