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Offener Ausgang: Interview mit dem Osnabrücker Erhat Toka, der für die MDU bei den Kommunalwahlen antritt

Zwischen 5 und 8 Prozent

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(iz). Bisher traten Muslime in der Politik unseres Landes vor allem als Gegenstand der Debatte, aber nur selten bis gar nicht als ihre Gestalter auf. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich dies auf Landes- und Bundesebene auch in den nächsten Jahren – und im Gegensatz zu Ländern wie Großbritannien – nicht wesentlich ändern wird.
Es gibt aber andere Politikbereiche, wie die Lokal- und die Europapolitik, wo schon heute ausreichend Potenziale und lohnenswerte Aktivitätsfelder bestehen. Nicht nur, weil die Mehrheitsverhältnisse in den Kommunen andere sind, sondern auch, weil in der kommunalen Politik viele Dinge entschieden werden, die auch für Muslime von Bedeutung sind. In der Vergangenheit haben sich die wenigen, politisch aktiven und praktizierenden Muslimen bestehenden Parteien angeschlossen (allen voran der SPD und den GRÜNEN). Allerdings haben die bestehenden, anerkannten Parteien sich nicht sonderlich um sie als Wähler- und Mitgliederpotenzial bemüht, noch ihre spezifischen Anliegen in Betracht gezogen.

Aus diesem Grund entwickelten sich in den letzten zwei bis drei Jahren auf lokaler Ebene einige, quasi “Pilotprojekte” von “Parteien”, die sich auch auf dieses Wählerpotenzial konzentrieren wollen. Dieses Projekt blieb bisher auf muslimischer Seite umstritten und die Reaktionen reichten von Zustimmung bis Ablehnung. Einer dieser Versuche, lokal und später überregional zu reüssieren, ist die in Osnabrück gegründete Muslimisch Demokratische Union (MDU).
IZ-Autor Yasin Bas sprach hierzu mit dem zweifachen Familienvater Erhat Toka. Der 38-jährige Inhaber eines Sportfachgeschäfts ist einer der MDU-Gründer. Er wurde im westfälischen Lengerich geboren, wo er auch aufwuchs.

Frage: Wie kamen Sie auf die Idee, eine muslimische Partei zu gründen?

Erhat Toka: In den letzten Jahren wurde von den großen Parteien in Deutschland eine Politik betrieben, mit der immer mehr Menschen nicht mehr zufrieden waren. Speziell die Muslime wurden von der Politik in eine Täterrolle gesteckt. Alles, was wir machten oder sagten, war verdächtig. Obwohl wir Muslime seit über 40 Jahren in Deutschland in Frieden leben und uns weiterhin ein friedliches Zusammenleben wünschen. Die schwarz-gelbe Regierung lässt keinen Zweifel daran, wer den Großteil der Lasten der Krisen tragen soll: Es sind die Schwächsten in unserer Gesellschaft, die eigentlich ganz besonders der solidarischen Unterstützung der Gemeinschaft bedürfen.

Frage: Wo und für was treten sie an?

Erhat Toka: Ich kandidiere für einen Platz im Osnabrücker Stadthaus und bin der erste Kandidat im Wahlbereich 1.

Frage: Was sind Ihre Ziele?

Erhat Toka: Wir wollen die Gesellschaft mit gestalten und bei bei wichtigen Fragen mit einbezogen werden. Wir haben in unserem Parteiprogramm Themen, die die gesamte Gesellschaft betreffen:

• Aktive Friedenspolitik
• Stärkung der Arbeitnehmerrechte
• Eine faire Integrationspolitik
• Rechtliche Anerkennung des Islams als Religionsgemeinschaft
• Rechte von Muslimen und Migranten stärken

Ich bin eher für die Integration des Islams zuständig.. Da gibt es große Defizite.

Frage: Mit wem haben Sie die Partei gegründet?

Erhat Toka: Die MDU wurde von Menschen aus verschiedenen Ländern gegründet. Darunter sind Ägypter, Marokkaner, Türken, Ugander, Deutsche und Pakistaner. Wir haben insgesamt 14 Kandidaten in sechs der acht Wahlbereiche aufgestellt.

Frage: Wie war die Reaktion auf muslimischer Seite?

Erhat Toka: Die muslimische Bevölkerung steht zu 90 Prozent hinter uns. Selbst Muslime, die mit Islam nicht viel zu tun haben, freuen sich über die Gründung einer muslimischen Partei. Hätte die erste Generation eine muslimische Partei gegründet, wäre die Situation jetzt für uns ganz anders. Wir wollen uns mit dieser Partei nicht von der Mehrheitsgesellschaft abschotten. Ganz im Gegenteil. Wir wollen zeigen, dass wir dazu gehören und mit gestalten wollen.

Frage: Wie stellen Sie sich die Zukunft Deutschlands vor?

Erhat Toka: Eine erfolgreiche soziale Marktwirtschaft, in der jeder die gleichen Chancen hat. Ein Deutschland, in dem jeder einen gerechten Lohn bekommt und keine Existenzängste haben muss und ohne finanzielle Engpässe zu fürchten, Kinder auf die Welt bringen kann. Wo jeder Mensch sicher sein kann, dass er die beste medizinische Versorgung bekommt, die es gibt. Unabhängig von Einkommen oder gesellschaftlichem Stand. Und am besten, ein Deutschland, in dem es egal ist, wo die Urgroßeltern herkamen.

Frage: Was würden Sie machen, wenn Sie gewählt würden?

Erhat Toka: Eine Integrationspolitik von Migranten für Migranten. Es ist nun mal so, dass es muslimische Migranten am schwersten in Deutschland haben. Wenn wir es schaffen, dass es denen besser geht, werden automatisch auch alle anderen Einwanderer davon profitieren. Und damit die Integration funktioniert, würde ich eine Quotenregelung für Migranten in Wohngegenden, Schulen, Ausbildungplätzen, Ämtern und Arbeitsplätzen einführen. Ich würde Veranstaltungen organisieren, bei denen sich die Menschen aus verschiedenen Kulturen näher kommen.

´Frage: Mit wie viel Prozent der Wählerstimmen rechnen Sie bei den Kommunalwahlen?

Erhat Toka: Es gibt in bestimmten Wahlbereichen einen Wählerpotenzial von 5-8 % Muslimen. Wenn wir drei Kandidaten in den Stadtrat bekommen würden, wäre das schon gut. Ich hoffe ja auch, dass uns Deutsche wählen werden. Denn wer an einer wirklichen Integration interessiert ist, sollte uns eine Chance geben.

Frage: Möchten Sie auch irgendwann mal deutschlandweit antreten? Wie wollen Sie Landesverbände in den übrigen Bundesländern gründen? Stellen Sie sich das leicht oder schwer vor?

Erhat Toka: Wenn es für die Sache gut ist, können wir Erfolg haben. Wir haben schon die Unterlagen für die Landtagswahlen, Bundestagswahlen und Europawahlen eingereicht. In verschiedenen Städten werden demnächst Kreisverbände aufgebaut. Es gibt einige Nachfragen und Muslime wollen diese Sache unterstützen. Aber zur Zeit konzentrieren wir uns voll auf Osnabrück.

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