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Neue Konzepte auf dem Vormarsch

"Muslime & Globalisierung" - Malaysia beansprucht Führung bei Halal-Standardisierung. Von Ali Kocaman, Rendsburg

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(IZ/Agenturen). Malaysia will nach eigenem Bekunden den Mitgliedern der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) helfen, gemeinsame Halal-Standards zu entwickeln. Nach Ansicht von Fachleuten könne dies zu einer weiteren Umgestaltung globaler Halal-Richtlinien führen. Nordin Abdullah, Geschäftsführer der Consultingfirma Verlag KasehDia, die ein Fachmagazin herausgibt, könnte Malaysia dadurch die Entwicklung der weltweiten Halal-Industrie vorantreiben und seine Vorrangstellung als Halal-Knotenpunkt sichern.

Zur Zeit haben die OIC-Mitgliedsstaaten keine gemeinsamen Regelungen, aber manche Einzelmitglieder orientieren sich wegen deren Anziehungskraft an den malaysischen Standards als Qualitätsmerkmal. „Die OIC hat erkannt, dass es gemeinsame Regelungen braucht, (…) einen gleichen Standard bei allen Mitgliedern“, teilte Abdullah im Interview der Nachrichtenagentur Bernama mit. In diesem Fall sei es die Aufgabe Malaysias, die Führungsrolle zu übernehmen. Die nationalen Regelungen des südostasiatischen Landes wurden allgemein anerkannt, nachdem sie vom Amt für Islamische Entwicklung Malaysia (JAKIM) vereinheitlicht wurden. Mittlerweile führt die Halal Development Corp die Arbeit von JAKIM fort.

Im Rahmen des jetzigen Zustands drängt sich nach Ansicht vieler eine Uniformität von Bewertungsregeln auf, da die globale Industrie, die ihre Produkte unter der Bezeichnung „Halal“ verkaufen will, auf mindesten 17 unterschiedliche Standards zurückgreifen kann. Nordin äußerte die Hoffnung, dass die Entwicklung von OIC-weiten Regelungen den Produzenten besseren Zugang zu den Märkten westlicher Länder ermöglichen kann. Die dortigen Verbraucher wünschten „Halal-Produkte und Dienstleistungen, aber verlangen hochqualitative Waren und Serviceleistungen“. Malaysia werde, so Abdullah, ein gewisses Maß an technischer Unterstützung bereitstellen, da sehr viel getan werden müssen, um für die OIC Standards zu entwickeln und umzusetzen.

Auch außerhalb der OIC wächst die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen, die sich im weitesten Sinne unter dem Begriff „Halal“ zusammenfassen lassen. In den Vereinigten Staaten beispielsweise ist es für Muslime mittlerweile Normalität, Produkte mit einem Halal-Siegel in ihren Supermarktregalen zu sehen. Für viele nichtmuslimische Verbraucher ist es sogar oft die Wahl von gesünderen Produkten. Für Lebensmittelproduzenten, die sich und Produkte einem Zertifizierungsprozess unterziehen, bedeutet dies eine Öffnung neuer Märkte und zusätzlicher Kunden. Auch dann, wenn viele nichts verändern müssen, um beliebte Prüfsiegel zu erlangen. Zertifizierungeneinrichtungen wie das „Islamic Food & Nutrition Council of America (IFNCA)“, das seine Tätigkeit 1980 im Bundesstaat Illinois aufnahm, beschäftigt heute 24 Mitarbeiter, die in den USA und in Europa Firmen und ihre Fertigungsprozesse einer Prüfung unterziehen. Auch wenn diese Einrichtung Zeugnisse ausstellt, ist sie keine kommerzielle Organisation. Zufließende Gewinne durch Prüfungsgebühren fließen zurück in die Ausbildung von Lebensmittelindustrie und der muslimischen Gemeinschaft. „Die Lieferanten müssen auch die Anforderungen verstehen, und unsere Prüfer bilden ebenfalls die Industrie aus“, erklärte Dr. Munir Chaudry, Präsident von IFNCA. Bei schätzungsweise acht Millionen Muslimen in den Vereinigten Staaten und jährlichen Lebensmittelausgaben der durchschnittlichen Familie, „beläuft sich der Halal-Markt in den USA auf mindesten 16 Milliarden US-Dollar“, so Chaudry.

Sowohl Einwanderer, ihre Kinder als auch einheimische Muslime verlangen Produkte, die ihren religiösen Anforderungen entsprechen. Es gibt verschiedene Wege, wie Verbraucher an die gewünschten Dinge kommen. Der üblichste Weg ist der Einkauf beim örtlichen muslimischen Ladenbesitzer des Vertrauens. Aber für Einzelhändler sei es schwierig, so Chaudry, die gesamte Produktionskette zu überwachen. Der bessere Weg sei das Zertifikat, das Käufern erlaube, den Gütern eines Produzenten zu vertrauen. Die verwendeten Siegel informieren sie darüber, dass die Lebensmittelerzeugung überwacht werde.

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