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Notizen zu Beispielen aus der islamischen Geschichte

Ein Blick auf die ‘Umaijaden (1)

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(iz). Über die Jahre hindurch haben zeitgenössische Gelehrte die Wichtigkeit der Geschichte mit eindeutigen ­Aussagen bewertet. Der amerikanische Phi­­losoph George Santayana ­behauptete beispielsweise, dass „diejenigen, die ihre Geschichte ignorieren, dazu verdammt sind, sie zu ­wiederholen“. Der britische Denker, Dramaturg und Publizist George ­Bernard Shaw war der Ansicht, das wir von „der Geschichte lernen ­können, dass wir nichts aus der Geschichte gelernt haben“.

Aber was hatte der große nordafrikanische Historiker und Pionier der Sozialwirtschaft (1332-1406) über die menschliche Geschichte zu sagen? In seiner Muqaddima1 bietet der größte Historiker des Mittelalters folgende Bestimmung von Geschichte an, die nicht ihresgleichen hat: „Geschichte ist die Aufzeichnung der menschlichen Geschichte, oder der Weltzivilisationen; von den Veränderungen, die im Wesen dieser Gesellschaft vor sich gehen wie beispielsweise Sklaverei, Geselligkeit und Gruppenzusammenhalt; von den Revolutionen und Aufständen einer Gruppe von Menschen gegenüber einer anderen mit den resultierenden Königreichen und Staaten, mit ihren unterschiedlichen Rangstufen; von unterschiedlichen Aktivitäten und von der Beschäftigung der Menschen, sowohl zum Erwerb des Lebensunterhalts als auch mit den unterschiedlichen Wissenschaften und Gewerken; und – im Allgemeinen – von allen Transforma­tionen, denen eine Gesellschaft aufgrund ihres Wesens unterworfen ist …“

Unsere Geschichte – die Erfahrung der verschiedenen muslimischen Völker in allen Ecken der Welt – beginnt vor mehr als 14 Jahrhunderten mit der Offenbarung des Qur’an an den Propheten ­Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, und der Vervollkommnung des Islam. Sobald deutlich wurde, dass die Lebensweise des Islam keine Angelegenheit der Araber mehr war, sondern ein Din für alle Menschen und für alle Zeiten, begann die ­Ausbreitung des Islam nach West und Ost über seinen Geburtsort hinaus.

Vorlauf

Beim Tod des Propheten Muhammad im Jahre 632 [christlicher Zeitrechnung] war die schnell wachsende Gemeinschaft ohne eine festen Führer. Die vier Gefährten des Propheten, die seine suk­zessiven Nachfolger wurden und zu Führern der neugeborenen islamischen Welt wurden, waren einfache, aufrichtige und gottesfürchtige Männer. Sie wurden auch als Al-Khulafa Ar-Raschidun (die rechtgeleiteten Khalifen oder Nachfolger) ­bekannt. Es waren:

• Abu Bakr As-Siddiq (632-634)
• ‘Umar ibn Al-Khattab (634-644)
• ‘Uthman ibn ‘Affan (644-656)
• ‘Ali ibn Abi Talib (656-661)

Sie alle regierten von der Stadt des Propheten, Medina Al-Munawwara, aus. Ihre Handlungen basierten sie auf dem Edlen Qur’an und der Sunna des Gesandten Allahs. Es war Abu Bakr, der vorschlug, dass er den Titel „Khalifat Rasul Allah“ (Stellvertreter des Gesandten Allahs) trug. Während der Regierungszeit ‘Umars wurde der Titel auf Khalifa gekürzt und ein zweiter Titel, Amir Al-Muminun (Befehlshaber der auf Allah Vertrauenden), hinzugefügt.

Die syrischen ‘Umaijaden

Nach der Ermordung von ‘Ali, dem vierten Khalifen und Schwiegersohn des Propheten, durch Mitglieder der Khawaridsch-Sekte ging die Herrschaft nach einer kurzen Zwischenperiode, in der ‘Ali Sohn Hassan ein halbes Jahr lang Khalif in Medina war, an den Gouverneur von Syrien, Mu’awija2, möge Allah mit ihnen allen zufrieden sein, über. Im Jahre 661 übernahm dieser die Khilafa und verlegte die Hauptstadt der jungen muslimischen Gemeinschaft in das syrische Damaskus. Der Grund dafür besteht in der strategischen Wichtigkeit des syrischen Amirats. Denn dieses kontrollierte nicht nur Großsyrien, sondern darüber hinaus Ägypten und Nordafrika und war das militärische Zentrum des muslimischen Daulats.

Mu’awija ibn Abu Sufjan

Der erste ‘umaijadische Herrscher war Mu’awija ibn Abu Sufjan. Er schuf eine gut ausgebildete Armee von syrischen Soldaten und gründete die erste muslimische Marine. Während seiner Regierungszeit erstreckte sich das Haus des ­Islam im Nordwesten bis Kleinasien und im Osten bis an die Grenzen Zentral­asiens. Mu’awija verstand es, die intakten Strukturen des ehemaligen byzantinischen Reiches zu nutzen, um seine neue Regierung aufzubauen. Er regierte mit Nachsicht, und seine Art der Geschäftsführung beschrieb er wie folgt mit den eigenen Worten: „Ich wende mein Schwert nicht an, wenn die Peitsche reicht; und meine Peitsche nicht, wenn die Zunge ausreichend ist. Und selbst wenn es nur ein Haar geben sollte, das mich an meine Mitmenschen bindet, dann würde ich es nicht zerreißen lassen. Wenn sie ziehen, gebe ich nach und wenn sie nachgeben, dann ziehe ich.“

‘Abdalmalik ibn Marwan

Bei Antritt seiner Regierung war die muslimische Gemeinschaft schwer zerstritten. Er machte es bei seinem Antritt 685 zu seiner Aufgabe, das Gemeinwesen zu vereinheitlichen und zu stärken. Seine Ausbreitung reichte nun von ­Nordafrika bis in Teile Zentralasiens. Zur ethnischen Landschaft der Umma zählten nun zwei neue, bedeutende Gruppen: die Berber in Nordafrika und die Türken in Zentralasien. Beide sollten in wesentlichen späteren Phasen der ­islamischen Geschichte bedeutende ­Rollen spielen.

