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Neues Projekt: „Zahnräder“ will aktive junge Muslime vernetzen

"Mehr Miteinander statt Nebeneinander"

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(iz). Mit dem Projekt „Zahnräder“ ist eine sehr interessante Initiative junger Muslime entstanden, die es so in Deutschland bisher noch nicht gab. Zahnräder möchte insbesondere aktive und talentierte junge Muslime vernetzen, die im medialen, sozialen, wirtschaftlichen, politischen oder akademischen Bereich erfolgreich sind, und „für Innovation und kulturellen Reichtum in Deutschland stehen“, wie es auf der Webseite des Projekts formuliert wird. Solchen jungen muslimischen Köpfen zwischen 18 und 35 Jahren soll eine Plattform geboten werden, auf der sie sich kennenlernen, Ideen und Wissen austauschen oder gemeinsame Projekte entwickeln können.

Vom 24. bis 26. September soll eine erste Konferenz stattfinden. Veranstaltungsort ist die Jugendherberge Wuppertal. Jeder Teilnehmer soll sich mit „einem kurzen Vortrag zu einer Idee, einer Vision, einem Problem oder einem persönlichen Projekt“, das er verwirklichen möchte, bewerben. Auch bereits bestehende Projekte können vorgestellt werden.

Am Ende der Veranstaltung werden für die drei besten von den Teilnehmern gewählten Projekte Fördergelder in Höhe von insgesamt 4.500 Euro vergeben. Außerdem sollen die Gewinner Mentoren von ­CEDAR, dem „European Muslim Professionals Network“, zur Seite gestellt ­bekommen.

Ganz bewusst habe man den Namen Zahnräder gewählt, wie die Zahnräder in einem Uhrwerk. „Jedes einzelne Zahnrad ist wichtig – ob groß oder klein. Sie greifen ineinander, sind stabil und tragen zusammen zu einem Ergebnis bei. Gleichfalls sind sie dynamisch, weil sie in Bewegung sind“, heißt es dazu in der Selbstdarstellung des Projekts.

„Ihre meist biographisch bedingten multiplen Identitäten verleihen jungen Muslimen der zweiten und dritten Generation in Deutschland einen hohen Grad an Flexibilität, aber auch an Fähigkeiten und Potenzialen, die angesichts einer durch Globalisierung erschwerten Identitätsfindung für alle Mitglieder der Gesellschaft, zukunftsweisend sind“, heißt es weiter. Im Zahnräder-Netzwerk sollen sich diese jungen Muslime „in ihrem Selbstverständnis und Selbstbewusstsein bestärken und sich unterstützen, ihre Potenziale auszuschöpfen und diese im gesamtgesellschaftlichen Kontext nutzbar zu machen.“

Das Projekt möchte zu einem stärkeren Miteinander statt Nebeneinander unter den aktiven Muslimen beitragen. Bisher seien viele Aktivitäten und Projekte örtlich, zeitlich und auch in ihrer Wirkung sehr begrenzt. Auch Personen, die sich bisher nicht in einer der bestehenden Organisationen wiedergefunden haben, sollen damit angesprochen werden. Überkommene Trennlinien beispielsweise entsprechend der ethnischen Abstammung sollen „zugunsten zukunftsorientierten, gemeinsamen Handelns“ überwunden werden.

Ilhaam El-Qasem ist Mitglied des Teams von Zahnräder. Nach einem Bachelor in Germanistik und Geschichte absolvierte sie ihren Master in Medienkulturanalyse und ist Rerefentin beim WIBI (Wuppertaler Institut für Bildung und Integration).

Sie hat beim letztjährigen Jahresmeeting der Muslimischen Jugend in Deutschland (MJD) von der Idee zum Projekt gehört und war sofort begeistert. „So etwas war längst überfällig für die deutschen Muslime, und ich bot meine Hilfe bei der Organisation an. Danach gab es dann wöchentliche Skypetreffen, auf denen alles geregelt, besprochen, und entschieden wurde. Hier wurden Aufgaben verteilt und Fragen geklärt“, beschreibt sie die weitere Entwicklung des Zahnräder-Projekts.

Eine Inspiration für Zahnräder sei auch das „Young Muslim Leadership Programme“ in Großbritannien gewesen. Mit diesem wurde inzwischen auch Kontakt aufgenommen. Spannend findet Ilhaam El-Qasem auch, dass das Programm der Konferenz noch nicht vorab festgelegt ist: „Die Teilnehmer bestimmen selbst, was auf die Tagesordnung kommt, und damit ist die Konferenz direkt an den Ideen, Gedanken und Visionen der jungen Muslime in Deutschland dran.“

Als Problem innerhalb der muslimischen Community in Deutschland sieht sie vor allem die „dürftige Kommunikation unter verschiedenen muslimischen Organisationen und Aktiven“. Hier wolle Zahnräder Hilfestellung bieten. Außerdem scheue man sich noch immer zu sehr, innermuslimische Probleme zu thematisieren und halte sich zu sehr mit „Pseudoproblemen“ auf, so die junge Akademikerin. „Wenn die Muslime etwas ändern wollen müssen wir außerdem noch ein paar andere Berufe ergreifen außer Arzt und Anwalt“, meint Ilhaam El-Qasem,

 Zu den ersten Initiatoren der Zahnräder gehörte, neben dem Ökonom Ali Aslan Gümüsay, die freie Journalistin und Studentin der Politikwissenschaften Kübra Yücel. „Es ist irrelevant, welcher islamischen Strömung man angehört, welchem Verein oder welcher Organisation. Das Individuum und die Visionen – das ist uns wichtig“, sagt sie. Sie persönlich würde die Gründung eines muslimischen ThinkTanks, der aus der Konferenz entstehen könnte, sehr begrüßen.

Kübra Yücel sieht einen großen Bedarf an intellektuellem Austausch innerhalb der Community. „Wir wissen wenig voneinander und können uns damit gegenseitig weder motivieren noch unterstützen. Ich hoffe, dass Zahnräder diesen Bedarf decken kann oder zumindest eine Grundlage bietet, auf der man in Zukunft miteinander arbeiten und sich austauschen kann; inscha Allah.“ Um nicht als einmalige oder kurzfristige Projektidee nach kurzer Zeit wieder zu verpuffen, wie so viele andere Initiativen, sollen die Konferenzen fortan jährlich stattfinden, wobei Teilnehmer des Vorjahres immer wieder auf neue Teilnehmer treffen könnten. Zwischen den Jahreskonferenzen sollen die Teilnehmer per Intranet miteinander in Kontakt bleiben, sich weiter austauschen und Projektideen weiter entwickeln.

Es bleibt zu hoffen, dass dies ausreichen wird, eine kontinuierliche Zusammenarbeit unter den Teilnehmern zu initiieren und konkrete Projekte daraus entstehen zu lassen, denn erfahrungsgemäß sind gerade qualifizierte, aktive Personen oft so stark in ihren eigenen Aktivitäten oder auch ihre beruflichen Tätigkeiten so eingebunden, dass gerade überregionale Initiativen leicht in der Alltäglichkeit ins Hintertreffen geraten.

Die erste Bewerbungsphase für die Auftakt-Konferenz endete bereits am 18. Juli. Die zweite endet am 29. August. Die Teilnehmerzahl ist auf etwa 100 begrenzt. Interessenten sollten sich also beeilen. Näheres zur Anmeldung findet sich auf der Zahnräder-Webseite.

Webseite:
www.netzwerk-zahnraeder.de

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