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„Nicht über die Köpfe der Betroffenen“

Der Präsident des Lehrerverbands über Schweinefleisch an Schulkantinen. Von Joachim Heinz

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Foto: Shutterstock, Matthieu Tuffet

(KNA). Die „Bild“-Zeitung hebt zwei Kindertagesstätten aus Sachsen auf ihren Titel, die aus Rücksichtnahme auf muslimische Kinder kein Schweinefleisch mehr anbieten wollen. Die AfD reagiert erwartungsgemäß und das Sommerloch ist um eine hitzige Debatte reicher. Stellt sich die Frage, wie Kindergärten und Schulen grundsätzlich mit dem Thema umgehen. Bis zu welchem Grad sollte auf muslimische Kinder und Schüler Rücksicht genommen werden? Ein Gespräch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands.

KNA: Herr Meidinger, zwei Kindertagesstätten in Sachsen wollen Schweinefleisch aus Rücksichtnahme auf muslimische Kinder vom Speiseplan streichen. Auch wenn der Beschluss laut Medienberichten inzwischen ausgesetzt wurde – sind Ihnen ähnliche Vorgänge aus Schulen bekannt?

Heinz-Peter Meidinger: Das ist beileibe kein Einzelfall, sondern es gibt viele Schulkantinen und Kioske an Schulen mit hohem Anteil von Kindern mit muslimischen Migrationshintergrund, die offen oder ganz still und leise ihr Speisenangebot dementsprechend verändert haben. Grundsätzlich ist es auch kein Problem, wenn Schulkantinen auf die Nachfrage und Bedürfnislage der Schüler Rücksicht nehmen.

KNA: Aber?

Heinz-Peter Meidinger: Problematisch wird es, wenn sich dann die nichtmuslimische Minderheit dieser Vorgabe komplett unterwerfen muss und es keine alternativen Speiseangebote mehr gibt. Das ist übrigens dann auch ein Grund dafür, dass sich Eltern deutscher Kinder bevormundet fühlen beziehungsweise ihre Kinder an anderen Schulen anmelden, um nicht einem Mehrheitsdiktat zu unterliegen, das keinen Minderheitenschutz mehr kennt.

KNA: Was also tun?

Heinz-Peter Meidinger: Ich rate Schulen zu einem toleranten Miteinander der verschiedenen Gruppen, Nationalitäten und Milieus  – dazu gehört auch, dass solche Entscheidungen nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg getroffen werden und die Bedürfnisse von Minderheiten geachtet werden.

KNA: Hat sich am Miteinander von Muslimen und Nichtmuslimen an den Schulen in den vergangenen Jahren etwas geändert?

Heinz-Peter Meidinger: Insgesamt gesehen beobachten wir, dass islamische Interessensgruppen, Moscheevereine, Verbände, Elterngruppen vor Ort oder auch überregional sich viel stärker und offenkundiger als früher artikulieren, beispielsweise auch bezüglich einer vermehrten Rücksichtnahme des Schulbetriebs auf den Ramadan.

KNA: Mit welchen Konsequenzen?

Heinz-Peter Meidinger: Früher haben Schulen vom Ramadan auch bei starkem muslimischen Migrationsanteil kaum etwas mitbekommen, weil dies von den Betroffenen selbst als Privatsache betrachtet und geregelt wurde. Heute wird teilweise verlangt, dass in dieser Zeit keine Prüfungen stattfinden, keine Sportveranstaltungen und Schulfeste angesetzt werden sowie weniger Hausaufgaben gegeben werden. Wenn der Ramadan aber von Prüfungen freigehalten wird und sich diese auf die andere Schulzeit konzentrieren, ergeben sich dadurch nicht selten Nachteile für alle.

KNA: Wie soll sich also eine entsprechende Schule in einem solchen Fall konkret verhalten? Soll das Sportfest doch stattfinden?

Heinz-Peter Meidinger: Sportfeste finden ja häufig am Jahresende statt. Wenn das mit dem Ramadan kollidiert, müsste das Sportfest gegebenenfalls komplett ausfallen. Das würde ich für falsch halten.

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