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Nordirlands Erster Minister Peter Robinson entschuldigt sich öffentlich für anti-muslimische Kommentare. Bericht von Ufuk Secgin

Islamkritik in Belfast

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(iz). Alle führenden britischen Medien, wie „The Daily Telegraph“, „The Times“, „The Guardian“, BBC News und der „Belfast Telegraph“ haben im vergangenen Monat über die öffentliche Entschuldigung des Ersten Minister für Nordirland Peter Robinson berichtet.

Robinson Entschuldigung kam, nachdem er der „Irish News“ erzählt hatte, er würde „Muslimen, die sich nach der Scharia orientieren nicht vertrauen“. Damit verteidigte er den umstrittene Pastor, James McConnell, der den Islam als „heidnisch“ und „satanisch“ angeprangert hatte. Die Ausführungen wurden durch die Staatssekretärin für Nordirland, Theresa Villiers, kritisiert. Sie hatte Pastor James McConnells Bemerkungen in seiner Predigt als „falsch und völlig ungerechtfertigt“ bezeichnet. 
Pastor McConnell von der Metropolitan Tabernacle in Nord Belfast wird von der Polizei für die Kommentare, die er vor Kurzem in einer Predigt machte, untersucht. Er sagte vor seiner Gemeinde: „Der Islam ist heidnisch. Der Islam ist satanisch. Der Islam ist eine Lehre, die in der Hölle hervorgebracht wurde.“ Der Erste Minister Nordirlands Peter Robinson hatte weiterhin behauptet: „Vor fünfzehn Jahren war Großbritannien über die IRA-Zellen im ganzen Land besorgt“. „Sie haben ein Abkommen mit der IRA getroffen, weil sie Angst vor Bombenanschlägen hatten.“ 
„Heute ist ein neues Übel entstanden. Es sind Zellen der Muslime in ganz Großbritannien, ich höre ein Amen in ganz Großbritannien, und das Volk wird sich in eine große Bedrängnis, eine große Prüfung begeben.“ Robinson hat die evangelische Kirche in der Vergangenheit besucht und erzählte der Irish News, dass es „nicht eine Unze des Hasses in seinen Knochen (des Pfarrers) gäbe“ und dass es die Pflicht eines Predigers sei, „falsche Prophezeiungen“ zu denunzieren. 
Als er gefragt wurde ob er Muslime vertrauen würde, antwortete Robinson, dass er sich, vor denen, „die vollständig der Scharia gewidmet sind, hüten, und für spirituelle Führung nicht vertrauen würde“. Aber er würde einem Muslim vertrauen, der „für ihn die Einkäufe erledigen“ würde sowie „in anderen täglichen Angelegenheiten“. Villiers verurteilt Pastor McConnell Kommentare über den Islam als „falsch, völlig ungerechtfertigt und schädlich für die Beziehungen in der Gesellschaft“. Villiers sagte weiterhin, dass es „wahrscheinlich“ sei, „dass sie und der Erste Minister das Problem besprechen würden.“ Sie selbst verurteile die Äußerungen von Pastor McConnell und glaube nicht, dass sie gerechtfertigt sind. „Der Islam ist eine friedliche Religion“.

Hinsichtlich der Frage, ob er Pastrol McConnells Kommentare verurteilen würde, erklärte Peter Robinson der „Belfast Telegraph“: „Es ist nicht die Aufgabe eines Politikers, Lehrmeinungen zu Glaubensfragen zu geben. Ich bin kein Theologe, und ich bin nicht in der Lage, die Ansicht der Glaubenslehre zu geben. Die Menschen haben ein Recht auf freie Meinungsäußerung, aber jeder, der dieses Recht hat, muss dieses Recht mit Verantwortung wahrzunehmen und pflegen.“

Der stellvertretende Erste Minister, Martin McGuinness, von der Sinn Féin sagte, dass Robinson „einen besseren Standard der Toleranz demonstrieren sollte“. Während er die Entschuldigung als „richtig“ begrüßte, war er noch deutlicher in seiner Verurteilung der Bemerkungen des Pastors. „Wir stellen uns gegen den Rassismus, wo immer und wie immer es sich manifestiert. Ich bitte den Pastor McConnell dringend die Entschuldigung des Ersten Minister als Beispiel zu nehmen und seine schädlichen und beleidigenden Kommentare öffentlich zurückzuziehen.“

