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Neuer muslimischer Verlag aus Freiburg widmet sich der Bildung für Kinder und Erwachsene. Von Yasin Alder, Bonn

Von Herzen gemacht

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(iz). Vibe“ heißt im Englischen „Atmosphäre“ oder „Stimmung“. Liest man die Abkürzung des jungen Freiburger Verlags für Islamische Bildung und Erziehung, VIBE, fühlt man sich an dieses Wort erinnert. Der Verlag wird von dem Ehepaar Jörg ­Imran Schröter und Amina Boumaaiz betrieben. Er beschäftige sich bereits seit 1991 durch eine damalige Ausbildung zum Buchhändler mit dem Thema Bücher, erzählt Schröter über die Anfänge.

„Seit ich im Bereich der islamischen Bildung und Erziehung arbeite, im Islam­unterricht in Baden-Württemberg, habe ich festgestellt, dass es hierzu immer noch sehr wenig Material gibt. ­Allein der Bereich islamische Literatur für Kinder in deutscher Sprache ist immer noch sehr mager. Daher war es eigentlich nur naheliegend, in dem Bereich aktiv zu werden“, sagt Imran Schröter. Seine Frau Amina Boumaaiz, die aus Marokko stammt und in Freiburg Germanistik studiert hat, hat sich daher ohnehin stets viel mit Literatur befasst und eine Magisterarbeit über die Schriftstellerin Harriet Straub geschrieben, die vom Landkreis Emmendingen unter dem Titel „Zwischen Schwarzwald und Sahara – Leben und Werk Harriet Straubs” veröffentlicht wurde. Bei ihrem eigenen Verlag ist sie unter anderem für Übersetzungen aus dem Arabischen zuständig. Daneben gibt Amina Boumaaiz auch privaten Unterricht, hat also auch praktische pädadogische Erfahrung.

Den Begriff der Bildung und Erziehung, den der Verlag im Namen trägt, lege man sehr weitgefasst aus, betonen die Verleger. Nicht nur pädagogische Werke und Kinderbücher sollen herausgegeben werden, sondern auch die „Herzensbildung“, wie Imran Schröter sagt, solle mit einbegriffen sein, sodass damit im Grunde die gesamte islamische Literatur einbezogen sei. Bei den Produktlinien des Verlags soll denn auch neben Kinderbüchern, mit besonderer Betonung auf Bildelementen, und Jugendbüchern, bei denen schon mehr der Text im Vordergrund steht, auch klassische islamische Literatur eine wichtige Rolle spielen. Eine weitere Produktlinie soll dem Dialog gewidmet werden. „Das ist uns auch sehr wichtig, die Auseinandersetzung und das Gespräch mit den anderen Religionen. Dazu gehören auch Publikationen zum besseren Verständnis des Islams, aber nicht unbedingt nur aus muslimischer Feder, sondern vielleicht auch Beiträge über den Islam oder vergleichende Studien, die für das interreligiöse Gespräch interessant sind“, erläutert der Verleger.

Bisher hat der VIBE Verlag zwei Bücher veröffentlicht, die allein schon durch ihre liebevolle und ästhetisch hochwertige, aber auch qualitativ hervor­ragende Aufmachung auffallen. Es sind dies das Arabische-Alphabet-Lehrbuch für Kinder namens „Abu Laqlaq“ („Vater Storch“) und das Kinderbuch „Der Teejunge Kasim“ von Abu Bakr Heyn.

