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Neue Veröffentlichung: Erstes Grundschulbuch für den islamischen Religionsunterricht. Von Andreas Otto

„Man soll vor jeder Sache Bismallah sagen“

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Münster/Stuttgart (KNA) Es ist bunt, hat viele Bilder, nicht allzu lange Texte – und viele Anregungen zur Diskussion. Das erste auf Deutsch erschienene Grundschulbuch für den islamischen Religionsunterricht kommt modern und kindgerecht daher. „Miteinander auf dem Weg“ präsentiert sich in ähnlicher Aufmachung wie manche Publikationen für evangelischen oder katholischen Nachwuchs. Das vom muslimischen Münsteraner Religionspädagogen Mouhanad Khorchide herausgegebene Schulbuch, das kürzlich in den Handel kam,, gibt einen Eindruck darüber, welche Inhalte in einem islamischen Religionsunterricht gelehrt werden sollen – und welche nicht.

Khorchide, der an der Universität Münster Islam-Pädagogen ausbildet, gehört nämlich auch jenem Beirat an, der den Lehrplan für den bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen festlegt. Dieser soll mit dem neuen Schuljahr schrittweise in NRW als erstem Bundesland eingeführt werden. Und da den muslimischen Organisationen noch die Anerkennung als Religionsgemeinschaft fehlt, soll der Beirat um Khorchide ersatzweise über die Unterrichtsinhalte und -bücher befinden.

Erst allmählich führen die elf Kapitel mit vielen Koranzitaten zu den muslimischen Essentials. So widmet sich ein Abschnitt dem Propheten, der als Kind erst den Vater und dann die Mutter verliert. Die Waisengeschichte appelliert ganz an das Mitgefühl der Schüler und leitet zur Charakterisierung Mohammeds als Menschen mit besonders gutem Charakter und seiner Berufung zum Propheten durch den Engel Gabriel über.

An anderer Stelle geht es um die muslimische Gebetspraxis und das Waschritual in der Moschee. Nähere Erklärungen über den spirituellen Sinn sucht man allerdings vergebens – außer den allgemeinen Hinweis, dass Allah und Mohammed auf Ordnung und Sauberkeit bestehen. Auch der Unterschied zwischen „haram“ und „halal“, den verbotenen und erlaubten Speisen, wird zwar erwähnt, aber kaum erläutert. „Allah möchte das von uns, weil das nicht gut für uns ist“, heißt es kurz.

Acht Seiten widmen sich eigens dem Thema Familie. Die klare Botschaft: „Wir kümmern uns umeinander“. In einem Dialog sagt ein greiser Vater zu seinem erwachsenen Sohn: „Früher habe ich dir als Kind geholfen, heute hilfst du mir.“ Vor allem aber wird das traditionelle Beziehungsgefüge und die Autorität der älteren Generation eingeschärft. Die kleinen Kinder werden aufgefordert, gut zu ihren Eltern zu sein und sich bei Streit zu entschuldigen. Dass auch Väter und Mütter mal Fehler machen und diese um Verzeihung bitten müssen, kommt nicht in den Blick.

Es gibg ein Kapitel mit der Überschrift „Was ich über andere Religionen lernen kann“ mit Erklärungen über Juden und Christen. Vor jeder Sache solle man „Bismallah“ – zu Deutsch: „Im Namen Allahs“ – sagen. „Dann wird Allah helfen, und alles klappt wie von selbst.“ Gute Aussichten für's neue Schuljahr.

Hinweis: „Miteinander auf dem Weg – Islamischer Religionsunterricht“, Schülerbuch 1./2. Schuljahr, hrsg. von Mouhanad Khorchide, Ernst Klett Verlag, Stuttgart 2012, 16,95 Euro.

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