Khalid Anis von der Islamischen Gemeinschaft Britannien (Islamic Society of Britain) sagte im BBC Radio Ulster, dass er „schockiert sei, dass ein prominenter Politiker in einer Führungsposition mit solch einer Doppelzunge sprechen könne“. Der britische Abgeordnete George Galloway von der Respekt Partei sagte, dass Robinsons Kommentare ihn „ungeeignet für das Amt des Ersten Minister“ machten. „Es ist einfach unglaublich …, dass jemand mit der Pflicht die Interessen aller Menschen in der Region, der er vorsteht, zu vertreten hat, diese Art von Äußerungen unterstützt“.

Der Abgeordnete der Ulster Union Danny Kinahan sagte, dass Mr. Robinsons Kommentare für viele Menschen viel Schmerz und Kränkung verursacht hätten. „Ich glaube nicht, dass Verallgemeinerungen bezüglich einer ganzen Religion, der viele Hunderte Millionen von Menschen weltweit angehören, angewendet werden kann, und ich bezweifle ernsthaft, dass derartigen Meinungen in Ländern, aus denen er Investitionen für Nordirland für dringend benötigte Arbeitsplätze zu gewinnen versucht, gut ankommen werden.“

Stewart Dickson von der Alliance Party sagte: „Als Erster Minister hat Peter Robinson die Pflicht, das Land zu repräsentieren, und ich bin von seinen Kommentaren bestürzt, dass er nur einem Muslim vertraut, ihm etwas aus einem Geschäft zu besorgen. Das ist äußerst erniedrigend und respektlos gegenüber einer ganzen Religion.“

Die Muslim Association of Britain, sagte: „Die Bemerkungen des Pastors James McConnell kränken nicht nur die tausenden von Muslimen, die friedlich in Nordirland leben, sondern fördern auch Hass und religiöse Intoleranz gegenüber allen Muslimen in Großbritannien. Die Worte des Ersten Minister Robinson zeigen seinen Mangel an Führung. Muslime in Nordirland und in ganz Großbritannien setzen sich für den Frieden, die positive Integration in der Gesellschaft, sowie für das Streben für das gemeinsame Wohl, ein. Sie arbeiten weiterhin positiv zusammen mit ihren Mitmenschen aus anderen Religionen und Menschen ohne Glauben in einer Atmosphäre des Friedens und des gegenseitigen Respekts und Vertrauens für den Aufbau einer starken vielfältigen Gesellschaft.“

In der Tat ist die Unterstützung für Pastor James McConnell durch den Ersten Minister zutiefst enttäuschend. McConnells aufstachelnde Kommentare helfen weder der Integration von Gemeinschaften, noch helfen sie Muslimen in Nordirland ,sich akzeptiert zu fühlen oder mit etwas Würde anerkannt zu werden. In der Tat stiften diese Art von Hasspredigten rassistisch motivierte Überfälle an. Der Erster Minister ist durch die rechtlichen und moralischen Pflichten seines Amtes gebunden, die Gleichstellung in Nordirland zu gewährleisten. Jedoch hat er sich durch diese Äußerungen sehr stark diskreditiert und es ist nun dringend notwendig, sein Engagement für die Gleichstellung und Integration aller Glaubensgemeinschaften zu zeigen, um eine weitere Schädigung der Gesellschaft insbesondere der muslimischen Glaubensgemeinschaft, des Amtes des Ersten Ministers und des Landes zu verhindern.

So sind die Zahlen der jährlichen Kriminalstatistik der Polizei Nordirlands, die der „Belfast Telegraph“ kürzlich publizierte, sehr besorgniserregend. Demnach ist die Anzahl rassistischer Vorfälle, die bei der nordirischen Polizei angezeigt worden sind um fast ein Drittel gegenüber dem vergangenen Jahr angestiegen. Im Zeitraum von April 2013 bis April 2014 wurden 982 rassistische Vorfälle gemeldet, ein Anstieg von 30,9%. Im Vergleich dazu sanken konfessionsgebundene Zwischenfälle (mehrheitlich zwischen Protestanten und Katholiken) um 6,4% auf 1.284. In den Tagen unmittelbar nach dem die anti-muslimischen Äußerungen von Pastor McConnell öffentlich geworden sind, wurden zwei pakistanische Männer in ihrem Haus angegriffen.

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