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Noch viel Entwicklungspotenzial: Mittlerweile gibt es spezielle „Apps“ für muslimische Kunden. Von Yasin Alder

Auf den Mehrwert kommt es an

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(iz). Der Begriff „App“, erst seit Kur­zem einer breiteren Öf­fent­lichkeit bekannt, gehört zu jenen Wörtern, die im Zuge neuer technologischer Trends auftauchen und plötzlich in aller Munde sind, einer Modewelle vergleichbar.

„App“ ist eine Abkürzung für das englische Wort „Application“, Anwendung, und ist ein Oberbegriff für unterschiedliche Anwendungsprogramme. Im allgemeinen Sprachgebrauch sind damit heute meist Applikationen für so genannte „Smartphones“ gemeint, jene immer mehr verbreiteten Mobiltelefone, die eher kleinen Computern gleichen. Die „Apps“ können bei den jeweiligen Anbietern der Mobiltelefone in der Regel in Online-Shops erworben und von dort auf das Mobiltelefon heruntergeladen werden.

Die von zwei Brüdern vor noch nicht allzu langer Zeit gegründete Firma ­BIGITEC in Bonn brachte kürzlich eine App zum Qur’anlernen für Kinder ­heraus. Sie heißt auf Deutsch „Koran ­lernen für Kinder“.

Von den derzeit rund 340.000 Apps, die allein im App-Store für iPhone, iPad oder Mac-Systeme verfügbar sind, so Bilal Chbib von BIGITEC, seien nur sehr wenige, knapp 1.000, speziell für mus­limische Anwender gedacht beziehungsweise mit islamischen Inhalten ausgestattet. Zudem seien viele davon nicht sehr professionell produziert, meint der Jungunternehmer. Relativ hochwertig sei hingegen beispielsweise der „iQuran“ von der Firma Guided Ways.

Es gibt Apps für Muslime, die praktische Funktionen haben, wie die Gebetsrichtung zu bestimmen oder zu den ­örtlichen Gebetszeiten den Gebetsruf (Adhan) auszurufen. Die meisten dienen aber dem Lesen des Qur’an, dem Hören der Qur’an-Rezitation, dem Erlernen derselben oder dem Auswendiglernen. Von solchen Qur’an-bezogenen Apps sind laut Bilal Chbib derzeit etwa 650 auf dem Markt. „Bei der Entscheidung für eine bestimmte App sollte man auf die Bewertung der Kunden achten, ob sie aus deren Sicht nützlich ist oder nicht“, empfiehlt er. „Es gibt weniger gut gemachte Apps, aber auch andere, bei denen man merkt, dass die Entwickler sich Mühe gegeben, auch auf Details geachtet und entsprechend Qualität geliefert haben.“

Wer sind die nun die Kunden für solche Apps, und woher kommen sie? Sind es Muslime in den traditionellen Ländern, wo freilich die Verbreitung moderner Smartphones noch regional unterschiedlich stark sein dürfte, oder eher Muslime in westlichen Ländern?

Tatsächlich kommen auch die Nutzer des Apps „Koran lernen für Kinder“ zu nicht unerheblichen Teilen aus Nord­amerika und Europa. An erster Stelle liegt Kuwait, gefolgt von den Vereinigten ­Arabischen Emiraten. Als drittgrößter Absatzmarkt folgt dann die USA. Andere Länder der Arabischen Halbinsel wie Saudi-Arabien oder Katar sind ebenfalls stark vertreten. Erstaunlicherweise hat BIGITEC in ebenfalls recht stark technologisierten Ländern wie Malaysia oder Singapur relativ wenige Kunden. Der Smartphone-Markt ist insgesamt noch stark auf den englischsprachigen Raum konzentriert.

„Unsere App hilft den Kindern dabei, den Qur’an auswendig zu lernen“, sagt Chbib. „Es gibt eine Pause-Funktion bei der Rezitation, man kann eine automatische Pause zum Nachsprechen nach jedem Vers wählen. Bereits auswendig gelernte Suren können markiert werden. Das Ganze ist leicht handhabbar, auch mehrbenutzerfähig, und der von uns ­verwendete Rezitator, Schaikh Mishary Rashed Al-Afasy, hat eine sehr deutliche Stimme.“ Bisher ist die App für den 30. Teil (Dschuz) des Qur’ans verfügbar. Eine Folgeversion der App, die derzeit in vier Sprachen verfügbar ist, für Erwachsene ist geplant.

„Wichtig ist für mich nicht in erster Linie der Profit durch den Verkauf der App, sondern die Belohnung, die ich mir von Allah erhoffe, dafür, dass Eltern mittels der von uns produzierten Software ihre Kinder den Qur’an lernen lassen“, sagt Bilal Chbib zu seiner Motivation. Allgemein lege man Wert darauf, Apps zu entwickeln, die einen konkreten ­Nutzen haben und nicht nur rein der Unterhaltung dienten.

Apps für Muslime müssen nicht immer auch von Muslimen produziert worden sein. Roman Engel beispielsweise hat mit seiner Wiesbadener Firma ­Daubit die App „iMecca“ herausgebracht, die dem Bestimmen der Gebetsrichtung gen Mekka dient. Gespräche mit einem muslimischen Freund hätten ihn auf die Idee dazu gebracht, erzählt Roman Engel. Das App nutzt die Kompassfunktion, die etwa bei bestimmten Smartphones eingebaut ist, konkret dem iPhone 3GS und dem iPhone 4. Nur auf diesen beiden iPhones funktioniert „iMecca“. „2009 erschien das erste iPhone mit einer Kompassfunktion, und schon drei Wochen später haben wir innerhalb von zwei Tagen die App „iMecca“ erstellt, die eine der ersten ihrer Art im App-Store war“, so Engel.

„iMecca“ gibt es derzeit in englischer und türkischer Sprache. Die türkische Version sei in der Türkei auf Anhieb in die Top 20 der meist verkauften Apps gekommen. Dort verkauft sich ­“iMecca“ auch insgesamt am besten. Die englisch­sprachige Version hingegen laufe in Saudi-­Arabien am besten, so Roman Engel. Die App ist, ihrem Zweck entspre­chend, sehr einfach gehalten und auch sehr leicht bedienbar. „Leider gibt es auch andere Anbieter, die eine ähnliche Anwendung für Geräte anbieten, welche die Kompassfunktion gar nicht unterstützen. Andererseits gibt es auch noch er­weiterte Anwendungen, die zum Beispiel noch die islamischen Feiertage ­enthalten und ähnliche Dinge.“ Weitere explizit für Muslime gedachte Apps hat Roman Engel derzeit nicht in Planung, er könne sich dies aber durchaus vorstel­len, wenn sich „die Gelegenheit ergibt“. „Grundsätzlich ist mir wichtig, dass die App einen Mehrwert für den Nutzer hat“, sagt der junge Unternehmer, sonst vor allem Apps für Agenturen entwickelt, darunter beispielsweise auch für das Projekt „I Fight Poverty“ der EU-Kommission.

Da der Bereich der Apps noch ein sehr junger ist, darf man gespannt sein, ­welche Entwicklungen hier zukünftig noch ­folgen werden.

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