Bis in seine Zeit hinein, wurden die Währungen und Sprachen der bisherigen regionalen Supermächte, das griechische Byzanz und die persischen ­Sassaniden, in den muslimischen Regionen verwendet. Während der Regierung von ‘Abdalmalik ibn Marwan jedoch wurde Arabisch zur offiziellen Sprache des ‘umaijadischen Daulats und ersetzte damit das byzantinische Griechisch und das persische Pehlavi. Die oströmischen Goldmünzen und die persischen Silbermünzen wurden durch eine authentische islamische Währung ersetzt, die bereits von ‘Umar ibn Al-Khattab in ihren Grundzügen beschlossen wurde.3

Der Khalif ‘Abdulmalik installierte ein effektives Modell für die Organisation und Funktion der Regierungsbehörden. Ein ausgearbeitetes Netzwerk der Kommunikation wurde eingerichtet, um Nachrichten von Damaskus in alle Ecken des umfangreichen islamischen Gemeinwesens zu versenden.

Über die Kontrolle politischer Konflikte und die Vereinheitlichung der ­zivilgesellschaftlichen Verwaltung hinaus übersah der Khalif eine ganze Reihe an wichtigen Bauprojekten. Die berühmten Bewässerungskanäle von Tigris und Euphrat wurden gereinigt und wieder eröffnet. Außerdem wird ihm der Bau des berühmten Felsendoms (Al-Qubba As-Sakhra) in Jerusalem zugeschrieben, welche den Ort des Aufstiegs des Propheten (Mi’radsch) überdecken sollte.

‘Abdulmalik ibn Marwan starb im Jahre 705 [christlicher Zeitrechnung] und hinterließ ein stabiles und blühendes muslimisches Gemeinwesen, dass er seinem Sohn Al-Walid hinterließ.

‘Umar ibn ‘Abd Al-‘Aziz

Er zählt zu den auch heute noch am respektiertesten Khalifen der Banu ­’Umaija. Der Rang dieses Khalifen wird auch aus der Tatsache ersichtlich, dass Imam Malik eine ganze Reihe seiner ­Entscheidungen in seiner Muwatta’ aufnahm. Seine Mutter war eine Enkelin von ‘Umar ibn Al-Khattab. Er wurde in Medina geboren und wuchs ebenfalls dort auf, wo seine frühen Kontakte mit islamischen Gelehrten einen großen ­Eindruck bei ihm hinterließen. ‘Umar weigerte sich, nach dem Antritt des ­Khalifenamtes im Palast in Damaskus zu leben, sondern zog es vor, dass die ­Familie seines Vorgängers Sulaiman ibn ‘Abdalmalik dort verbleiben sollte.

Der Khalif nahm die Aufgaben seines Amtes sehr ernst und sagte seinen Leuten, dass sie ihn zurückweisen könnten, sollte er vom Pfad Allahs abweichen. Er orientierte sich an den ersten vier Amtsinhabern und brachte eine ganze Reihe an sozialen Reformen im Geiste des ­islamischen Rechts auf den Weg. So ­pass­te er die Besteuerung von arabischen und nichtarabischen Muslimen den Vorgaben des islamischen Rechts an. Dies, und die Gleichheit vor dem Recht, vereinigte die verschiedenen muslimischen Bevölkerungsteile und motivierte darüber hinaus auch Nichtmuslime dazu, den Islam anzunehmen.

Bei seinem Tod hinterließ er nur 17 Golddinare. Er legte fest, dass die Summe für die Miete seines Wohnhauses und seiner letzten Ruhestätte verwendet werden sollte. Mit ihm erreichte die Regierungszeit der ‘umaijadischen Khalifen ihren Höhepunkt. Es ist selten, dass eine historische Figur auch von ihren überzeugteste Gegnern gepriesen wird, wie es bei ‘Umar ibn ‘Abd Al-’Aziz der Fall gewesen ist.

1 Einführung in die Universalgeschichte
2 Entgegen der unendlichen Schmähungen von Mu’awija durch Sektierer wie die Rafiditen, aber auch durch zeitgenössische Araber, muss betont werden, dass er zu den Prophetengefährten zählte. Ihm kommt daher auch aus theologischer Hinsicht eine gesonderte Stellung zu. Nicht nur wurde er von Abu Bakr in sein Amt gesetzt und von ‘Umar bestätigt; wichtiger ist, dass er als Schreiber des Propheten einen Teil der Offenbarung niederschrieb. Mehrfach erwähnte der Gesandte Allahs ihn lobend. Dass er seinen Sohn im dynastischen Prinzip zu seinem Nachfolger machte, gilt vielen in der Nachwelt als schwerwiegender Fehler, allerdings berief er sich dabei auf seinen persönlichen Idschtihad, da er die neu gewonnene Einheit der Muslime nicht gefährden wollte.
3 Eine Tatsache, die der US-amerikanische Dichter Ezra Pound mehr als 1.250 später in seinen „Usura Cantos“ erwähnte.

Literaturhinweis: Luqman Nagy, The Book of ­Islamic Dynasties, A Celebration of Islamic History and Culture, Taha Publishers, London 2008, ISBN 1-842-00093-4

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