„Die Arbeit an dem Lehrbuch für das arabische Alphabet war sehr intensiv. Es war auch für uns eine sehr intensive Zusammenarbeit mit der Autorin Yamina Tahiri, die auch ausgebildete Lehrerin ist, und ihrer Freundin Sylvia Knebel als Ko-Autorin, die die Illustrationen dazu gemalt hat. Wir haben viel an Details gearbeitet, im Aufbau, in der Übersichtlichkeit, in der Differenziertheit der Übungen mit verschiedenen Schritten – von den einfachsten Übungen wie Ausmalen bis hin zum selber Schreiben sind verschiedene Feinheiten und Differenzierungen eingebaut, die aus der pädagogischen Trickkiste stammen“, erklärt ­Imran Schröter. „Wir sind auch froh, Sylvia Knebel als Illustratorin gefunden zu ­haben, denn bei Kinderbüchern ist es ungemein wichtig, schöne Bilder zu ­haben.“ Der VIBE Verlag suche auch noch nach weiteren Illustratorinnen und Illus­tratoren, die bereit sind, Bilder beizusteuern, betont Imran Schröter.

„Abu Bakr Heyn ist ein alter Studienfreund von mir, der dann in Damaskus den Islam angenommen hat, und ich denke, er hat sehr viel von seinen Eindrücken in Damaskus auch in dieser Geschichte verarbeitet“, erzählt der Verleger zum neuesten Buch „Der Teejunge Kasim“. „Nachdem Abu Bakr Heyn 2007 den Kreativwettbewerb „Zeig’ mir den Propheten“ gewonnen hatte, bin ich sofort hellhörig geworden, als ich gehört habe, dass er an einer Kinder- und Jugendgeschichte arbeitet. Und die Geschichte hat mich dann auch von Anfang an sofort überzeugt.“ Auch bei diesem Buch sei lange an sprachlichen und gestalterischen Details gefeilt worden, und er hoffe, dass das Buch auch vom Publikum gewürdigt werde. Einige sehr positive Rezensionen habe man schon bekommen, auch aus Österreich. Beim Lehrbuch „Abu Laqlaq“ hingegen würde sich der ambitionierte Verleger wünschen, dass große Vereine und Moscheen verstärkt auf das Buch zurückgreifen und dies in ihren Arabisch-Unterrichten verwenden würden. Für entsprechende Institutionen oder Arabischkurse gewährt der Verlag ab 20 Exemplare auch einen Mengenrabatt.

Obwohl „Abu Laqlaq“ gerade erst im August und „Der Teejunge Kasim“ im Oktober diesen Jahres erschienen sind, hat der VIBE Verlag einen längeren Vorlauf gehabt, bei dem auch die sehr ansprechend gestaltete Internetseite vorab entstanden ist. „Bisher läuft die Sache schon sehr gut an“, meint Schröter. Das erste Projekt, mit dem der Verlag begann, das bisher aber noch nicht veröffentlicht wurde, ist ein Buch über die Sira, die Lebensgeschichte des Propheten Muhammad, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, für Jugendliche geschrieben, „sehr spannend, aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt, zum Beispiel aus der Sicht der Sahaba“, so Schröter. Die Arbeit daran sei aber komplex, sowohl was Text als auch Illustrationen betreffe, und daher noch nicht abgeschlossen, „weil man einerseits die Authentizität bedenken musste, gleichzeitig aber die Vorsicht des religiösen Gefühls, gerade bei den Illustrationen, man aber trotzdem das ganze spannend und schön haben wollte. Wir hoffen, dass das Buch noch in diesem Jahr fertig wird.“ Auf dieses Buch und auch die anderen künftigen Publikationen des Verlags darf man gespannt sein.

„Wir sind noch ein ganz junger Verlag und sehr flexibel und offen für alle möglichen weiteren Projekte. Es soll nicht so verstanden werden, dass wir nur pädadogische Bücher verlegen würden, sondern wir wollen ein ganz breites Spektrum vertreten, auch wenn Kinder- und Erziehungsbücher immer unser Schwerpunkt sein werden“, sagt der Pädagoge und Verleger Imran Schröter.

Kontakt:
Verlag für islamische Bildung und Erziehung
Fendrichstr. 15, D-79117 Freiburg
Telefon (0761) 120 87 55
Telefax (0761) 120 87 57
E-Mail: info@vibe-online.de
Webseite: www.vibe-online.de

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