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Nicht, weil Eltern es vorschreiben

Ein persönlicher Kommentar zur Frage: Was will die Jugend?

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Foto: Vereint im Islam 2013

(iz). Die jungen Muslime – was beschäftigt sie, was bewegt sie, wie verbringen sie ihre Freizeit? Ein bis zwei Mal in der Woche halte ich Vorträge vor diesen in Deutschland berühmt-berüchtigten. Sie gehen zur Schule, Universität, auf die Arbeit und nicht wenige von ihnen gehen regelmäßig in die Moschee, um etwas über ihren Glauben zu lernen. Die Oma eines jungen deutschstämmigen Muslims, sagte einst zu ihrem Enkel: „Sie (die Muslime) können nicht anders. Sie haben es von ihren Eltern so beigebracht bekommen. Du (ihr Enkel) musst nicht so leben.“ Doch die jungen Muslime in informieren sich profunder und leidenschaftlicher über ihren Glauben als die Eltern ihnen vorleben. „Übertreibt nicht“ ist einer der Sätze, den Jugendliche nicht selten hören.

Selbst bin ich 27 und Student der Neueren Deutschen Literatur im Master. Meine Bachelor-Arbeit trug den Titel: Goethe über Muhammed. Dies war eines der zahlreichen Themen, über die ich referierte. Nicht nur in der Moschee und bei einem Vortrag bei einem der Jugendlichen zu Hause, auch als Gast bei Hochschulgruppen. Die Sympathie, die er für die islamische Lehre bekundete, stärkt das Selbstbewusstsein junger Muslime an der Uni, in der Schule oder auf der Arbeit und sie fühlen sich bestärkt, ihren Glauben, wo er angegriffen wird, zu verteidigen.

Die Reaktionen, von denen junge Muslime berichten, wenn sie beispielsweise sagen, dass sie fasten, gehen stark auseinander. Als „krank“ werden einige bezeichnet, andere als „veraltet“. Meinen Bachelor machte ich neben Deutsch auch in Philosophie und hier reagierte einer meiner Professoren nach einem Kant-Seminar mit Respekt und verwendete Kants Vokabular: „Sie handeln wider ihre Neigung, das ist eine Handlung aus Pflicht. Beeindruckend.“

Verschiedene Gesellschaftsschichten in reagieren unterschiedlich auf die Inhalte muslimischer Lehre und die Werte, die sie vermittelt. Eine Professorin begrüßte es, dass sie von ihrem muslimischen Studenten die Tür aufgehalten bekommt. Dieser begründete dies damit, dass er Muslim sei und die Achtung vor dem Wissen sich dadurch auszudrücken habe, den Vermittlern des Wissens Respekt zu erweisen.

Dies sind Themen, die in den Vorträgen, die auf Deutsch stattfinden, behandelt werden. Denn die junge Generation ist des Deutschen meist mächtiger als ihrer Muttersprache. Knigge, Goethe, Schiller und ihre muslimischen Pendanten stoßen auf reges Interesse. Vor allem die Nachfrage nach Ideen des Sturm-und-Drang ist leidenschaftlich groß. Vorbilder aus der deutschen Geistesgeschichte finden Gefallen.

Auch die Gedichte Mawlana Rumis und Hafis’ geben Anlass über sich und sein Leben zu reflektieren. Nicht nur das Werk, Interesse an den Menschen hinter dem Werk besteht. Wenn ich über den sufischen Aspekt der islamischen Lehre spreche, dem Tasawwuf, so mehren sich die Zuhörer. Leider befriedigen die Moscheen dieses Bedürfnis der jungen Muslim noch nicht. Sie möchten wissen, was es Rumi und Schems auf sich hat und was die Poeten der osmanischen Diwan-Literatur besangen. Ein Beispiel Fuzulis zeigt, was die Jugend so fasziniert: „Sage nicht, dass du nicht einmal eine Ameise verletzen würdest; Von diesem ‘nicht einmal’ fühlt sich die Ameise bereits verletzt.“

Die Jugendlichen möchten ihren Glauben lernen und leben – nicht weil ihre Eltern es vorschreiben – sondern weil sie an ein Leben nach dem Tod glauben und überzeugt davon sind, dass Muhammed, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, kein Betrüger war.

Lehrerinnen und auch Mitschülern fallen solche, die zu Vorträgen kommen, positiv auf – darüber muss öfter berichtet werden.

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Ahmet Aydin

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