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Neue Gewohnheiten

Die Moscheegemeinden und die Corona-Regeln

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Foto: deepspace, Shutterstock

(iz). Langsam müssen sich die ­Moscheegemeinden in Deutschland auf dauerhaft verpflichtende Corona-Regeln einstellen. Hoffnungen, dass die Verbreitung des Virus in den Sommermonaten beendet würde, haben sich leider zerschlagen. Die Folgen der Pandemie könnten sogar über Jahre bemerkbar sein. Für den Herbst zeichnen sich nun sogar neue Verschärfungen der Einschränkungen ab. In den Moscheen herrscht inzwischen so etwas wie eine neue Normalität.

Die Muslime in Deutschland zeigen dabei eine erstaunliche Disziplin, die ­Abstandsregeln und Hygienevorschriften werden vorbildlich eingehalten. Das ­Gemeinschaftsgebet sieht an sich dicht geschlossene Reihen von Betenden vor, aber auch hier wird während der Pflichtgebete der Mindestabstand eingehalten. Muslime verzichten auch auf die üb­lichen Begrüßungen. Die soziale Dimension des Freitagsgebetes, im Mittelpunkt steht die Begegnung und der Kontakt mit anderen Muslimen, ist im Moment nur noch eingeschränkt erlebbar. Im ­Ergebnis tragen so Muslime zweifellos zu einer effektiven Bekämpfung der ­weiterhin bestehenden Pandemie bei. Die Sorgen, dass die Öffnung der Moscheen neue Infektionsherde begünstigen ­könnten, haben sich dagegen nicht ­bewahrheitet.

Im Ergebnis hat sich aber auch eine Umkehrung aller Werte eingestellt. Aus der sozialen Nähe wurde die soziale ­Distanz. Hier darf sich die Macht der Gewohnheit nicht durchsetzen.

Darüber hinaus leiden viele Moscheegemeinden an finanziellen Sorgen, da die Zahl der Spender für den Unterhalt der Gebäude stark abgenommen hat. Noch ist unklar wie sich die neuen Verhältnisse langfristig auf die Struktur der Gemeinden auswirken werden.  Kurzfristig sollen virtuelle Angebote und kleinere Veranstaltungen das Gemeinschaftsgefühl am Leben halten.

Ayyub Köhler, der langjährige Vorsitzende des Zentralrates der Muslime bringt die Lage auf den Punkt: „Die Herausforderungen einer lang anhaltenden Pandemie mit ihren psychologischen und sozialen Auswirkungen sind wieder Anlass, über unsere Koranschulen, unser Bildungswesen und Gemeindearbeit nachzudenken.“ Köhler fordert die Muslime auf, sich intellektuell mit der neuen Situation auseinandersetzen.

Das Motto ist klar, in jeder Krise gibt es Gefahren aber auch Chancen. Gerade in der Isolation wird die soziale Kompetenz der Muslime neu definiert werden müssen. Ungewöhnliche Situationen erfordern dabei eine neue Kreativität. Fest steht im Moment nur, dass ein islamisches Leben, ohne enge soziale Kontakte, für Muslime auf Dauer undenkbar ist.

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Khalil Breuer

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